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Freisinger Band-Geschichten: Eukalyptus:Die Langhaarigen mit der Krach-Musik

Eukalyptus

Eukalyptus hat Geschichte geschrieben

(Foto: oh)

Eukalyptus stellt in den Siebzigern die Freisinger Musikszene auf den Kopf, erlangt überregionale Bedeutung und tritt sogar einmal im Dom auf.

"Wir waren jung und schön und wir glaubten, wir wären unsterblich. Überall war Musik und Abenteuer lag in der Luft. Aber am schönsten war das Zusammengehörigkeitsgefühl, das uns durch die Musik verband." Helge Köckert liest dieses Zitat aus einer alten Frankfurter Studentenzeitschrift vor und wirkt begeistert. "Die Leute, die in der Band waren, hatten alle das gleiche Lebensgefühl, das war einfach schön", bekräftigt er das soeben Vorgelesene. Die Band, die Köckert meint, heißt Eukalyptus und sie stellte Anfang der siebziger Jahre nicht nur die Freisinger Musikszene ganz gehörig auf den Kopf, sie bereitete auch vielen darauf folgenden Bands den Weg.

Freisinger Bandgeschichten

Sie heißen Eukalyptus, Schlagzeile, Wurff, Tutti Bandi oder Anabasis. Freising hat in den Achtzigerjahren einige Bands hervorgebracht, die sich auch überregional einen gewissen Bekanntheitsgrad erspielt haben. Was ist aus den Helden von einst geworden? An was erinnern sich die Fans? In einer kleinen Serie geht die Freisinger SZ diesen Fragen nach.

Die Gruppe, welche die Freisinger Musik-Ikone und "RPWL"-Keyboarder und -Sänger Yogi Lang als "erste echte Freisinger Band" bezeichnet, gründete sich im November 1970 nach einer ersten gemeinsamen Probe im Lindenkeller. "Wir wollten einfach schauen, ob wir zusammenpassen, ob die Chemie stimmt, und das hat sie. Das war wunderschön", erinnert sich Köckert, der bei Eukalyptus zusammen mit Ernst Schrott Gitarre spielte. Ebenfalls von Anfang an dabei waren Schlagzeuger Richard "Rich" Steiner und Sänger und Bassist Hans "Bubu" Popp. Die Vier einigten sich schnell auf eine gemeinsame musikalische Stilrichtung: Rock und Blues. Dass sie sich im konservativen Freising der frühen Siebziger nicht nur Freunde machen würden, war ihnen klar. "Wir wurden da teilweise schon angefeindet, mit unseren langen Haaren und so. Das war damals schon ein Kulturbruch. Die Alten haben gedacht, jetzt geht die Welt unter. Und dann machen diese Leute auch noch Musik, die gleich nach Krach kommt." Trotz der Probleme mit dem Establishment gelang es den Vieren, zahlreiche Auftritte an Land zu ziehen, unter anderem im überregional bekannten "Jazzkeller" in der Münchner Türkenstraße oder im Freisinger Jugendclub im Keller des Gebäudes am Marienplatz 2, in dem sich inzwischen die Bar "Franziskus" findet. "Wir haben mal da und mal dort gespielt, eigentlich fast in jeder Freisinger Kneipe", erklärt Köckert.

Nach einem knappen halben Jahr voller Auftritte vor teils vielen, teils etwas weniger Zuschauern holte sich die Band Verstärkung in Form von Keyboarder Günter Oberprieler. "Günters Eltern hatten recht viel Geld, deswegen hatte der Günter eine wirklich teure Orgel, sogar mit Fußpedalen", erinnert sich Gitarrist Ernst Schrott. Diese Orgel bewirkte eine Erweiterung der musikalischen Stilrichtung von Eukalyptus hin zu mehr Stücken von anderen bekannten Gruppen wie etwa Pink Floyd oder Colosseum. Dazu schrieben die Fünf auch immer mehr eigene Lieder.

Eukalyptus

"Eukalyptus" im Jahr 1970.

(Foto: Privat)

Eine Bühnenshow im Freisinger Dom, die ihresgleichen sucht

Zur Unterstützung holten sie sich als nächstes Hubert "Hepf" Hepfinger als künstlerischen Koordinator und Tontechniker und Hannes Sammann, dessen kleiner Bruder Willi knapp zehn Jahre später mit der Band Wurff Erfolge feiern durfte, mit ins Boot. Mit der neuen Aufstellung gelang den aufstrebenden Jungmusikern abgesehen von vielen gut besuchten Konzerten wohl ihr größter Coup: Unter dem Motto "Ex Umbris in Lucem", also "Aus den Schatten ins Licht" spielte Eukalyptus mit Unterstützung des Asamsingkreis' Freising, des Camerloher-Orchesters und der Bläsergruppe St. Matthäus München und unter Zuhilfenahme der Kirchenorgel eine Bühnenshow im Kirchenschiff des Freisinger Doms, die bis heute Ihresgleichen sucht. "Das war wirklich wild", erinnert sich Günter Janovsky, selbst eine Größe der Freisinger Musikszene.

Eukalyptus

Die Band aus Freising erlangt in den siebzigern überregionale Bedeutung. Dieses Bild ist im Jahr 1973 aufgenommen.

(Foto: Privat)

Doch nicht nur mit diesem einmaligen Auftritt setzte sich Eukalyptus in der Region ein Denkmal, auf die Gruppe geht auch Freisings bunte Open-Air-Kultur zurück: Beim Sommerfest des Jugendclubs im Juli 1973 spielte Eukalyptus als Vorband für Subject Esquire, die später in den Siebzigern als Sahara bekannt wurden und deren Gitarrist übrigens auch damals schon der Brite Nick Woodland war. An diesem Abend in der Luitpoldanlage erlebte Freising sein erstes Freiluftkonzert, in der damaligen Umgebung etwas vollkommen Neues und bis dato Undenkbares. "Man muss sich Freising damals vorstellen, das war wirklich erzkonservativ. Da ist so etwas natürlich ein Ausrufezeichen", erinnert sich Helge Köckert.

Viele Auftritte vor wenigen Leuten

Bereits vor diesen Konzerten verließ Gitarrist Ernst Schrott die Formation. "Warum genau ich gegangen bin, weiß ich gar nicht mehr. Wahrscheinlich wurde es mir einfach zu viel. Wir haben so viele Auftritte vor teils wirklich wenigen Leuten gespielt, das hat einfach so eine depressive Grundstimmung vermittelt", erklärt der heute 68-Jährige, der nach seinem Fortgang von Eukalyptus, wie auch Günter Oberprieler, Medizin studierte. Oberprieler praktizierte 34 Jahre lang, die letzten neun davon mit seiner Frau in der Allgemeinarztpraxis Freising, welche nach seinem Wechsel nach Grafing nun Lukas Lehmeyer führt. Schrott hingegen ist inzwischen einer der führenden Ayurveda-Ärzte Deutschlands und sogar Vizepräsident der "Deutschen Gesellschaft für Ayurveda". In seiner Regensburger Praxis bietet er den Patienten unter anderem Transzendentale Meditation, Aromatherapien und eine von ihm entwickelte Therapie gegen Tinnitus an, nebenher hat er eine beachtliche Zahl an Fachbüchern veröffentlicht. Trotzdem ist Schrott der Musik treu geblieben und spielt auch heute noch mit zwei Freunden in der Gruppe Rudi and his therapists. "Damals bei Eukalyptus wurde der Samen gepflanzt und aus dem ist inzwischen eine wunderschöne Pflanze gewachsen", sagt Schrott im Hinblick auf seinen musikalischen Lebensweg.

Heute tritt Helge Köcker mit Hannes Sammann und Günter Oberprieler noch bei den "Rock Klassikern" auf.

(Foto: Marco Einfeldt)

Auch in Hannes Sammann sprießt diese Pflanze offensichtlich ganz hervorragend. Sammann, der nach seiner Ausbildung zum Reprofotograf diesen Beruf für fast 25 Jahre ausübte und nun bereits seinen Ruhestand genießt, singt noch immer unter anderem in der Band Heat und bei der Shakers Blues Band. "Nichts ist schöner als Musik zu machen, also hat sich bei mir nicht viel verändert", erzählt Sammann. Ähnlich ist es auch bei Helge Köckert: Der tritt immer noch regelmäßig mit seiner Pawnshop Bluesband in und um Freising auf. Doch nicht allen ehemaligen Mitgliedern von Eukalyptus ist es vergönnt, auch heute noch Musik zu machen: Sänger Hans "Bubu" Popp und Schlagzeuger Richard "Rich" Steiner sind bereits verstorben.

Trotz dieser Verluste absolvierten Helge Köckert, Hannes Sammann und Günter Oberprieler einige Revivalauftritte zusammen, unter anderem für die Ausstellung "Freisinger Rock History". Außerdem spielten die drei im vergangenen Jahr bereits zum zweiten Mal im Rahmen der "Rock Klassiker" auf dem Marienplatz und ließen die alten Zeiten dabei hochleben. "Wenn alles gut geht", so Köckert, wäre ihr nächster Auftritt bei dieser Reihe im Jahr 2020 gleichzeitig auch ein Jubiläum: 50 Jahre Eukalyptus.

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