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Freisinger Wärmestube im Corona-Modus:Duschen und eine warme Mahlzeit "to go"

Die Geselligkeit kommt derzeit in der Freisinger Wärmestube zu kurz. Während des Teil-Lockdowns dürfen Bedürftige ihre warmen Mahlzeiten nur abholen. Ein gemeinsames Mittagessen im Speisesaal ist nicht möglich.

(Foto: Marco Einfeldt)

Normalerweise kommen Menschen in schwierigen Lebenslagen für ein Mittagessen in die Freisinger Wärmestube. Während der Corona-Pandemie müssen es sich die Bedürftigen abholen.

Von Sara Livadas, Freising

Ein kleines Stückchen zu Hause für diejenigen die es besonders brauchen: Die Freisinger Wärmestube Mensch Sein bietet Hilfe für Menschen in schwierigen Lebenslagen an, ob das nun durch eine warme Mahlzeit, einen Ort zum Duschen oder ein aufbauendes Gespräch sein mag. Natürlich hat auch hier die Corona-Situation ihre Spuren hinterlassen. Der 75 Quadratmeter große Raum kann momentan keine Gelegenheiten für gemeinsame Mittagessen und persönlichen Austausch bieten. Und trotzdem: Die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Wärmestube stehen nicht still.

"Zusammen mit dem Integrationsprojekt Viva Vita haben wir geschaut, was wir noch machen können, und sind auf einzeln verpackte, warme Essen gekommen", berichtet die Vorsitzende der sozialen Einrichtung Irmgard Schiffer. "Von Mai an haben wir dann die Mahlzeiten an unserer Türe ausgegeben, und die Leute konnten sie sich dann in ihre Unterkünfte mitnehmen." Das sei den ganzen Sommer über sehr gut gelaufen. "Und für uns war es wirklich befriedigend, dass wir überhaupt etwas für unsere Gäste tun konnten."

Täglich ein warmes Essen zum Mitnehmen

Jeden Tag von 11 Uhr bis 14 Uhr gibt es derzeit für die Hilfsbedürftigen das Angebot einer warmen Mahlzeit "to go". An den Samstagen gibt es außerdem eine Lebensmittelausgabe. "Wir haben eine Helferin, die jeden Samstag die Geschäfte abfährt, die uns Lebensmittel zur Verfügung stellen." Dann erfolge eine Ausgabe von dem, was wir von den Händlern bekommen haben, wie Brot, Wurst und Obst. "Manchmal kaufen wir auch noch Konserven dazu, die wir unseren Gästen mitgeben können, dass sie einfach ein bisschen mehr haben", berichtet Schiffer.

Als der Sommer die Lockerungen mit sich brachte, öffnete auch die Wärmestube wieder ihre Türen. Natürlich mit entsprechendem Hygienekonzept und eingehaltenem Abstand innerhalb der vier Wände. Doch das konnte, nach Aussage der Vorsitzenden, nur etwa sechs bis acht Wochen anhalten. Mit dem Beginn des "Lockdown lights" kehrten die Ehrenamtlichen wieder zurück zu ihrem anfänglichen Konzept: "Als wir geöffnet hatten, konnten immer nur sechs Leute hinein, die bei uns gemeinsam mit Abstandsregeln essen konnten", erzählt Schiffer von den Übergängen. Wenn einer wieder gegangen sei, habe der nächste kommen dürfen. "Aber auch währenddessen haben wir die einzeln verpackten Mahlzeiten ausgegeben. Das hat wirklich wunderbar funktioniert und funktioniert auch heute noch."

Auch Wasch- und Lieferservice werden angeboten

Doch die Wärmestube bietet nicht nur Essen an. Auch die Möglichkeit zu duschen oder ihre Kleidung waschen zu lassen, finden die Besucher hier vor. "Wir haben nur einen einzigen Gast, der wirklich auf der Straße lebt und einmal die Woche bei uns duscht, auch jetzt noch während Corona. Weil es ja nur einer ist, geht das schon. Wäsche waschen ist auch noch möglich", sagt Irmgard Schiffer.

Zu den Gästen der sozialen Einrichtung zählten momentan vor allem die "Stammgäste", besonders viele neue Besucher gibt es nicht. Trotzdem ist das Angebot der Wärmestube weiterhin stark gefragt. Pro Tag kämen im Schnitt fünfzehn bis zwanzig Besucher vorbei. Doch auch wer sich aus unterschiedlichsten Gründen nicht traut zu kommen, wird nicht vergessen. "Wir liefern auch", berichtet Schiffer von den erweiterten Diensten der Wärmestube. "Da fährt eine unserer Helferinnen auf dem Heimweg bei den betreffenden Personen vorbei, bringt ein warmes Essen und hängt es an die Türe." Das betreffe Bedürftige, die der Wärmestube bekannt seien. "Meist sind das überwiegend ältere Damen, die sich nicht momentan nicht raus trauen. Frauen kommen generell seltener zu uns, wir haben eigentlich nur zwei Frauen, die regelmäßig in der Wärmestube vorbeischauen."

Die Armut wächst mit den Corona-Beschränkungen

Sorgen macht sich die Vorsitzende darüber, wie es weitergehen soll, falls die Beschränkungen noch länger anhalten. Denn gerade die Gäste der Wärmestube sind oft auf kleinere Gelegenheitsarbeiten angewiesen, die durch die aktuelle Lage nicht möglich sind. "Wenn es jetzt so weitergeht, ist es natürlich für alle nicht einfach", erklärt die Vorsitzende. "All diese Gelegenheitsarbeiten fallen halt weg." Hier und dort mal mithelfen, beispielsweise ein Regal bei jemandem aufbauen, sei schwierig. "Wir helfen deswegen so viel wir können. Wenn jetzt jemand zu uns kommt, der warme Kleidung braucht, dann besorgen wir auch mal eine günstige Winterjacke." Was zurzeit viel gefragt ist, seien lange Unterhosen. "Solche Sachen können wir dann auch noch aus unseren Spenden finanzieren.".

Auch für die 22 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Einrichtung ist die Corona-Lage eine Herausforderung. Schließlich gehöre der größte Teil der Belegschaft selbst zur Risikogruppe und zähle meist schon über siebzig Jahre. Sie als Vorsitzende sei da sehr vorsichtig, weil ich ja auch eine Verpflichtung gegenüber diesem Personenkreis habe, sagt Schiffer. Und keiner wisse, wo sich die Gäste untertags aufhielten. "Wir hatten es uns problematischer vorgestellt, aber es funktioniert alles sehr gut, auch unsere Besucher halten sich vorbildlich an die Hygieneregeln. Ich bin sehr zufrieden, wie das abläuft", resümiert Schiffer über die Arbeit in Krisenzeiten.

© SZ vom 03.12.2020/av
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