Bewerbungsphase für Bufdis:Lernen fürs Leben

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Bundesfreiwilligendienst

Ein Geben und ein Nehmen: Sowohl die Betreuten als auch die Bufdis selbst profitieren von der Tätigkeit in sozialen Einrichtungen.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Der Bundesfreiwilligendienst ist sehr viel mehr als eine Orientierungsphase nach dem Schulabschluss, findet Anselm Gutmann. Gerade die Seniorenheime haben jedoch Schwierigkeit, Bufdis zu finden.

Von Henrike Schulze-Wietis, Freising

Als Anselm Gutmann sein Jahr als Bundesfreiwilligendienstleistender - kurz Bufdi - beim Caritas-Zentrum Freising begonnen hat, wollte er sich erst einmal eine kleine Pause vom Lernstress der vergangenen Wochen gönnen. Nach seinem Abitur am Dom-Gymnasium wusste der 20-Jährige zwar schon, dass er irgendwann ein Lehramtsstudium beginnen möchte, aber er wollte nicht "vom Lernen ins Lernen rutschen", erklärt er. Dabei stellte er früh fest, dass das freiwillige Jahr mehr ist, als "eine Orientierungsphase mit einem netten Taschengeld".

Bei der Arbeit als Bufdi, so Gutmann, habe er nicht nur Berufserfahrungen gesammelt, sondern fürs Leben gelernt. "Man beschäftigt sich mit unterschiedlichsten Menschen, ihren Problemen und Wünschen."

Einblick in viele Bereiche, Arbeiten mit Jung und Alt

Die Caritas Freising ist eine beliebte Einsatzstelle für den Bundesfreiwilligendienst. Derzeit kann man sich dafür wieder bewerben. Immer im September beginnt der zwölfmonatige Dienst. Dort lernen Bufdis nicht nur das Caritas-Zentrum kennen, sondern auch die Außenstellen wie die Tagesstätten in Freising und Moosburg, das Jugendhaus in Au das Gebrauchtwarenkaufhaus Rentabel oder das Buchcafé Etappe.

"Es ist toll, dass ich mit Rentnern, aber auch mit Kindern zu tun habe. Dadurch habe ich gelernt, dass ich später Grundschullehrer werden möchte und wurde in meinem Berufswunsch bestärkt", sagt Gutmann. Carolin Dümer, Kreisgeschäftsführerin der Caritas, fügt hinzu: "Das Jahr als Bufdi ist mehr als nur ein Orientierungsjahr, denn wer mag, kann für sich einiges mitnehmen." Im Gegensatz zum Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) ist ein Einsatz auch nach dem 27. Lebensjahr möglich.

Dafür hat sich Anastasios Lazaridis entschieden. Nach seinem Medizinstudium in Griechenland hat sich der gebürtige Kölner entschlossen, das Klinikum Freising zu unterstützen. Als Pflegehelfer auf der Intensivstation überbrückt er seine Zeit bis zum Facharzt. "Ich arbeite Vollzeit und bekomme das für den Bufdi übliche Taschengeld von 390 Euro im Monat. Das ist nicht viel, aber das Klinikum stellt mir auch noch ein Zimmer im Wohnheim und ich kann einmal pro Tag kostenlos essen", schildert Lazaridis. Sabine Bauer, Teamassistentin der Pflegedienstleitung des Klinikums, schätzt die Arbeit der Freiwilligen sehr. "Sie werden Teil des Teams und lernen gleichzeitig, Verantwortung zu übernehmen. Vor allem der soziale Aspekt spielt dabei eine große Rolle", sagt sie. Das Klinikum Freising freue sich jedes Jahr über viele Bewerber.

Dass sich Schulabgänger für Altenpflege entscheiden, sei das Unwahrscheinlichste

Ganz anders ist es beim Heiliggeistspital in Freising. Leiter Björn Kummerow-Fuchs sagt, er könne sich leider nicht mehr daran erinnern, wann sie den letzten Bufdi beschäftigt haben. "Ich glaube, das ist mindestens fünf Jahre her." Seit Jahren erhalte das Seniorenheim keine Bewerbungen mehr. Kummerow-Fuchs glaubt, dass dies ein Generationsproblem sei. Heutzutage hätten Schulabgänger unendlich viele Berufsmöglichkeiten. Sich dabei für die Altenpflege zu entscheiden, sei dabei das Unwahrscheinlichste. Dazu trage auch bei, dass Kinder und Jugendliche oftmals von der Pflege und Krankheit der Großeltern ferngehalten würden, um sie zu schützen, so Kummerow-Fuchs. Demenz und Bettlägerigkeit seien viel zu weit weg von den jungen Menschen. Dabei sei die Einrichtung weiterhin auf Hilfe angewiesen: Die Bufdis lernten nicht nur den Altenpflegeberuf kennen, sondern übernähmen vor allem auch soziale Aufgaben wie Spaziergänge und gemeinsame Spiele. Dadurch entwickelten die jungen Menschen Feingespür und Empathie für ältere Menschen. "Es macht grundsätzlich für jedermann Sinn, denn als Bufdi lernt man, wie man jemandem mit einfachen Mitteln ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Es ist ein Geben und Nehmen, aber ohne materiellen Grundgedanken", so Kummerow-Fuchs.

Neben dem Bufdi gibt es mittlerweile zahlreiche weitere Möglichkeiten, sich nach dem Schulabschluss zu engagieren. Viele zieht es ins Ausland, Work and Travel ist eine der beliebtesten Alternativen. Dass der Bundesfreiwilligendienst seinen Reiz verloren hat und nicht mehr aktuell ist, glaubt Anselm Grundmann nicht. Für ihn sei es definitiv die richtige Entscheidung gewesen: "Ich bin produktiv, verdiene Geld und habe auch genug Freizeit", bilanziert er.

Auch Anastasios Lazaridis ist von dem Programm überzeugt: "Ich würde jedem den Bufdi empfehlen, damit er sich ein Bild davon machen kann, was Pflege heute bedeutet."

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