Dass die Angelegenheit wohl mal einer Überarbeitung bedarf, kann man allein am Datum ablesen. Der immer noch gültige Bebauungsplan "An der Neuen Industriestraße" stammt aus dem Jahr 1967. Seitdem hat sich in Moosburg viel verändert, und dass in dem Bereich, der im Bebauungsplan teils als Industrie- und teils als Gewerbegebiet ausgewiesen ist, künftig auch Wohnbebauung möglich sein sollte, ist im Moosburger Stadtrat durchaus konsensfähig. Trotzdem lehnte das Gremium in seiner jüngsten Sitzung eben genau einen solchen Antrag eines Grundstückseigentümers ab. Nicht weil man per se dagegen ist, sondern weil man eine Einzelfalllösung vermeiden und stattdessen das gesamte Gebiet überplanen möchte.
Der Antragsteller wollte für sein Grundstück eine Änderung des Bebauungsplans erwirken, um dort Wohnungen errichten zu können. Es liegt in dem als Gewerbegebiet ausgewiesenen Gültigkeitsbereich des Bebauungsplans - und dort ist eine Wohnnutzung eben derzeit nicht zulässig. "Eine solche Insellösung hält die Verwaltung nicht für zielführend", sagte Bürgermeister Josef Dollinger (FW) zu dem Antrag, "wenn, dann sollte man eine Änderung für das gesamte Gebiet vornehmen".
Besagter Bebauungsplan sei übrigens "der allererste, den die Stadt Moosburg ausgewiesen hat", erläuterte Bauamtsleiter Herbert Held. Ursprünglich sei das Gebiet auch für die Erweiterung der damaligen Industriebetriebe Südchemie und Steinbock vorgesehen gewesen. Heute sei es aber "schon sinnvoll, dieses Gebiet mal neu zu definieren und Richtung Isarauen hin ein urbanes Gebiet zu entwickeln, statt - wie jetzt beantragt - nur eine Wohnbebauung auf einem Grundstück zu ermöglichen", so der Bauamtsleiter. Für eine Neuausrichtung für das gesamte Gebiet müssen man "bei allen Grundstückseigentümern nachfragen, ob sie da mitmachen". Das Wichtigste sei der Bestandsschutz für das bestehende Gebiet, sagte Held. Darüber müsse eine schallschutztechnische Untersuchung entscheiden.
Evelin Altenbeck (Grüne) erinnerte an einen Antrag, den ihre Fraktion "schon vor zirka fünf Jahren gestellt hat". Darin ging es darum, von der Verwaltung prüfen zu lassen, ob man das betreffende Viertel mit den dort existierenden Gewerbe- und Industriebetrieben in ein Mischgebiet umwandeln kann. "Ich weiß nicht, wie weit die Verwaltung da schon ist", sagte Altenbeck: "Wir befürworten jedenfalls, dass man dort auch wohnen kann, das wäre eine schöne Wohngegend." Man habe in der Verwaltung dazu "leider keine Unterlagen gefunden, das war noch unter meinem Vorgänger", sagte der Bauamtsleiter.
Martin Pschorr (SPD) meinte, er verstehe "den Antrag des Antragstellers, aber auch die Stellungnahme der Verwaltung", die den Plan für das gesamte Gebiet überarbeiten möchte. Die Frage sei, so Pschorr, "ob mangleich so ein großes Gebiet nimmt oder erst ein etwas kleineres, um auf dieser Grundlage einen neuen Bebauungsplan zu machen".
Johannes Becher (Grüne) hält das von der Verwaltung vorgeschlagene Vorgehen "für genau richtig - wir untersuchen das erst mal und befragen die Eigentümer". Er finde es "gut, dass Bewegung in das Thema kommt, weil die Situation dort besser gelöst werden kann und sollte". Der Antrag der Verwaltung, der schließlich einstimmig angenommen wurde, "ist gut". Demnach soll die Verwaltung jetzt erst mal Honorarangebote von qualifizierten Fachbüros für die immissionsschutzfachliche Grundlagenermittlung einer großflächigen Bebauungsplanänderung einholen.