Baustellenführung Mein Zuhause das Baudenkmal

Baustellenführung im Dachgeschoss an der Freisinger Luckengasse 8 und 10: Volker und Heidi Herzog (von links) mit Veselko Krajinivic (Firma Apel) und Claudia Oehlerking (Firma Hasit).

(Foto: Marco Einfeldt)

Wächst in Freising die Liebe zum Baudenkmal? Trotz fauliger Balken und sumpfigem Standort hat Familie Herzog mit großem Aufwand zwei Altstadthäuser an der Luckengasse saniert, um dort mit drei Generationen einzuziehen.

Von Eva Zimmerhof, Freising

Faulige Balken und Gemäuer aus jahrhundertealten Ziegeln an einem nassen, fast sumpfigen Ort - das klingt nicht unbedingt verlockend. Für Bauherrin Heidi Herzog und ihren Mann war es paradoxerweise ein echter Glücksgriff, als sie die beiden Gebäude mit den Hausnummern 8 und 10 an der Freisinger Luckengasse kaufen konnten. Im Hinterhof verbindet sie ein gemeinsamer Garten - für die Familie waren die Häuser ideal, um sie mit drei Generationen zu bewohnen. Es gab nur ein Problem: die Bausubstanz.

Während Nummer 8, gebaut 1784, kein typisches Einzeldenkmal ist, wohl aber zum Freisinger Altstadtensemble gehört, steht Nummer 10 unter Denkmalschutz. Das Gebäude datiert laut seiner Besitzer in das Jahr 1689 und ist ein ehemaliges Domherrenhaus mit Nutzgarten. Später ging es an Ordensschwestern über, die dort in den Fünfzigerjahren eine Druckerei betrieben. Als Architekt weiß Hausbesitzer Volker Herzog um die baulichen Konsequenzen von Denkmalschutzauflagen. Wenn man aber zwei Rollen zugleich zu erfüllen hat, wächst das Verständnis für beide Seiten.

"Ganz ehrlich, bei den Wänden haben wir uns dann schwer getan", sagt der Architekt

Auf dem frischen Estrich sind an diesem Tag Bierbänke aufgereiht, ein Laptop steht auf Farbeimern. Beamer an, Herzog beginnt mit seiner Präsentation im neuen, alten Haus: Bei einer Baustellenführung für interessierte Bauherren und Firmen listet Herzog auf, was der Denkmalschutz für Anforderungen stellt: Erhalt von Bausubstanz und Optik sowie die Verwendung historischer Baustoffe. "Und dann treffen die Aspekte des Denkmalschutzes auf die Interessen des Bauherrn", sagt Herzog. Diese seien vor allem kalkulierbare Kosten, die Langlebigkeit, das Energiesparen und ebenfalls die historisch korrekte Optik - die rangiere bei den Bauherren jedoch meist an letzter Stelle. Entscheidend sei im Wesentlichen die Gebäudehülle, sagt Herzog. "Die ganze Altstadt ist eigentlich ein nasser Bereich". Ein großes Paket an Isolierung und dann der Estrich darauf - damit war der Boden kein Problem mehr. Beim Dach wollte die Familie die alten Balken sichtbar lassen. "Das gibt Atmosphäre", so Herzog.

Um den Dachstuhl offen zu halten, hätten sie sich für eine Außendämmung entschieden und so die gesetzlich vorgeschriebenen Energiewerte eingehalten. "Aber ganz ehrlich, bei den Wänden haben wir uns dann schwer getan", sagt der Architekt. Nur die Fenster und einige Teile zu verbessern, reiche nicht aus. "Sonst schlägt sich die Feuchtigkeit auf den Schwachstellen nieder und Schimmel entsteht. Aber Dämmplatten außen anzubringen, geht im Denkmalschutz gar nicht." Doch auch innen war es wegen des schiefen Mauerwerks nicht möglich. Deshalb hätten sie sich für den Aerogel-Putz einer Freisinger Baustofffirma entschieden. Dabei handle es sich um einen natürlichen, rein mineralischen Kalkverputz, der Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann. Die Handwerker trugen ihn sechs Zentimeter dick auf Schilfmatten auf, um mit historischem Baumaterial zu arbeiten. Stellenweise seien jedoch Aufträge mit zu zwölf Zentimetern nötig gewesen, sagt Herzog. So schief waren die Wände zunächst. Herausgekommen sei eine optimale Wärmedämmung. "Damit haben wir im Energiesparbereich sogar bessere Werte als manche Neubauten."

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Nichts sieht in den beiden Gebäuden nun mehr nach Verfall aus und doch erzählen die alten Fenster, Türen und Balken von der Vergangenheit. Statt die alten - im Hinblick auf Wärmedämmung unbrauchbaren - Fenster auszutauschen, setzten die Herzogs jeweils mit einem kleinen Abstand einfach ein neues dahinter. Die alten Balken auf dem Dachboden werden, wo es nötig ist, nun von Stahlträgern unterstützt. "Eigentlich hält dieser Dachstuhl nicht mehr", sagt Herzog. "Es ist hier Wasser hineingelaufen. Die Balken waren unten angefault." Aufgeben hat die Familie sie dennoch nicht. Vielleicht wächst derzeit das Bewusstsein für Sanierungen mit Liebe zu historischen Details in Freising. Am Tag des offenen Denkmals luden zuletzt Besitzer von ebenfalls liebevoll wie geschickt sanierten Baudenkmälern an Ziegel- und Sackgasse zur Besichtigung ein. Es scheint, als hätten auch die beiden Häuser an der Luckengasse Glück gehabt.

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