BürgergenossenschaftBetreutes Wohnen in Bürgerhand

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Die zehn Gründungsmitglieder der Marzlinger Bürgerbaugenossenschaft auf dem Baugrundstück. Der vierte von rechts ist Thomas Sellmeir.
Die zehn Gründungsmitglieder der Marzlinger Bürgerbaugenossenschaft auf dem Baugrundstück. Der vierte von rechts ist Thomas Sellmeir. Privat
  • In Marzling entsteht durch eine Bürgerbaugenossenschaft ein Projekt für betreutes Wohnen mit rund 35 Wohneinheiten, dessen Bau Ende 2026 beginnen soll.
  • Die Genossenschaft "MARZLINGkann Bauen e.G" wurde von zehn Marzlinger Bürgern gegründet und hat bereits die offizielle Prüfung durch den Verband bayerischer Wohnungsunternehmen bestanden.
  • Interessierte müssen 3000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche investieren, wobei Marzlinger Bürger vier Wochen lang Vorrangrecht haben und die Wohnung selbst bewohnen müssen.
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In Marzling entsteht ein Wohnprojekt, das von selbst getragen wird. Eine Genossenschaft übernimmt Planung, Finanzierung und Umsetzung. Das Projekt „Betreutes Wohnen in Marzling“ steht in den Startlöchern.

Von Gudrun Regelein, Marzling

Es war an einem Abend im Winter 2024, als sich vier Marzlinger Gemeinderäte nach einer Sitzung noch privat zu einem Brainstorming trafen. In besagter Gemeinderatssitzung wurde beschlossen, ein gemeindeeigenes Grundstück zum Verkauf anzubieten, um wieder Geld in die leeren Kassen zu spülen. „Wir wollten aber verhindern, dass es von einem privaten Investor, der damit nur Profit erzielen will, gekauft und bebaut wird“, berichtet Thomas Sellmeir, einer der Gemeinderäte, am Telefon.

Die vier hatten in dieser Nacht eine Vision: Das Grundstück gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde zu kaufen, und es im Sinne der Ortsentwicklung mit maximaler Bürgerbeteiligung zu bebauen. Aus dieser Vision wird nun Wirklichkeit: Das Projekt „Betreutes Wohnen in Marzling“ steht in den Startlöchern. Rund 35 Wohneinheiten für Bürger der Gemeinde vor den Toren Freisings werden entstehen. Wenn alles nach Plan läuft, beginnt der Bau Ende 2026.

Der Weg dorthin war allerdings lang – und nicht immer einfach. Dabei war die Resonanz schon von Beginn an groß. „Bereits zur ersten Infoveranstaltung Ende 2024, bei der die geplante Bürgerbaugenossenschaft und das Projekt vorgestellt wurden, kamen sehr viele Interessierte“, sagt Sellmeir. Anschließend konnten die Marzlinger Absichtserklärungen abgeben, ob sie sich beteiligen und Genossenschaftsmitglieder werden wollen. Einige Monate später durften die künftigen Mitglieder dann darüber abstimmen, was auf dem Grundstück entstehen soll. Zur Auswahl standen unter anderem ein neues Rathaus, zusätzliche Wohnungen oder seniorengerechter Wohnraum. Am Ende erhielt das „Betreute Wohnen“ die meisten Stimmen.

Im vergangenen Sommer formierte sich das Team für den Vorstand und Aufsichtsrat der Genossenschaft, erzählt Sellmeir. Bereits Ende August fand die Gründungsversammlung statt: Der 44-Jährige wurde zu einem der vier Vorstände und zum Sprecher gewählt. Sellmeir gehört zum harten Kern von zehn Marzlingern, die das Projekt in den vergangenen Monaten ehrenamtlich massiv vorangetrieben haben. „Wir brennen dafür.“ Erst vor ein paar Tagen wurde ein weiterer Meilenstein erreicht, berichtet er: Die Prüfung der Satzung und des Finanzierungskonzepts durch den „Verband bayerischer Wohnungsunternehmen“ fiel positiv aus. „Jetzt ist es offiziell, MARZLINGkann Bauen e.G ist eine handlungsfähige Genossenschaft.“

Das Projekt wird bei Infoabenden detailliert vorgestellt

Mit der Gemeinde hat man sich in Sachen Grundstück inzwischen geeinigt. Schon Ende 2025 wurde dem Vorstand der Vorschlag gemacht, statt des ursprünglich vorgesehenen Areals ein anderes gemeindeeigenes Grundstück zu erwerben. Auch dieses habe eine zentrale Lage, sei mit etwa 2300 Quadratmetern ähnlich groß wie das ursprüngliche und als reines Wohngebiet ausgewiesen. „Für uns ist das natürlich interessanter, denn das andere Grundstück war als Mischgebiet ausgewiesen – der Bauantrag hätte sich deutlich komplizierter gestaltet“, erklärt Sellmeir.

Im März wird es nun Infoveranstaltungen geben, bei denen das Projekt im Detail vorgestellt wird. Wer Anteile zeichnen will, muss nutzungsbezogen 3000 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche investieren. Die Bürger und Bürgerinnen der Gemeinde haben vier Wochen lang das Vorrangrecht; erst danach können andere interessierte Privatpersonen die Wohnrecht-bezogenen Anteile erwerben. Voraussetzung ist allerdings, dass die jeweilige Wohnung später auch selbst bezogen wird.

Geplant sind zunächst Ein- und Zweizimmerwohnungen mit 26 beziehungsweise 50 Quadratmetern. „Je nach Nachfrage kann das dank einer Modulbauweise kurzfristig angepasst werden“, sagt Sellmeir. So könnten auch Dreizimmerwohnungen gebaut werden. Daneben werden Gemeinschaftsräume, ein Spielplatz und gemeinsame Aufenthaltsflächen geschaffen. Im Grundpaket Betreutes Wohnen sind Dienstleistungen wie die Reinigung bereits enthalten. Falls notwendig, könne zusätzlich der Pflegedienst im Haus dazugebucht werden. „Den Bewohnern soll möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden.“

Eigenkapital von etwa 50 Prozent

Das Projektvolumen liegt im zweistelligen Millionenbereich; die genaue Summe möchte Sellmeir nicht nennen. Für die Finanzierung sind unter anderem ein Kredit bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie Fördermittel der Regierung von Oberbayern vorgesehen. Dazu kommen Eigenmittel – der Finanzierungsplan sieht ein Eigenkapital von etwa 50 Prozent vor.

„Für viele war es lange nicht vorstellbar, dass dieses Projekt tatsächlich umgesetzt wird“, sagt Sellmeir. Dass sich dieser große Traum nun erfüllt, könne er manchmal selbst noch nicht begreifen. Etwas Großes sei am Entstehen. „Wir wollten gemeinsam mit den Bürgern unsere Gemeinde lebenswerter machen – und das haben wir auf den Weg gebracht.“

Infoabende finden am  25. März und 26. März um 19 Uhr im Schützenheim der SG Hangenham  (Marzling, Schulstraße 5) statt.

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