Bericht des Landratsamts Freising:Nicht mehr, aber anders

Volle Papiertonne in der Corona-Krise in München, 2020

Bei Biomüll, Holz und Kartonagen sind im Corona-Jahr 2020 signifikant höhere Mengen angefallen. Haus und Garten wurden auf Vordermann gebracht", heißt es im Bericht. "Fertiggerichte wurden vermehrt in Kartons ins Haus geliefert."

(Foto: Florian Peljak)

Die Abfallmenge im Landkreis ist 2020 durch die Monate im Lockdown insgesamt nicht gestiegen, die Zusammensetzung hat sich allerdings verschoben: Es ist weniger Gewerbemüll angefallen, dafür hat das Lieferwesen deutlich mehr Wertstoffabfälle produziert

Von Peter Becker

Im Coronajahr 2020 waren viele Menschen wochenlang im Lockdown zu Hause im Homeoffice gesessen. Lieferwagen von Onlinehändlern waren allenthalben selbst auf den kleinsten Straßen zu sehen. Die Leute bestellten online, was das Zeug hielt, denn die Läden in den Städten waren überwiegend geschlossen. Die Mülltonnen waren oft vollgestopft. Daraus zu schließen, dass die gesamte Abfallmenge im Landkreis 2020 zugenommen hätte, ist jedoch verfehlt. Aus dem neuesten Bericht des Landratsamts zur Abfallwirtschaft geht hervor, dass die Menge mit 34,49 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr (34,5) ziemlich gleich geblieben ist.

Haus- und Geschäftsmüll

Was die Zusammensetzung des Mülls anbelangt, gab es allerdings Verschiebungen. Die kommunale Abfallwirtschaft verzeichnet starke Zunahmen beim Sperrmüll und beim Hausmüll. Corona-bedingt sei es zu signifikanten Abweichungen gegenüber den Vorjahren gekommen, heißt es im Bericht. Die im Landkreis anfallende Abfallmenge besteht zum überwiegenden Teil (77 Prozent) aus Haus- und Geschäftsmüll. Laut Abfallbericht hat diese Menge im Vergleich zu 2019 um 1019 auf 26 563 Tonen zugenommen. Die Sachbearbeiter im Landratsamt führen das darauf zurück, dass die Bewohnerinnen und Bewohner des Landkreises während der Urlaubszeit überwiegend zu Hause geblieben sind. Sie gehen davon aus, dass im vergangenen Jahr der in Geschäften anfallende Müll sich "wahrscheinlich signifikant verringert hat". Weil Hausmüll und Geschäftsmüll aber mit denselben Wagen eingesammelt werden, sind dazu keine konkreten Angaben möglich.

Sperrmüll und Gewerbemüll

Der Anteil des Sperrmülls am Gesamtaufkommen liegt bei neun Prozent. Laut Bericht hat die Menge im Vergleich zu 2019 um 650 auf 3173 Tonnen zugenommen, ein Zuwachs um 25,8 Prozent. Einen starken Rückgang gibt es beim Gewerbemüll, dessen Anteil bei vier Prozent liegt. Die Menge schrumpfte um 28,4 Prozent auf 3305 Tonnen. Das sind 1310 Tonnen weniger als 2019. Zurückzuführen ist das wiederum auf Corona. Für zwei Drittel des Rückgangs macht die Abfallwirtschaft den Anteil des Mülls verantwortlich, der sonst am Flughafen im Erdinger Moos anfällt. Und da standen 2020 die Flugzeuge die meiste Zeit am Boden herum.

Restmüll

Der Restmüll hat im Landkreis Freising im Jahr 2020 einen Anteil von 9,6 Prozent am Gesamtaufkommen gehabt. Das bedeutet einen Rückgang im Vergleich zu 2019 um 1310 auf 3305 Tonnen. Zu den restlichen Abfällen zählen laut Landratsamt Eternit, Künstliche Mineralfasern, Müll aus der Aktion "Saubere Landschaft", Brandschutt und der seit 2007 auf den Wertstoffhöfen gesammelte Restmüll. Für den Rückgang um 28,4 Prozent ist aber nicht das Corona-Virus verantwortlich. Ursache ist laut Bericht eine neue Klausel in der Abfallwirtschaftssatzung, welche die Annahme von Asbest- und Mineralfasern aus dem Gewerbe beschränkt.

Wertstoffe

Anders wiederum sieht es bei den Wertstoffen aus. Gesammelt wurden hier insgesamt 31 508 Tonnen, das sind 2402 mehr als noch im Jahr 2019. Die Abfallwirtschaft im Freisinger Landratsamt führt das auf "durch Corona bedingte Aktivitäten" zurück. "Haus und Garten wurden auf Vordermann gebracht", heißt es im Bericht. "Fertiggerichte wurden vermehrt in Kartons ins Haus geliefert." Insbesondere seien bei Biomüll, Holz und Kartonagen signifikant höhere Mengen angefallen. So stieg bei Letzteren der Anteil um 394 auf 2037 Tonnen. Das ist eine Steigerung um 24 Prozent. Der Anteil von Holz kletterte um 355 auf 4262 Tonnen.

Müllverbrennung

96 Prozent des gesammelten Mülls landen in der Verbrennungsanlage des Heizkraftwerks München Nord, die übrigen vier in der Deponie Spitzlberg im Landkreis Landshut. 33 573 Tonnen des im Landkreis Freising gesammelten Abfalls wurden 2020 in München verbrannt, 5,3 Prozent mehr als 2019. Spitzlberg nimmt den nicht brennbaren Müllanteil auf. Dabei handelt es sich überwiegend um Mineralwolle und Eternit. 2019 wurden dort etwa 1000 Tonnen asbesthaltigen Magnesitestrichs entsorgt. Die Abfallmenge ist aufgrund der Mengenbeschränkung für das Gewerbe deshalb wieder um 759 auf 1465 Tonnen zurückgegangen.

Müllgebühren

Die Gebühr für die 120-Liter-Tonne beträgt derzeit 11,70 Euro pro Monat. Zuletzt war sie 2016 erhöht worden. Zunächst hatte das Überschüsse zur Folge, die allerdings wieder rückläufig sind. Grund dafür sind gestiegene Entsorgungskosten. Im Vergleich zu 2019 ging der Ertrag um knapp 494 000 Euro auf 993 000 Euro zurück. Die Einnahmen setzen sich aus den Gebühren für die Restmüll- und die Biotonne zusammen. Beim Aufwand schlagen die Kosten für die Müllverbrennung und der Restmülltransport zu Buche. Die Abfallwirtschaft im Landratsamt sagt einen Anstieg der Kosten für die Müllabfuhr voraus. Ab wann, das ist noch ungewiss.

© SZ vom 23.09.2021
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