Blumenkunst in WeihenstephanSehenswerte Metamorphosen

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Die aktuelle Ausstellung der Staatlichen Fachschule für Blumenkunst in Weihenstephan spürt der Entwicklung einer Pflanze vom Samen bis zur Reifung nach. Zu jedem der fünf Themen ist ein Raum gestaltet.

Von Nora Schumann, Freising

Mit Pflanzen ist es wie mit Menschen. Zunächst ist da der Samen, dann die Reifung oder auch Verholzung, in der die Pflanze das Bedürfnis entwickelt, den eigenen Samen weiter zu geben. Diese Metamorphose ist eines der Themen bei der Werkschau 2018 der Staatlichen Fachschule für Blumenkunst Weihenstephan, die am Freitag eröffnet wurde. Die Gestalterinnen widmen sich fünf Themenbereichen rund um das Thema Pflanze: Dem Beginn des pflanzlichen Lebens, dem fortgeschrittenen Stadium der Pflanze, dem Thema Architektur und Pflanzen, dem Garten in der Winterruhe und den Grünen Wohn- und Lebensräumen. Zu jedem Thema wurde ein Raum gestaltet, auch der jüngere der beiden Jahrgänge, liebevoll "die Kleinen" genannt, nimmt an der experimentellen Formgebung teil.

Im Raum "Keimen und Wachsen" glitzert das Licht im klaren Wasser. Helle Wurzelfäden ziehen sich wie feine Äderchen durch die Glasgefäße. Fast kann man die neuen Keimlinge atmen hören. Im Raum "Reifen und Verholzen" dominieren die Zapfen. In allen möglichen Stadien der Entwicklung sind die harten Knospen und ihre Reifung dargestellt. Die im Kindesalter als Spielball genutzten Zapfen gewinnen durch die Verfremdung plötzlich viele unerwartete Facetten hinzu.

Im "schlafenden Garten" wurzeln die Pflanzen nicht im Boden, sondern schweben in der Luft. Das erzeugt bei den Besuchern der Fachschule für Blumenkunst eine fast schläfrige Trance. Die Blumeninstallation ist eine Gemeinschaftsproduktion des Abschlussjahrgangs.
Im "schlafenden Garten" wurzeln die Pflanzen nicht im Boden, sondern schweben in der Luft. Das erzeugt bei den Besuchern der Fachschule für Blumenkunst eine fast schläfrige Trance. Die Blumeninstallation ist eine Gemeinschaftsproduktion des Abschlussjahrgangs. (Foto: Marco Einfeldt)

Hohe Türme aus Gewächstrieben

Der Raum "bewegte Stille - Architektur als Impuls für Naturkunst" wird seinem Namen alle mal gerecht. Hohe Türme erheben sich aus faszinierenden Gewächstrieben. "Man weiß nie, wie es am Ende aussieht", sagt die Studentin Carina Günthner. Denn kein Werkstoff - damit sind die Pflanzen gemeint - wolle in eine Form gepresst werden. Der Werkstoff gebe die Form vor.

Der vierte Raum trägt den Namen "schlafender Garten" und thematisiert die Winterruhe in Anlehnung an japanische Bonsais. Hier sind die Pflanzen nicht im Boden verwurzelt, sie schweben über dem Boden und vermitteln das Gefühl einer schläfrigen Trance, in der sich die Besuchenden bewegen. Im fünften und letzten Raum "Green Lounge - Grüne Lebensräume" schlägt den Eintretenden tropische Luftfeuchtigkeit entgegen. Der Geruch von pflanzlichem Leben wird durch den Anblick einer gewaltigen Pflanzenwand dominiert. Der großflächig verglaste Ausstellungsraum öffnet sich nach hinten zu Pflanzen in luftgefüllten Zellophanblumentöpfen. Die Blumenkünstlerinnen des älteren Jahrgangs erklären die Aufteilung des Raumes. Auf der einen Seite seien die Fächer "Designorientiertes Gestalten" vertreten, auf der anderen Seite die des "Marketingorientierten Gestaltens". Dabei bestimmt bei Ersterem eher die Künstlerin die Produktidee, bei Letzterem orientiere man sich an Kundenwünschen, erklärt Studentin Verena Fehrer.

Im Raum "Keimen und Wachsen" wirken auch die Erstklässler der Freisinger Fachschule für Blumenkunst mit.
Im Raum "Keimen und Wachsen" wirken auch die Erstklässler der Freisinger Fachschule für Blumenkunst mit. (Foto: Marco Einfeldt)

Pflanzen haben psychologische Wirkung, heißt es in der Infobroschüre

Die Idee der "Green Lounge" kam mit der gesellschaftlichen Entwicklung unter jungen Leuten hin zu mehr Grün im Wohnraum. Pflanzen verbesserten auf der einen Seite das Raumklima, auf der anderen Seite hätten sie eine psychologische Wirkung, steht in der Informationsbroschüre zur Ausstellung. Die Ausbildung an der Staatlichen Fachschule für Blumenkunst Weihenstephan dauert zwei Jahre. Die Blumenkünstlerinnen tragen danach den Titel "Staatlich geprüften Gestalter/in für Blumenkunst". Voraussetzungen sind eine bereits abgeschlossene Ausbildung als Floristin oder entsprechende Berufserfahrung.

Die Künstlerinnen des aktuellen Abschlussjahrgangs kommen aus ganz Bayern und darüber hinaus an die Weihenstephaner Fortbildungsstätte. "Ich hatte einen Bandscheibenvorfall und konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Floristin arbeiten", erzählt Tamea Gall aus der Nähe von Stuttgart. Für sie sei klar gewesen, dass sie keinen Job in einem anderen Bereich wolle. Carina Günthner kommt aus einer pflanzenaffinen Familie aus Ingolstadt. "Ich gehe dahin, wo mir mein Herz es sagt und da war klar, dass es Weihenstephan ist. Ich habe mich hier einfach sofort wohl gefühlt", schwärmt sie. Die Hochschule sei ein besonders herzlicher und persönlicher Ort, sie könne sie nur weiterempfehlen.

Die Ausstellung ist in den Räumen der Fachschule Am Staudengarten 6 vom bis einschließlich 13. Dezember täglich von 10-18 Uhr geöffnet. Zeitgleich findet eine Fotoausstellung im Bauamt gegenüber statt, die unter dem Namen "hanatomo" die Vereinigung deutsch- japanischer Ästhetik  darstellt.

© SZ vom 10.12.2018 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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