Borkenkäfer im Landkreis Freising:Sie sind wieder da

Holzpreise

Befallene Bäume müssen gefällt, noch im Mai aus dem Wald gefahren und mindestens 500 Meter weit zum nächsten Fichtenbestand gelagert werden.

(Foto: dpa)

Der viele Regen ändert daran nichts: In den vergangenen Jahren hat sich der Borkenkäfer stark vermehrt. Derzeit schwärmt er aus dem Winterquartier aus, Waldbesitzer sollten ihren Forst auf Befall kontrollieren.

Von Katharina Aurich, Freising

Kaum wird es im Frühjahr wärmer, beginnt es in den Wäldern unter den Rinden der Fichten und Kiefern und im Streu auf dem Waldboden zu krabbeln. Die Borkenkäfer schwärmen aus ihrem Winterquartier aus und suchen sich neue Brutplätze unter Baumrinden. Da sich die Insekten in den vergangenen heißen und trockenen Jahren stark vermehrten, empfehlen die Fachleute von der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft (LWF) jetzt allen Waldbesitzern, aufmerksam zu sein und befallene Bäume sofort aus dem Bestand zu entfernen.

Das ist die wirksamste Methode, sich gegen die Zerstörung der Baumbestände zu schützen, erklärt Ludwig Straßer, stellvertretender Abteilungsleiter "Waldschutz" bei der LWF. Im Moment herrschen zwar "Luxusbedingungen" für die Bäume, sie können sich bei Temperaturen um 16 Grad und feuchtem Wetter gut gegen das Eindringen der Käfer wehren. Dennoch gilt es, wachsam zu sein, empfehlen die Fachleute.

Im Moment herrschen "Luxusbedingungen" für Bäume, doch die Vorjahre waren hart

Da die Fichte ursprünglich aus feuchten, sogenannten borealen Gebieten stammt, haben die Bäume während heißer und trockener Sommer zu kämpfen, und die Borkenkäfer leichtes Spiel, unter die Rinden einzudringen, dort ihre Gänge für die Eiablage zu graben und damit den Transport des Lebenssaftes der Bäume, der unter der Rinde fließt, zu unterbrechen. Buchdrucker und Kupferstecher heißen die meisten bei uns heimischen Borkenkäferarten, die bevorzugt Fichten und Kiefern befallen.

Die Käfer sind wesentlich besser als die Bäume an sich verändernde Klimabedingungen angepasst. Auch durch harte Winter werden die Populationen nicht dezimiert, die Insekten überleben auch niedrige Temperaturen. "Wir haben sie bis minus 20 Grad eingefroren und wieder aufgetaut. Danach waren sie wieder lebendig", berichtet Straßer. Was ihnen schadet, sind oft wechselnde Klimabedingungen, von feucht und trocken, kühl und heiß. Dann werden die Insekten von Pilzen befallen, was ihr Ende ist, so Straßer.

"Geben Sie jetzt noch mal Gas und schaffen befallenes Holz aus dem Wald"

Untrügliches Zeichen dafür, dass eine Fichte befallen ist, ist das Bohrmehl am Fuße des Baumes. Ein weiterer Beweis sind die Löcher und Gänge, die man sieht, hebt man die Rinde mit einem Messer ab. "Geben Sie jetzt noch mal Gas und schaffen befallenes Holz aus dem Wald. Alle Weibchen, die jetzt keine Bruten anlegen, ersparen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern im Sommer viele Zehntausend Nachkommen", appelliert Waldschutzexperte Andreas Hahn von der LWF. Die befallenen Bäume sollen gefällt, aufgearbeitet und noch im Mai aus dem Wald gefahren und mindestens 500 Meter weit zum nächsten Fichtenbestand gelagert werden.

Natürlich verursachen die Baumfällungen Kosten und die sind im vergangenen Jahr teilweise höher gewesen, als der Preis, den man für das Holz erzielte, berichtet Waldschutzexperte Straßer. Inzwischen ist der Holzpreis jedoch wieder gestiegen. Mit ihrem dringenden Appell, die Fichten und Kiefern auf Borkenkäferbefall zu untersuchen, richten sich die Fachleute vor allem an die Privatwaldbesitzer, denn ihnen gehören rund 12 000 Hektar und damit zwei Drittel der Waldfläche im Landkreis Freising. Durchschnittlich sind die Flächen 2,5 Hektar groß, informiert Stefan Warsönke, Bereichsleiter Forsten beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Erding, zu dem auch der Landkreis Freising gehört. Die Eigentümer seien häufig Landwirte, oft aber auch Städter, die sich kaum um ihren Wald kümmern.

Fachleute empfehlen, verstärkt Buchen, Ahorn oder Eiche zu pflanzen und den Wald umzubauen

Im Moment sind viele Waldbesitzer gerade im nördlichen Landkreis dabei, ihre freien Flächen im Wald, die im vergangenen Frühjahr der Sturm Sabine und dann der Borkenkäfer hinterlassen haben, wieder aufzuforsten, berichtet Warsönke. Damit die Wälder, in denen bisher überwiegend die schnell wachsenden und damit wirtschaftlich lukrativen Kiefern und Fichten stehen, in Zukunft besser mit dem Klimawandel zurecht kommen und Borkenkäfer weniger Wirtspflanzen finden, empfehlen die Fachleute, verstärkt Buchen, Ahorn oder Eiche zu pflanzen und den Wald umzubauen. Dafür gibt es eine neue Förderrichtlinie mit sehr attraktiver staatlicher Unterstützung, die Nachfrage danach ist "lebhaft", sagt Warsönke. In einem Mischwald hat es der Borkenkäfer dann auch in warmen und trockenen Jahren viel schwerer, sich massenhaft zu vermehren. Allerdings wachsen die Laubbäume deutlich länger als Nadelbäume, bis sie groß und schlagreif seien.

© SZ vom 26.05.2021/ilos
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