"Chefchef"  der Stadtjugendpflege Menschenfreund und Brückenbauer

Hartmut Fischer will es auch als Rentner rocken lassen.

(Foto: Andreas Gebert)

Kollegen, Künstler und Freisings OB Tobias Eschenbacher bereiten Hartmut Fischer nach 40 Jahren im Dienst zum Abschied ein rauschendes Fest

Von Katharina Aurich, Freising

40 Jahre lang hat Hartmut Fischer die Freisinger Stadtjugendpflege und Jugendkultur geprägt. Immer im Hintergrund, aber dafür umso wirkungsvoller. Unzählige Projekte in der Stadt, unter anderem "Rock am Marienplatz", das Jugendkulturzentrum "Vis a Vis", das Sebaldhaus und vieles mehr wären ohne ihn nicht denkbar. Auch aus dem Lindenkeller wäre vermutlich ohne Fischers Einsatz ein Hotel oder ein Bankgebäude geworden. Mit einem großen Fest feierten seine Mitarbeiter, Kollegen aus der Stadtverwaltung und natürlich zahlreiche Künstler am Samstag dort Fischers Abschied. Aber ganz werde er sich nicht zurückziehen, versprach der Mann mit dem Pferdeschwanz und der tiefen Stimme.

In den Abschiedsreden schwang ein bisschen Wehmut mit, vor allem aber sehr viel Dankbarkeit und Erinnerungen an vier ereignisreiche Jahrzehnte, in denen Fischer die Stadt Freising zu einem überregional anerkannten Beispiel für Jugendarbeit gemacht hat. Fischer habe auch kulturell der Stadt viel Glanz verliehen, sagte der Musiker und Musikproduzent Yogi Lang. Freising und Hartmut, das sei eine Wunschbeziehung und Fischer der routinierte Dirigent im Orchester der Möglichkeiten.

Besonders herzlich verabschiedeten sich Fischers Mitarbeiter von ihrem "Chefchef", wie sie ihn nennen. Denn jeder in seinem Team sei ein bisschen Chef, aber der Hartmut eben der "Chefchef". Als "Fischerchöre" sangen sie ihm ein Gstanzl "ja so an Chef, den möcht jeder hobn, so an Chef, den kann ma nur lobn". Seinen Mitarbeitern lasse Fischer viel Freiraum für neue Ideen und gebe ihnen Eigenverantwortung. Warmherzig und anerkennend gehe er mit seinem Team um und ermögliche spontane und kreative Aktionen, schilderte Fritz Andresen, der mit Fischer in der Stadtjugendpflege als Doppelspitze arbeitet und durch den Abend führte. "Alle spüren die Freude, die der Hartmut bei seiner Arbeit hat und er schaffte es sogar, bei der Stadtverwaltung Verständnis für die Jugendarbeit zu wecken", sagte Andresen. Rückblickend sei es Wahnsinn, wo die kommunale Einrichtung "Stadtjugendpflege" überall mitmischte. Sogar im legendären Veranstaltungsort "Circus Gammelsdorf" organisierte sie mit, es gab Konzerte in der Tiefgarage an der Wippenhauserstraße und nicht zu vergessen das erste Punkkonzert in Freising auf dem Kaufhallenparkplatz, zählte Andresen auf. "Dem Hartmut" habe er immer hundertprozentig vertraut, formulierte Kulturamtsleiter Adolf Gumberger zum Abschied. "Danke für die Dinge, die du mich gelehrt hast".

Fischers großes Talent sei das Brückenbauen, schilderte Karl-Heinz Wimmer, sein Chef in der Freisinger Stadtverwaltung. Denn wenn Sozialpädagogen auf Verwaltungsmitarbeiter träfen, sei das so, wie wenn Erdbewohner mit Marsmenschen kommunizierten. Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher erinnerte sich, wie er als Bub zum ersten Mal auf dem Abenteuerspielplatz Sebaldhaus einen Hammer und Nagel in die Hand nahm, später dann im Jugendzentrum Kicker und Billard spielte und mit seiner Band auftreten konnte. "Es war fantastisch", beschrieb der OB. Als Fischer in Freising begann, "da gab es bei uns ja fast nur Volksmusik", erinnerte sich schließlich Kulturreferent Hubert Hierl. "Sie (Fischer) haben uns beigebracht, dass Rock und Pop auch Musik ist". Das ist offensichtlich quer durch alle Altersgruppen gelungen, denn im drangvollen Lindenkeller-Unterhaus feierten unter anderem die Wellküren, der Meister des Varieté-Puppenspiels, Stephan Blinn, Herbert und Schnipsi, die Ricardo Folkert Band und viele Freisinger Musiker ein rauschendes und würdiges Abschiedsfest für einen ganz großen Menschenfreund und beliebten Kulturorganisator.