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Bienen retten:Die Euphorie ist verflogen

Martin Wildgruber mit seinen Söhnen, Benedikt und Simon vor einem Insektenhotel.

(Foto: Marco Einfeldt)

Nach dem Volksbegehren war das Bienensterben ein Riesenthema und der Langenbacher Landwirt Martin Wildgruber hat sich vor Anfragen nach einer Beteiligung an seinem Blühacker kaum retten können. Jetzt will kaum noch jemand etwas davon wissen.

Von Alexandra Vettori, Langenbach

Vor zwei Jahren hat Landwirt Martin Wildgruber aus Niederhummel sein Blühprojekt gestartet, Auslöser war das Volksbegehren zur Artenvielfalt. Interessierte konnten dabei quasi Blühflächen pachten. Jetzt geht es in das dritte Jahr - und die Resonanz hat merklich nachgelassen. "Damals nach dem Volksbegehren war Bienensterben ein Riesenthema, ich habe mich vor Anfragen nicht retten können. Und jetzt? Es wird einfach vergessen", befürchtet Wildgruber. Dabei war seine Idee so einfach wie bestechend: Wenn alle mehr Insekten wollen, und die Rettung auf den landwirtschaftlichen Flächen liegt, dann muss den Bauern der verlorene Ertrag ersetzt werden.

50 Euro pro Jahr für 100 Quadratmeter Blühfläche, das war sein Angebot. 1,5 Hektar an einem Waldrand hatte er dafür vorgesehen, gleichzeitig steuerte er eine ebenso große Fläche an anderer Stelle auf eigene Rechnung bei. Ausgelegt ist das Projekt auf fünf Jahre. 100 zahlende Bienenfreunde und -freundinnen kamen schließlich zusammen, die Rechnung ging auf. Wildgruber nahm die Flächen aus der Nutzung, säte einen Bienenweide an und pflegte sie. Über den Winter blieben die Pflanzen stehen, um Insekten und anderen Tieren das Überwintern zu ermöglichen. Es hat gut funktioniert, so gut, dass ein Imker mittlerweile sogar zwei Bienenkästen am Feldrand aufgestellt hat. Doch im Vorjahr waren es schon nur noch 70 Teilnehmer, und nun, in Jahr drei, haben sich bis jetzt 15 gemeldet. Bliebe es dabei, wäre es nicht nur für Martin Wildgruber die Bestätigung dessen, was Landwirte dem Rest der Bevölkerung oft vorwerfen: Alle wollen mehr Bienen, doch richten sollen es die Bauern.

"Ich will keine Ausgleichzahlung"

Als Beispiel nennt Wildgruber die fünf Meter an Bach- und Flussufern, die seit dem Volksbegehren nicht mehr landwirtschaftlich bewirtschaftet werden dürfen. "Das ist eine Enteignung", sagt er bestimmt, wobei er den Sinn der Maßnahme durchaus sieht. Aber Landwirte erhalten für den freien Streifen zwar die übliche finanzielle Grundförderung, doch das, was sie mit der darauf angebauten Feldfrucht verdienten, fällt ersatzlos weg. Das Argument, Landwirte erhielten über Förderprogramme doch Geld für mehr Naturschutz, lässt er nicht so einfach gelten. "Ich will keine Ausgleichszahlungen, ich will Geld mit meinen Produkten und meiner Arbeit verdienen." Außerdem bestehe bei solchen Programmen die Gefahr langfristiger Probleme. "Da heißt es dann, das war fünf Jahre aus der Nutzung, jetzt kriegst du kein Geld mehr dafür", so Wildgruber. Ihn nervt auch die aufwendige Antragstellung: "Die Bürokratie wird immer mehr, mittlerweile sitzt du 50 Prozent der Zeit im Büro, das mache ich dann halt abends. Jetzt muss ich schon einen Zettel schreiben, was ich damit mache, wenn ich Dünger kaufe!"

Martin Wildgruber wünscht sich, dass die Menschen, die vor zwei Jahren für das Artenschutzbegehren gestimmt haben, es dabei nicht einfach belassen. Jeder könne etwas tun, in seinem Garten, auf seinem Balkon, "und sich fragen, ob es der Rasen ohne Gänseblümchen sein muss". Und man könne eben auch die Landwirte direkt unterstützten, weil die Sache nun weitgehend an ihnen hängen bleibt: "Wenn die Gesellschaft das verlangt, können wir auch verlangen, dass sie sich daran beteiligt."

Und weil Martin Wildgruber die Sache mit dem Artenschutz ernst nimmt und nicht Augenwischerei betreiben möchte, hat er die Fläche für das Blühprojekt mit Bedacht ausgesucht. Daneben ist ein Waldstück, auf der anderen Seite ein biologisch bewirtschaftetes Feld, ein Stück weiter Wiesen. Ein Gebiet also, das Insekten und anderen Arten tatsächlich einen weitgehend intakten Lebensraum bietet, und das nicht nur auf einem Blühstreifen für einen Sommer.

Trotz aller Widrigkeiten, trotz der Bürokratie und all dem Ärger ist Martin Wildgruber Landwirt aus Leidenschaft. Er baut Getreide, darunter Hartweizen und Dinkel, an, Zuckerrüben, Raps und Mais für seine 31 Milchkühe. Deren Bestand will er auf knapp 70 vergrößern, gerade baut er einen neuen Stall. "Das ist zwar immer noch keine große Zahl, aber ich will Landwirt bleiben. Das heißt für mich, in der Frühe zum Vieh, tagsüber aufs Feld und abends wieder zum Vieh. Hätte ich 200 Kühe im Stall, könnte ich nicht mehr aufs Feld." So aber habe er genau die Betriebsgröße, die er mit seiner Frau bewirtschaften könne.

Wer sich an dem Projekt beteiligen möchte, der kann sich unter der Mailadresse martin.wildgruber@mail.de melden.

© SZ vom 12.04.2021
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