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Bürgerversammlung in Eching:Wohnbau als zentrales Thema

Zum ersten Mal ist in Eching eine Bürgerversammlung auch per Live-Stream übertragen worden. Wegen der Corona-Pandemie hatten sich nur gut 50 Echingerinnen und Echinger ins Bürgerhaus verirrt, via Internet zugeschaltet waren wohl noch einmal gut 90.

(Foto: Marco Einfeldt)

Echings Bürgermeister stellt in der Bürgerversammlung die aktuellen Anstrengungen der Gemeinde zur Schaffung von Wohnraum vor, äußert aber Zweifel an dessen Finanzierbarkeit. Erstmals gibt es einen Live-Stream

Von Klaus Bachhuber, Eching

Weltweit und lokal war die Echinger Bürgerversammlung am Mittwoch erstmals aufgezogen. Wegen der Limitierung durch die Corona-Regelungen wären gerade 100 Besucher im Bürgerhaus zugelassen gewesen, etwa 50 verloren sich schließlich in den Reihen. Parallel bot die Gemeinde die Veranstaltung zum ersten Mal auch im Live-Stream an; hier gab es wohl an die 90 Klicks. Wegen des Lockdowns gab es ohnehin deutlich weniger Berichtenswertes als üblicherweise.

Schwerpunktthema waren die Neubaugebiete, von denen Bürgermeister Sebastian Thaler die fünf akut anstehenden im Detail vorstellte. Östlich der Böhmerwaldstraße sind demnach die meisten Parzellen im vergünstigten Wohnbaumodell der Gemeinde verkauft, die Erschließungsarbeiten sollen Ende November abgeschlossen sein. Für Eching-West zwischen Hollerner und Maisteigstraße sollen die 28 Grundstücke im Wohnbaumodell noch heuer ausgeschrieben werden. Der private Grundstückseigentümer in dem Areal hat bereits mit Bauarbeiten begonnen, die Erschließung steht kurz vor dem Abschluss.

In Dietersheim Süd-Ost am Mühlenweg beginnt demnächst der Straßenbau, die immerhin 31 Bauplätze im Wohnbaumodell werden Anfang 2021 vergeben. Auch hier stehen private Gebäude bereits. An der verlängerten Bernhard-Lichtenberg-Straße in Eching läuft ebenfalls die Erschließung, hier vergibt das Rathaus allerdings keine Baugrundstücke, sondern wird wahrscheinlich in Eigenregie Wohnungen errichten. Nach diesen vier mehr oder weniger baureifen Quartieren folgt dann der Dietersheimer Anger, der aktuell noch in der Planungsphase ist.

Einmal mehr äußerte Thaler Skepsis über die Finanzierbarkeit von Bauvorhaben selbst im Wohnbaumodell. Die Größe der Grundstücke, die noch vor der völligen Überhitzung des Immobilienmarkts festgelegt worden waren, seien "ein Fehler im System", sagte er. Das Wohnbaumodell lasse nur Bewerber bis zu einer finanziellen Obergrenze zu - aber unterhalb dieses Levels sei es kaum noch darstellbar, das Bauprojekt auch umzusetzen.

Bei den anstehenden Vergaben für Eching West und Dietersheim sind die Bodenrichtwerte gegenüber den Preisen an der Böhmerwaldstraße noch weiter geklettert. "Wie wir da Grundstücke mit Größen bis zu 500 Quadratmeter vergeben sollen, ist mir ein Rätsel", sagte Thaler. Er forderte, "für Neubauvorhaben anders zu denken". Wie bei den Baugebieten der 70er und 80er Jahre wolle er auch wieder "mehr Gestaltung von außen reinholen", über Architektenwettbewerbe oder andere moderne Planungsformen.

Die größte Baustelle der Gemeinde, das neue Rathaus, laufe geräuschlos, schilderte der Bürgermeister. Angepeilt ist der Bezug durch die Gemeindeverwaltung im März. Parallel läuft die Sanierung der Tiefgarage darunter, auch hier seien keinerlei Pannen oder Probleme zu melden. Das größte Projekt des Jahres war der Kauf des angrenzenden Huberwirts durch die Gemeinde. Das sei "ein strategisch wichtiges Grundstück", betonte der Bürgermeister, "das ermöglicht eine ganz neue Ortsmittenplanung". Der Kauf bedeute, dass man 2020 "in die Rücklagen reinlangen" müsse, sagte er, "aber dafür sind sie ja auch da."

An neuen Initiativen der Gemeinde erinnerte er an die erstmalige Sportlerehrung und den erstmaligen Neubürgerempfang, beides Anfang des Jahres. Man werde beide Neuerungen "definitiv wiederholen", sagte er - "aber fragen Sie mich nicht, wann das wieder geht". Der Bürgerhaushalt macht heuer Corona-Pause. Die 2018 eingeführte Finanzierung von Anregungen und Wünschen aus der Bürgerschaft fällt heuer der Ausgabensperre zum Opfer, die zur Abfederung möglicher Steuerausfälle durch den Lockdown erlassen wurde. "Das sind 50 000 Euro, die wir durchaus einsparen können und auch müssen", bedauerte Thaler. Er würde aber "schon gern 2021 wieder eine Runde starten", da das Rathaus "dankbar für diese Anregungen" sei.

Aktuell hat Eching unter Einberechnung von gemeldeten Zweitwohnsitzen die 15 000-Einwohner-Marke überschritten. Erstwohnsitze sind 14 533 registriert. Mutmaßlich Corona hat die Fluktuation am Ort heuer dramatisch reduziert. Gab es in den Vorjahren jeweils um die 1300 Zuzüge nach Eching und jedes Mal auch annähernd gleich viel Wegzüge, so liegt die Zahl der Zuzüge bis September heuer bei 459, die der Wegzüge bei 403.

Die Wortmeldungen der Zuhörer drehten sich nach Thalers rund 75-minütigem Vortrag überwiegend um defekte Straßenlampen oder störende Bordsteinkanten. Eine Anliegerin am Waldweg monierte, dass in dem Viertel nach Feierabend und an Wochenenden regelrechte Rennen ausgefahren würden, man höre heulende Motoren und quietschende Reifen. Der Bürgermeister, im Ausweich-Rathaus an der Fürholzer Straße selbst Anlieger, bestätigte die Wahrnehmung. Die Ahndung sei Aufgabe der Polizei, sagte er. Bauliche Veränderungen zur Geschwindigkeitsreduzierung seien nicht denkbar, da in dem Gewerbegebiet auch Lastwagen Platz haben müssten.

© SZ vom 25.09.2020

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