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Contra:Steuerzahler trägt Unternehmerrisiko

Von der Unterstützung des Bundes profitiert ausgerechnet eine Branche, deren Mitglieder sich ansonsten staatliche Eingriffe verbitten

Landwirtschaftsministerin Klöckner hat den deutschen Bauern nun doch Finanzhilfen in Höhe von bis zu 340 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Damit sollen die Bauern für die Auswirkungen des ungewöhnlich heißen Sommers entschädigt werden. Davon könnten auch die Bauern im Kreis Freising profitieren, wo die Regenmenge im August bei Rekordtemperaturen um ein Drittel niedriger ausfiel als im Vorjahr. Durch die Finanzspritze erhält ausgerechnet eine Branche Unterstützung aus Steuermitteln, deren Mitglieder sich ansonsten bei jeder Gelegenheit staatliche Eingriffe verbitten, sei es beim Einsatz von Insektiziden oder strengeren Grenzwerten für die Nitratbelastung der Böden.

Den Bauern, die sich ansonsten mit Verweis auf ihre unternehmerische Freiheit gegenüber staatlichen Eingriffen verwehren, sagen Klöckner und die Union: "Euer unternehmerisches Risiko trägt in Zukunft der Steuerzahler", anstatt ihnen zuzurufen: "Willkommen in der Marktwirtschaft!" Alternativ könnte man die Finanzhilfen wenigstens an Bedingungen des nachhaltigen Wirtschaftens knüpfen. Abgesehen davon haben viele Bauern ihre Ertragsausfälle bereits selbst ausgeglichen, wie die Tagesschau berichtete, nämlich durch das Anheben ihrer Preise für Raps und Weizen um bis zu 20 Prozent. Man stelle sich vor, Dachdeckerbetriebe könnten künftig in jedem Winter mit staatlichen Mitteln rechnen, nur weil sie während der kalten Jahreszeit weniger Aufträge bekommen. Wie ein Schildbürgerstreich mutet an, dass die Landwirte nun für Auswirkungen von Wetterphänomenen entschädigt werden sollen, die sie durch ihre Art der Viehhaltung und des Ackerbaus mitverschuldet haben. Den Dachdeckermeister, der jeden Winter die Hälfte seiner Belegschaft entlassen muss und keine Hilfe bekommt, trifft dagegen am Schneefall keine Schuld.