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Bauarbeiten an der Freisinger Saarstraße:Erst Fluch, dann Segen

Spatenstich (v.li.): Ulrich Falckenberg, Wolfgang Deutsch, Martin Duthweiler, Jochen Hauer, Eva Bönig, Dorothee Löser, Alexander Bauer, Arwed Sandner.

(Foto: Marco Einfeldt)

Durch das Hochwasser ist das evangelische Gemeindezentrum 2013 schwer beschädigt worden, mit dem Spatenstich für ein "Haus der Kirche" entsteht dort nun etwas ganz Neues, Modernes.

Der 18. April ist für die evangelische Gemeinde in Freising ein historisches Datum. Am 18. April 1945 fielen kurz vor Kriegsende noch Bomben auf die Stadt. Das Areal rund um den Bahnhof und die Christi-Himmelfahrtskirche wurden dabei zerstört. Mehr als 200 Menschen kamen ums Leben, von der Kirche blieb nur der Turm stehen. Jedes Jahr erinnert die Gemeinde mit einer Andacht an dieses traurige Ereignis. In diesem Jahr war die Gedenkveranstaltung auch mit einem Neubeginn verbunden, dem anschließenden Spatenstich für das neue "Haus der Kirche". Es ersetzt das beim Hochwasser im Juni 2013 schwer beschädigte alte Gemeindehaus.

"Aus dem Fluch ist ein Segen geworden. Diese Erfahrung haben wir hier gemacht", sagte die Pfarrerin und stellvertretende Dekanin Dorothee Löser am Dienstag kurz vor dem Spatenstich in einer kleinen Ansprache. "Denn wir hätten uns ja nie gedacht, dass wir hier eines Tages einmal ganz neu bauen werden." Der Fluch war das Hochwasser vom Juni 2013. Tagelange Regenfälle hatten der Domstadt eine Hochwasser-Situation beschert, die von den Rettungskräften kaum in den Griff zu bekommen war. Ganze Straßenzüge in der Stadt waren überschwemmt, rund 60 Häuser waren ohne Strom, zahllose Keller standen unter Wasser.

Nach den Aufräumarbeiten kamen die Gutachter - deren Urteil fiel vernichtend aus

Betroffen waren auch das Pfarrhaus sowie die Keller und Jugendräume des evangelischen Gemeindehauses, die noch dazu in einer Senke liegen. Sturzbachartig lief das Wasser irgendwann in den Keller, dessen Wände schon vor der Katastrophe morsch waren. Nach den Aufräumarbeiten kamen dann die Gutachter und deren Urteil fiel ernüchternd aus. Eine Sanierung der betroffenen Gebäude lohne sich nicht, hieß es damals. Ein Neubau komme billiger. Dieser entsteht nun auf dem Grundstück der evangelischen Kirche zwischen Fabrikstraße, Saarstraße und Martin-Luther-Straße, angrenzend an die Christi-Himmelfahrtskirche. Wenn alles nach Plan läuft, dann soll nach diesem offiziellen Spatenstich schon am 2. Juli die Grundsteinlegung mit einem Festakt gefeiert werden und am 16. November das Richtfest.

Der Entwurf für das neue Gemeindehaus resultiert aus einem Realisierungswettbewerb, der bereits im Jahr 2015 stattfand. Im Neubau werden Pfarramt, Gemeindehaus, Büros, Säle und Räume für die Jugend unter einem Dach vereint sein. Mit der Kirche wird sie eine Wandelhalle, das Herzstück des Kirchenzentrums, verbinden. Sie soll nach allen Seiten hin zu öffnen sein und einen Ort der Begegnung bilden. Das Münchner Architekturbüro Burian, Pfeiffer und Sandner abp Architekten hatte den Zuschlag bekommen.

Kosten soll der Neubau maximal 4,3 Millionen Euro, wie es zuletzt im September bei einer Pressekonferenz der evangelischen Kirchengemeinde hieß. 1,3 Millionen davon kommen vom Bezirk Oberbayern aus Töpfen der Hochwasserhilfe. Stolze drei Millionen Euro steuert außerdem die evangelische Landeskirche bei, weitere 500 000 Euro hat die Kirchengemeinde dann noch für die Innenausstattung und unerwartete Zusatzkosten vorgesehen. "Ohne diese gewaltige Unterstützung, auch von der Gemeinde und der Kirchenverwaltung, wäre der Neubau nicht möglich gewesen und wir freuen uns heute wirklich sehr", versicherte Dorothee Löser am Mittwoch.