Bürger zweifeln Bedarf an Mehr Zuzug, mehr Verkehr

Das Bundesverkehrsministerium forciert den Bau der Ortsumgehung von Rudelzhausen. Davon sind nicht alle begeistert

Von Peter Becker, Rudelzhausen

Die Gemeinde Rudelzhausen im nördlichen Freisinger Landkreis liegt verkehrstechnisch recht günstig im Dreieck zwischen den Boomregionen Regensburg, Ingolstadt und München. Der Siedlungsdruck ist längst schon in diesem Fleck der Hallertau angekommen. Wer sich das Wohnen in den teuren Großstädten nicht leisten kann, der zieht eben aufs Land. Das Bundesverkehrsministerium rechnet deshalb mit einer erheblichen Zunahme des Autoverkehrs auf der Bundesstraße B 301 und hat eine große Ortsumgehung zwischen Puttenhausen bei Mainburg, im südlichen Zipfel des Landkreises Kelheim, und Rudelzhausen in den vordringlichen Bedarf aufgenommen. Sehr zum Verdruss einiger Bürger. Sie befürchten die Zerstörung der Landschaft und zweifelten während der Bürgerversammlung einmal mehr die Zahlen an, welche die Aufnahme der Umgehung in den vordringlichen Bedarf begründen sollen.

Ein Gegner der Umfahrung sprach sogar von Manipulation. Das prognostizierte Fahrzeugaufkommen von 10 000 Autos pro Tag sei so hingerechnet worden, dass es die Untergrenze des Werts erreicht habe, das eine Aufnahme in den vordringlichen Bedarf rechtfertige, schimpfte er. Die Bürgerinitiative "B 301 - Zeit für Vernunft" hatte vor der Bürgerversammlung einen Fragenkatalog formuliert, den das Staatliche Bauamt beantwortete. Georg Brunner, einer der Sprecher der Bürgerinitiative, empfand die Antworten allerdings als "unbefriedigend".

Die Prognose des Verkehrsaufkommens im Jahr 2030 hat ein externes Büro für das Bundesverkehrsministerium berechnet. Das geht aus der Antwort des Bauamts hervor. Was Brunner insofern ärgerte, als es sich dabei um einen nicht näher bestimmten Personenkreis handelt, dem er genaue Ortskenntnisse abspricht. Denn, so argumentiert er, wie kämen die Planer zu der Behauptung, dass pro Tag 10 000 Fahrzeuge die Umfahrung nutzten, die weiter südlich gelegene Umgehung des Ortsteils Enzelhausen, für welche die Planung bereits läuft, aber nur 5000. Dann würden 5000 Fahrzeuge quasi verschwinden. Außerdem würden 2030 dann doppelt so viele Autos auf der Bundesstraße unterwegs sein wie derzeit. Die Bürgerinitiative zweifelt ebenfalls an, dass die Umgehung 3846 Bürger entlaste. Denn so viele Einwohner habe Rudelzhausen nicht.

Das Staatliche Bauamt weist in seiner Stellungnahme den Vorwurf, dass falsche Zahlen der Prognose zugrunde lägen, zurück. "Beim Bedarfsplan handelt es sich um eine grobe Rahmenplanung des Bundes, um bei einzelnen Projekten überhaupt in die Planung einsteigen zu dürfen", erläutert Alex Eder vom Staatlichen Bauamt. Es gebe zum aktuellen Zeitpunkt eine gewisse "Unschärfe". Eder und Rudelzhausens Bürgermeister Konrad Schickaneder (CSU) weisen darauf hin, dass die Zahlen für das Verkehrsaufkommen im Laufe der Planung weiter konkretisiert würden.

Walter Hagl, Befürworter der Umgehungsstraße, ergänzte, dass sich die prognostizierten Zahlen nicht nur allein auf Rudelzhausen beziehen. "Wir haben nun mal einen Zuzug in den Landkreis", stellte er fest. In der Region gebe es Arbeit, "deshalb kommen die Leute zu uns".

Schickaneder sagte, mit der Aufnahme der Umfahrung in den vordringlichen Bedarf bis zum Jahr 2030 sei deren Umsetzung quasi "Gesetz" geworden. Den Gegnern der Ortsumgehung bleibt jedenfalls eine gewisse Galgenfrist. Laut Staatlichem Bauamt ist dieses Projekt im "hinteren Segment" der Vorhaben aufgeführt. Die Behörde hofft, zumindest noch vor dem Jahr 2030 mit dessen Planung beginnen zu können. Unbefriedigend ist diese lange Zeitspanne sowohl für die Gegner als auch für die Befürworter.