Daran, dass Christian Moser für die CSU das Direktmandat im Wahlkreis 2013 erringen würde, bestand von Anfang an kein Zweifel. Im Landkreis Freising vereinte er mit 43,1 Prozent der Stimmen den Löwenanteil der Stimmen auf sich. Moser holte sogar ein besseres Ergebnis als sein Vorgänger Erich Irlstorfer vier Jahre zuvor. Die AfD ist mit 19,1 Prozent jetzt mit Abstand die zweitstärkste Partei im Wahlkreis, noch vor den Grünen. Und das, obwohl deren Direktkandidat Leon Eckert mehr Stimmen holte als AfD-Direktkandidat Claus Staudhammer. Die Wahlbeteiligung war mit 86,5 Prozent höher als vor vier Jahren.
Prognosen hatten eine hohe Wahlbeteiligung vorhergesagt. In der Tat, den ganzen Tag über waren mehr Menschen auf den Freisinger Straßen zu sehen als an einem gewöhnlichen Sonntag. Die derzeitigen Probleme wie innere Sicherheit, Migration und die Wirtschaftskrise haben offenbar viele zum Gang an die Wahlurnen motiviert. Sie waren sich der Tragweite dieser Bundeswahl bewusst. Meinungsforschungsinstitute hatte eine ähnlich pessimistische Grundstimmung wie zuletzt vor zwanzig Jahren diagnostiziert.
Countdown zur „Wahlparty“ im Landratsamt
Landrat Helmut Petz (FW) eröffnete die Wahlparty mit einem kleinen Countdown. Drei Direktkandidaten hatten sich im Landratsamt eingefunden. Das erste Ergebnis lieferte um 18.28 Uhr das Gammelsdorfer Pfarrheim und es sollte schon mal einen Trend setzen. Christian Moser (CSU) kam auf 55, 9 Prozent, mit Abstand folgte die AfD (17,1). Als erste Gemeinde war allerdings Hörgertshausen komplett. Moser (38,5) gewann deutlich, zweitstärkste Partei war die AfD (22,5) und Birgit Weinsteiger vereinte beachtliche 13,7 Prozent auf sich. In den ländlichen Gemeinden haben wie schon in den vergangenen Jahren die konservativen Parteien ihre größte Wählerschaft.

Den Trend bestätigt Claus Staudhammer von der AfD. Im nördlichen Landkreis war seine Partei stimmenmäßig stark präsent. Er sei mit seinem Ergebnis ganz zufrieden. Die AfD sei auf dem richtigen Weg. Es sei gelungen, der CSU einige Stimmen abzunehmen. „Das war das Ziel.“ Es reiche aber nicht für den ersten Platz. Im Norden des Landkreises Freising und vor allem im nördlichen Landkreis sei man nah an den Christsozialen dran. In vielen Gemeinden sei man zumindest zweitstärkste Kraft. Im Süden ist die AfD weitaus weniger präsent. Je näher die Lage zu München sei, umso stärker werden die Wählerschaft der Grünen.
Leon Eckert (Grüne) ist das bewusst. Um das Abschneiden der Grünen beurteilen zu können, dafür fehlten ihm zur Hälfte der Auszählung noch die Voraussetzungen. Aber immerhin seien die Grünen in der Stadt Freising die zweitstärkste Kraft. Seinem Eindruck nach seien die Grünen im Landkreis stabil geblieben. Mit seinem persönlichen Ergebnis ist er allerdings zufrieden. Sein Wahlkampf habe sich ausgezahlt. „Das ist eine persönliche Wertschätzung.“ Was seine Heimatgemeinde Eching anbelangt, kam der Kandidat der Grünen als Zweiter ins Ziel. Er holte 17,7 Prozent. Damit blieb er deutlich hinter Moser zurück, distanzierte aber Staudhammer (13,5), der in der Gunst der Wähler hier auch Andreas Mehltretter (SPD) den Vortritt lassen musste (13,9). Eckert wird erst an diesem Montag erfahren, ob er den Landkreis weiterhin im Bundestag vertreten darf. „Wahrscheinlich ja“, gibt er sich zuversichtlich.
Simon Schindlmayr (CSU) zieht ein positives Fazit aus der Bundestagswahl. Es sei gelungen, das Ergebnis von vor vier Jahren zu verbessern. Davon, dass Moser das Direktmandat holt, hat er keinen Zweifel. „Er war ein starker Kandidat“, resümiert Schindlmayr. Schwierig werde es aber jetzt, in Berlin eine Koalition zu bilden.

Petz gibt sich in seiner Position als Landrat überparteilich. Er sei aber von der Haltung des noch amtierenden Bundeskanzlers beeindruckt. Dieser sprach von einem „bitteren Wahlergebnis“ für die SPD und fügte hinzu: „Dass in diesem Land eine extrem rechte Partei wie die AfD solche Wahlergebnisse bekommt, das darf niemals etwas sein, mit dem wir uns abfinden werden.“
Birgit Weinsteiger ist zufrieden mit dem Abschneiden der Freien Wähler im Landkreis und ihrem eigenen. Für kleine Parteien sei der kurze Wahlkampf schwierig. Vom bundesweiten Abschneiden der CDU/CSU sei sie enttäuscht. Sie gesteht, dass sie jetzt aber Lust auf Wahlkampf bekommen habe. Der für die Kommunalwahl im Jahr 2026 beginne in wenigen Tagen. Birgit Weinsteiger will sich vor allem um den Einzug in den Kreistag bemühen. Eine Bewerbung um einen Sitz in der Gemeinde Kirchdorf, ihrem Wohnort, schließt sie nicht aus. In ihrer Heimatgemeinde holte Birgit Weinsteiger mit 16,1 Prozent ihr bestes Ergebnis und ließ sogar den AfD-Kandidaten Staudhammer hinter sich.

FW-Landtagsabgeordneter Benno Zierer sieht den Ausgang der Bundestagswahl von der Angst der Wählerinnen und Wähler geprägt. Er leitet daraus ab, dass die Wählerschaft den etablierten Parteien nichts mehr zutraue. Mit dem Abschneiden der Freien Wähler im Landkreis Freising ist Benno Zierer zufrieden. Birgit Weinsteiger habe als Kandidatin hervorragende Arbeit geleistet. Es sei gelungen, mit der politischen Arbeit ein Zeichen zu setzen. Darauf lasse sich aufbauen. Was den Landshuter Landrat Peter Dreier und Hubert Aiwanger anbelangt, die sich für den Bundestag beworben hatten, habe sich gezeigt, dass die Wählerinnen und Wähler den einen nicht aus ihrem Landkreis, den anderen nicht aus der bayerischen Regierung verlieren wollten.
Die Stadt Freising erwies sich ein weiteres Mal als Bastion der Grünen. Moser holte hier 32,9 Prozent, die CSU 30. Eckert kam auf 24,8 Prozent, die Grünen auf 22,2. Mehltretter (16,8) platziert sich in der Stadt auf Rang drei, noch vor dem Kandidaten der AfD (10,6). Ähnlich verhält es sich in Marzling, wo die Grünen über eine große Stammwählerschaft verfügen. Moser war auch hier deutlicher Sieger (38,6). Eckert vereinte hier 18,3 Prozent der Stimmen auf sich. In Neufahrn liegt auch klar Moser vorne (40,7). Auch hier blieb Eckert, wenn auch knapp (15,6) vor seinem Mitbewerber von der AfD (14,4). Mehltretter kommt hier immerhin auf ein Ergebnis von 14 Prozent.
Mit ziemlicher Verspätung traf das finale Ergebnis aus Moosburg im Landratsamt ein. Moser war auch hier Sieger (36,5), auf Rang zwei kam Mehltretter (16,5) vor Staudhammer (16,1).

