Barrierefreier Umbau Viel Geld für Altbekanntes

Grobe Pflastersteine und große Höhenunterschiede wie hier in der Herrnstraße - in Moosburg gibt es auf dem Weg zur Barrierefreiheit viel zu tun.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Neues haben die Feinuntersuchungen für die barrierefreie Umgestaltung der Moosburger Innenstadt nicht ergeben. Dass die Bodenbeläge oft nur schwer begehbar sind, wissen die Stadträte schon lange.

Von Alexander Kappen, Moosburg

Eineinhalb Jahre ist es her, dass Vertreter des Moosburger Seniorenbeirats mit Experten die Innenstadt abgingen, um zu eruieren, wie man diese möglichst barrierefrei gestalten könnte. Ein entsprechendes Gutachten ließ seitdem auf sich warten - und als Till Fischer vom Münchner Architekturbüro AKFU die Feinuntersuchung am Montag im Stadtrat vorstellte, war die Enttäuschung bei einigen Stadträten groß. In ihren Augen enthält das Gutachten überwiegend Altbekanntes, während ein konkretes Konzept fehle.

Auch Dagmar Seghutera vom Seniorenbeirat, der das Wort erteilt wurde, war unzufrieden. "Das hätte ich in einer Dreiviertelstunde nach unserer Begehung auch selber so zusammenschreiben können, da ist nichts Neuss dabei", sagte sie. Es habe stets geheißen, man müsse auf dieses Gutachten warten. Und jetzt, wo es vorliegt, "tut es mir im Herzen weh, wenn ich sehe, was das den Steuerzahler gekostet hat und wie viel Zeit wir verloren haben", so Seghutera.

In der Zusammenfassung der Feinuntersuchung wird darauf hingewiesen, dass diese "nicht abschließend" sei, sondern Denkanstöße geben solle "für den in der Stadt zu führenden Dialog, wie eine für alle Bürger gleichermaßen lebenswerte Altstadt mit angemessenem Aufwand zu erreichen ist". Als großes Problem werden in dem Gutachten die "schwierigen" Bodenbeläge im Stadtzentrum ausgemacht, ebenso fehlende Querungshilfen - etwa am Stadtplatz oder am Gries Richtung Viehmarktplatz - sowie zu enge Gehwege und topografisch bedingte Höhenunterschiede von bis zu acht Metern. An Letzterem kann man nur schwer was machen. So wies Fischer auch darauf hin, dass man "nur eine Barrierearmut herstellen kann, aber nie eine Barrierefreiheit".

"Eine Innenstadtbeschreibung mit ein paar Vorschlägen, nicht mehr"

Im Moosburger Zentrum habe man "schöne, altstadtgerechte Bodenbeläge, aber die sind halt nur sehr schwer begehbar". Um Herrnstraße und Weingraben für Rollstühle und so weiter zugänglich zu machen, müssten laut Gutachten "zwischen den Pflastersteinen die bestehenden Granitplatten umgebaut beziehungsweise die Betonplattenbänder geschlossen werden". Selbst wenn die Gehwege barrierefrei sind, tut man sich beim Queren der grob gepflasterten Straßen etwa mit einem Rollator schwer. Der Planer riet, falls die Straßen ohnehin umgebaut werden sollten, das im Auge zu behalten. Auch könne man über ein kommunales Förderprogramm nachdenken, um private Hauseigentümer zu unterstützen, wenn diese etwa eine Rampe bauen wollen. Viele Geschäfte seien bislang nämlich nur über Stufen zu erreichen.

Das Gutachten sei "nur eine Innenstadtbeschreibung mit ein paar Vorschlägen, nicht mehr", kritisierte Alfred Wagner (Grüne). Neben der Innenstadt hätte er in der Studie auch Schulen und Sportstätten gerne berücksichtigt gesehen und. Zudem fehle ein Umsetzungskonzept. Vizebürgermeister Josef Dollinger (FW) erkannte in dem "dürftigen Gutachten keinerlei neue Erkenntnisse - dass wir Höhenunterschiede haben und seit Jahren über das Kopfsteinpflaster jammern, ist ja bekannt".

Die Stadt hat schon eine Reihe von Maßnahmen selbst umgesetzt, etwa vor der Bücherei oder am Zehentstadel. "Auf dem kurzen Dienstweg", wie Seghutera lobte. "Die Verwaltung macht sich umfassend Gedanken über das Thema, und der Bauhof ist sehr rührig und geht mit guten Ideen voran", sagte Bürgermeisterin Anita Meinelt (CSU). Einen vom Seniorenbeirat eingereichten Antrag könne man "mit Vorschlägen aus den Stadtratsfraktionen kombinieren und weitere Maßnahmen erarbeiten". Bei einem Gespräch mit der Regierung von Oberbayern soll auch geklärt werden, welche Fördermöglichkeiten es bei einem barrierefreien Umbau etwa von Herrnstraße und Weingraben gibt.

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