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Baugewerbe in Freising und Erding:Glimpflich davongekommen

FREISING: Baustelle Altstadt - Anwohner von Baulärm genervt

Das Baugewerbe meistert die Krise bislang gut. Sorgen bereitet der Innung jedoch die Finanzlage der Kommunen.

(Foto: Johannes Simon)

Die Branche meistert die Krise bislang gut. Sorgen bereitet der Innung jedoch die Finanzlage der Kommunen.

Von Thilo Schröder, Freising/Erding

Das Baugewerbe in den Landkreisen Freising und Erding ist in der Corona-Krise "bis jetzt glimpflich davongekommen". Das sagt der Obermeister der Bauinnung Freising-Erding Martin Reiter. Die Auftrags- und Personallage sei im vergangenen Jahr vergleichbar mit den Vorjahren gewesen. Der Landesverband Bayerischer Bauinnungen hatte zuletzt Ähnliches berichtet, für das laufende Jahr war aber von verhaltenen Erwartungen die Rede. Auch Reiter rechnet damit, dass sich aus der Pandemie-Situation ergebende Probleme allmählich in der Region bemerkbar machen werden.

"Die Erwartungen sind teilweise nicht so riesig wie von ein paar Jahren", sagt Reiter. Nichtsdestotrotz sei 2020 der Umsatz ähnlich wie im Vorjahr gewesen, auch beim Personal sei die Lage insgesamt gut. Im laufenden und kommenden Jahr sei es indes "etwas anders". Schon jetzt gebe es Materialengpässe, etwa beim Holz. Bis zu 20 Prozent mehr zahlten Bauunternehmen für manche Materialien im Einkauf. Man merke, dass Deutschland viele Rohstoffe in die USA exportiere, die dann hier fehlten beziehungsweise wiederum aus Kanada importiert würden. Der Landesverband rechnet auch für die kommenden Monate "mit anhaltenden und deutlichen Preissteigerungen vor allem bei Holz, Stahl, Bitumen und Kunststoffen".

Viele Bauprojekte könnten bald verschoben werden

Die Auftragslage könnte sich ändern. Reiter rechnet damit, dass sich die Entwicklung zu mehr und dauerhaftem Homeoffice sowie die Kurzarbeit auswirken: weil sich Bedarfe änderten oder schlicht das Geld ausgehe. "Da werden viele Bauprojekte verschoben." Für das laufende Jahr sei die Prognose darum rückläufig. Wie wirkt sich die angespannte Haushaltslage in den Kommunen auf den Bausektor aus? Öffentliche Aufträge würden bislang wie geplant durchgeführt, sagt Reiter. "Bis jetzt geht's noch, da wird alles gebaut, was ausgeschrieben war. Aber wenn da weniger Geld da ist - beim Kreis, bei den Kommunen -, und Zuschüsse vom Staat gekürzt werden, befürchten wir schon, dass die Aufträge zurückgehen." In einer Mitteilung des Landesverbands heißt es dazu: "Sorgen bereiten uns die prekäre Lage der Kommunalhaushalte und die pandemiebedingt rückläufigen Aufträge aus der Industrie und den Dienstleistungsbereichen", so Präsident Wolfgang Schubert-Raab. Die Bauinnungen fordern darum: "Wir brauchen einen zweiten Rettungsschirm für die Kommunalfinanzen mindestens für 2021 und 2022."

Die Zahl der Lehrlinge in Freising und Erding sei zuletzt konstant geblieben, "bei den Auszubildenden gab es sogar ein leichtes Plus", sagt Reiter. Dem gegenüber stehe bayernweit ein Rückgang von fünf Prozent. Man habe einige "ausbildungswillige Firmen, auch in schlechten Zeiten", schon in der Vergangenheit sei das so gewesen, so der 61-Jährige. Bayernweit zeigt die Kurve ebenfalls nach oben: Die Firmen bildeten wieder deutlich mehr aus, so der Verband. Über ein Viertel der Unternehmen wolle 2021 mehr als im Vorjahr ausbilden.

Kosten und Aufwand für Corona-Schutzmasken seien tragbar

Ein großer Vorteil in Freising und Erding seien die kleinen, familiengeführten Unternehmen, sagt Reiter. Sie seien von der Krise weniger getroffen als Großunternehmen. Bayernweit, konstatiert der Verband, sei etwa insbesondere der Bereich Straßenbau eingebrochen. Es gebe auch in Freising freilich "immer genug freie Lehrstellen", sagt Reiter. Generell werde es immer schwieriger, junge Leute für Bauberufe zu ermutigen. In der Vergangenheit stellte die Innung ihre Berufe in Schulen vor. Dass dies derzeit nicht möglich sei, könne sich künftig bemerkbar machen, mutmaßt Reiter. "Es ist natürlich besser, wenn man sich in den Schulen vorstellen kann." Bayernweit will laut Landesverband jedes fünfte Bauunternehmen weiteres Personal einstellen. Nur etwa sieben Prozent der Betriebe sehen sich veranlasst, Personal abzubauen.

Im Großen und Ganzen", resümiert Reiter, gehe es der Baubranche in der Region derzeit noch gut. Er wisse von "keinem Betrieb, der seine Leute in Kurzarbeit geschickt hat". Kosten und Aufwand erst für Schutzmasken und inzwischen für Corona-Schnelltests seien tragbar. Es gebe kaum Corona-Fälle, nur in zwei Betrieben habe es bislang positiv Getestete gegeben. "Da wurde dann durchgetestet, eine Quarantäne verhängt und dann war das erledigt."

© SZ vom 07.05.2021/ilos
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