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Bundestag:Jugendliche dürfen probeweise wählen

Am 13. September finden im Landkreis U 18-Wahlen statt. Weil das ganz kurz nach den Ferien ist, wird eine geringere Beteiligung als vor vier Jahren erwartet

Ganz so viel Aufwand, wie mit den versiegelten Urnen für die Bundestagswahl betrieben wird, muss für die U-18-Wahl in Freising nicht sein.

(Foto: AP)

Sobald Ferien und Sommerurlaub vorüber sind, erwartet alle Freisinger ein ereignisreicher Wahlmonat: Immerhin steht am 15. September der bayerische Landtag, eine Woche später am 22. September der Bundestag zur Abstimmung. Schon einige Tage vorher schreiten junge Menschen unter 18 Jahren zu den Urnen, wenn am 13. September die sogenannte U 18-Wahl stattfindet. An dem bundesweiten Projekt beteiligt sich der Landkreis Freising bereits zum zweiten Mal. Simuliert wird dabei die richtige Bundestagswahl, die neun Tage später für die Erwachsenen stattfindet. An der zurückliegenden U 18-Wahl vor vier Jahren nahmen in ganz Deutschland etwa 130 000 Kinder und Jugendliche teil.

Der Kreisjugendring Freising kümmert sich um die Organisation im Landkreis. Die U 18-Wahl von 2009 sei ähnlich wie die Bundestagswahl verlaufen, berichtet Geschäftsführerin Claudia Nertinger, "die Ergebnisse waren durchaus miteinander vergleichbar." Damit die Jugendlichen auch diesmal bis September entsprechend über die Parteiprogramme Bescheid wüssten, haben alle teilnehmenden Schulen und Vereine umfangreiches Informationsmaterial erhalten. Zusätzlich soll am 5. September eine offene Podiumsdiskussion mit allen Bundestagskandidaten im alten Freisinger Jugendzentrum stattfinden. Jeder Teilnehmer könne dabei zu jeder Zeit in die Debatte einsteigen und mitreden, sagt Claudia Nertinger.

Dass so etwas in einem hitzigen Streit enden könnte - so wie das angeblich vor vier Jahren bei einer Diskussionsrunde mit dem CSU-Bundestagsabgeordneten Franz Obermeier geschehen sein soll - halten die Organisatoren hingegen für ausgeschlossen. "Die Sitzungen im Kreisjugendtag sind durchaus niveauvoll", sagt Moosburgs Jugendreferent Johannes Becher. Wenn man Jugendlichen auf Augenhöhe begegne, führe das eigentlich immer zu einem beiderseitig respektvollen Umgang. Außerdem würden sich Politiker auch über kritische Fragen freuen, "so kann man seinen Standpunkt darlegen."

Für die U 18-Wahl werden voraussichtlich sieben Wahllokale im Landkreis eingerichtet. In Freising kümmern sich die Mittelschule Neustift und das Domgymnasium um die entsprechenden Örtlichkeiten, ein Stand soll außerdem jeweils am Kriegerdenkmal und in Lerchenfeld stehen. In Moosburg beteiligen sich die Mittelschule und das Gymnasium. Einen etwas entlegenen Außenposten richtet der Musikverein in Zolling ein. Im Orchester säßen einige erfahrene Wahlhelfer, "die das Projekt gerne unterstützen", erläuterte Vorsitzender Franz Donauer. Zusätzlich zum Wahllokal wolle man ein kleines Programm anbieten, bei dem die jungen Wähler beispielsweise Instrumente ausprobieren könnten. "Ich werde auch mit dem Rektor unserer Mittelschule sprechen, damit sie am Wahltag ihre Leute rüber schicken", verspricht Donauer.

Damit die Wahl selbst reibungslos funktioniert, gibt Jugendreferent Becher interessierten Jugendlichen gerade entsprechende Schulungen, immerhin "betreiben sie ihre Wahllokale selbst". Er persönlich hoffe, mit der Aktion mehr junge Menschen für Politik begeistern zu können, "das ist elementar für unsere Gesellschaft." Für die nächste U 18-Wahl in vier Jahren setzt er darauf, dass das Beispiel Zolling Schule gemacht hat und auch die übrigen Gemeinden ihr Wahllokal einrichten: Damit wäre dann zum ersten Mal eine flächendeckende Abstimmung im gesamten Landkreis möglich. "Demokratie ist ja keine Sache großer Städte", sagt Becher. Der Musikverein in Zolling überlegt sich jedenfalls schon, wie man der Kommunalwahl im März unter die Arme greifen könnte. "Das Thema geht uns schließlich alle an", sagt Donauer.

Bei aller Hilfestellung und Motivation, die Entscheidung zum Wählen bleibt natürlich weiterhin jedem selbst überlassen. Ein klassenweises Antreten zum Ankreuzen werde es deshalb auch bei der U 18-Wahl nicht geben, versichert Nertinger, "das ist eine rein freiwillige Angelegenheit." Vor vier Jahren machten immerhin 1320 Freisinger Jungwähler von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Für 2013 rechnet Nertinger jedoch mit einer deutlichen schwächeren Wahlbeteiligung von 400 bis 500 Jugendlichen. Diese niedrige Zahl ist indes auch der große Wermutstropfen für die Organisatoren: Denn der Wahltag fällt in Bayern ausgerechnet auf den zweiten Schultag - für viele Schulen ein denkbar schlechter Termin, um ein Projekt solcher Größenordnung zu organisieren. Daher sind dieses Jahr nur vier Schulen aus dem Landkreis Freising mit an Bord. "Ich hoffe", sagt Nertinger, "dass die Schüler anderer Schulen sich davon nicht abhalten lassen und sich einfach an den freien Wahllokalen eintragen."

© SZ vom 01.08.2013
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