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Campus Weihenstephan:Brot aus dem Drucker

Matthias Reger (rechts) erklärt die Funktion eines Roboters, der in Kuhställen zum Einsatz kommt.

(Foto: Marco Einfeldt)

Technische Universität öffnet zum 150. Geburtstag ihre Türen

"Viele von euch fragen sich jetzt sicher: Warum backen Bierbrauer Brot?", bemerkt Mario Jekle, als er vor der Fakultät für Brau- und Getränketechnologie der Technischen Universität München steht. Die hat am vergangenen Samstag zu ihrem 150-jährigen Bestehen zum "Tag der Offenen Tür" mit einer Vielzahl von Veranstaltungen eingeladen - und es war an Jekle, zwanzig der Gäste durch die "Forschungsbäckerei" in Weihenstephan zu führen. "Am Ende liegt beides nicht so weit auseinander: Brauer wie auch Bäcker arbeiten beide mit Wasser und Hefe. Und wir studieren irgendwie alle Getreidewissenschaft", beantwortet der Gruppenleiter der Arbeitsgruppe Getreidetechnologie und -verfahrenstechnik seine eigene Frage. Eine Wissenschaft ist es wirklich, wie sich auf der Führung durch die Labore der Forschungsbäckerei zeigt. Unzählige Maschinen, Mikroskope und Apparate, mit denen die Studenten die optimale Knetzeit, verwendete Wassermenge und Elastizität des Teiges untersuchen. "Das scheint doch alles sehr weit weg vom normalen Bäcker, ist für ihn aber trotzdem unglaublich wichtig", erhärt Jekle. Die in den Laboren entstehenden Ergebnisse werden in der Industrie vielfach verwendet, die Forschungsprojekte sind durch Großbäckereien und Biobäcker finanziert.

Die Unterschiede zwischen deren Produkten können die Besucher nach der Führung auch gleich mit ihrem neu gelernten Wissen testen: Warum ist das eine Brot wohl luftiger als das andere? Wie laut knackt die Breze? Denn auch Eigenschaften wie die Knusprigkeit des fertigen Gebäcks wird in den Laboren untersucht. Es wird in einer isolierten Box langsam zerdrückt, ein Mikrofon misst die Lautstärke des typischen Knackens, das ein jeder vom Reinbeißen kennt, und drückt es so in Zahlen aus. Viele der Besucher beeindruckt vor allem ein 3-D-Drucker, mit dem sich tatsächlich Brot drucken lässt. "Brot 2.0 sozusagen!", ruft eine Mutter lachend. "Genau. Für mich ist es durchaus vorstellbar, dass so ein Drucker in Zukunft bei jedem Bäcker steht. Vielleicht nicht in zwei, bestimmt aber in 30 Jahren", stimmt Jekle zu.

Etwa einen Kilometer entfernt, in der Fakultät für Agrar- und Gartenbauwissenschaften, werden derweil aus Zahnbürsten und Handybatterien Mini-Roboter gebaut. Gerade ist ein Junge an der Lötmaschine fertig geworden, Sebastian Wolfrum schaltet das fertige Gerät zur Probe an. Schon fährt der kleine Zahnbürstenkopf von selbst über den Tisch und dreht seine Kreise. "Das ganze ist quasi ein vereinfachtes Miniaturmodell der großen Stallroboter, die beim Bauer im Stall sauber machen", erklärt der Doktorand. Das soll den Kleinen schon einmal spielerisch an die Technologien heranführen, mit denen in Weihenstephan gearbeitet wird. "Jeder kann seinen selbstgebauten Roboter nachher mit nach Hause nehmen - auch wenn das den Staubsauger leider nicht ersetzt. Dafür bräuchte man schon 200 der kleinen Putzroboter", fügt er lachend hinzu. Ein paar Zimmer weiter kann man sich mit einem deutlich größeren Modell auf eine Verfolgungsjagd begeben. Mit Sensoren an den Beinen laufen dort Kinder durch einen Parcours - und der Forschungsroboter der TU läuft ihnen hinterher. Das war eine der vielen interaktiven Veranstaltungen, Führungen und Vorträge für Familien und Studenten in spe, welche die Universität den ganzen Tag über anbot.