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Freisinger Regionalgeld:Verbreitung des "Bärlings" verläuft schleppend

So sehen sie aus, die Scheine des "Bärlings": Erhard Schönegge und Christian Gelleri (rechts) bei der Vorstellung der Regionalwährung im November 2014.

(Foto: Marco Einfeldt)

Seit fünf Jahren hat der Landkreis Freising mit dem "Bärling" eine eigene Regionalwährung, doch deren Verbreitung verläuft schleppend. Der Initiator sieht Betriebe und Kommunen in der Pflicht.

Die Initiativgruppe "Regionalgeld für Freising und das Freisinger Land" hat Ende 2014 eine Regionalwährung im Landkreis eingeführt: den Bärling. Damit sollten regionale Betriebe gefördert werden. Was zunächst großen Zuspruch fand bei Aktionen auf Christkindlmärkten und dem Uferlos, scheint im Alltag bislang aber nicht angekommen zu sein. Nur wenige Unternehmen beteiligen sich an der Initiative, die Umsätze stagnieren. Für Sprecher Erhard Schönegge ist jedoch klar: Der Grundstein ist gelegt, jetzt liegt es an Betrieben und Kommunen, für das Projekt zu werben. "Die Regionalgruppe in Freising lebt", sagt Schönegge. Laut Website beteiligen sich derzeit 33 Unternehmen im Landkreis an dem Projekt, die meisten davon in Freising. Zum Vergleich: Beim Auftakt Ende 2014 waren es zehn. 17 Vereine, vor allem im sozialen und ökologischen Bereich, werden über Abgaben der Betriebe in Höhe von drei Prozent gefördert.

"Wir sehen uns nicht als Konkurrenz einer Innenstadt-Initiative wie der Aktiven City", sagt Schönegge, "wir haben immer die Zusammenarbeit gesucht." Derzeit gebe es wenig Öffentlichkeitsarbeit, der Grund: "Wir warten, bis die Bereitschaft da ist, mit uns zusammenzuarbeiten. Wir bieten ein Werkzeug an, umsetzen müssen das andere. Das können wir selbst nicht im großen Stil. Wir sind ja alle selbst Unternehmer." Derzeit betreibe man vorrangig Hintergrundarbeit. "Ich gehe nach wie vor auf Infoveranstaltungen. Die Prozesse laufen, aber auch sehr langsam. Wir haben was angestoßen. Aber es bräuchte eine Aktive City, die unterstützt, über die Kommune", sagt Schönegge.

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Ähnliche Systeme sind schon mehrmals gescheitert

"Wir sind immer gesprächsbereit, wir haben das nie abgelehnt", sagt Max-Josef Kirchmaier, Vorsitzender der Aktiven City. "Aber es liegt halt an der Akzeptanz unserer Mitglieder. Bei denen, die mitgemacht haben, ist die Resonanz nicht so groß." Es hätten zudem schon viele versucht, solche Systeme einzuführen, und seien gescheitert. Nichtsdestotrotz: "Das Engagement finde ich super", so Kirchmaier, "Kundenbindung ist ja auch unser Ziel."

Für eine Zusammenarbeit reicht es aber offenkundig nicht. Schönegge ist deshalb manchmal frustriert. "Man stößt sich die Hörner ab, wenn man fünf Mal nachfragt. In Moosburg habe man beispielsweise beinahe eine Kooperation mit der städtischen Marketingabteilung erreicht. Doch dann habe es dort einen Personalwechsel gegeben, also alles wieder auf Anfang. "Das Projekt lebt auf kleiner Flamme, aber die ist gut, da braucht nur jemand den Gashahn aufzudrehen", sagt Schönegge.

Bei den beteiligten Unternehmen fällt auf, dass viele davon Bio- und Fair-Trade-Produkte anbieten. Auf einen solchen Schwerpunkt bei der Auswahl geeigneter Unternehmen angesprochen, sagt Schönegge: Die einzige Bedingung an Anträge sei ein inhabergeführtes Geschäft und dass der Inhaber in der Region wohne.

Die Initiative hat nicht den Anspruch, das Wirtschaftssystem komplett umzukrempeln

Die Initiative hat nicht den Anspruch, das Wirtschaftssystem komplett umzukrempeln, das zeigt sich am Umsatz. Der sei in den vergangenen Jahren "relativ konstant" geblieben, sagt Schönegge. Es sei stets Geld im Wert von etwa 20 000 Euro in Umlauf, jeweils für drei Monate, das einen Umsatz von rund 250 000 Euro generiere. Und es seien "immer überschaubare Beträge". Die Werte des Bärlings entsprechen denen des Euro, es gibt ihn als Einer-, Fünfer-, Zehner- und 20er-Schein. Einen anfangs geplanten 50er-Schein habe man aufgegeben: nicht rentabel.

"Wir haben natürlich auch Unternehmen, die abgesprungen sind, weil so wenige mitgemacht haben", gibt Schönegge zu.

Was er sich wünscht: "Ich fände es gut, wenn es eine offizielle Komplementärwährung gäbe. Es gibt viele regionale wirtschaftliche Zusammenhänge, die es nicht notwendig machen, dass das Geld sehr weit wandert."

Auch wenn sich nur in wenigen Unternehmen im Landkreis mit Bärlingen bezahlen lässt, die Produktvielfalt ist groß. Ob Gemüse, Schokolade oder Fleisch; ob Elektrogeräte, Klamotten oder eine neue Frisur: All das bekommt man in diesen Betrieben. "Wer will, kann den täglichen Bedarf damit abwickeln", sagt Schönegge.

Kritiker von Regionalwährungen wie dem Bärling führen unter anderem an, dass diese das Geldsparen verhinderten. Denn wer das Tauschgeld nicht ausgibt, den erwartet ein Negativzins, also eine Strafzahlung. Schönegge sieht das anders: "Ich find's nach wie vor eine sehr gute Maßnahme." Das schaffe eine "Motivation, ein Potenzial, das Geld in Bewegung zu halten". Wer größere Beträge für einen bestimmten Zweck anhäufen wolle, könne auch einen zinslosen Kredit mittels der Regionalwährung bekommen. Bei Barzahlung, also in Bärling-Scheinen, gebe es den Negativzins ohnehin nicht mehr: zu viel Aufwand. Beim bargeldlosen Zahlen mit der Regiocard, einer Art EC-Karte, allerdings schon.

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