Ausstellung im Literarischen Herbst:Heitere, zarte Gestalten

Ausstellung im Literarischen Herbst: Zeichnen und der Zirkus. Das sind die Leidenschaften von Michael Roher.

Zeichnen und der Zirkus. Das sind die Leidenschaften von Michael Roher.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Kulturverein Modern Studio zeigt im "Literarischen Herbst" Bilder von Michael Roher im Alten Gefängnis. Der 35-jährige Illustrator aus Österreich hat seine Berufung zum Beruf gemacht.

Von Birgit Goormann-Prugger, Freising

Wenn einer das machen kann, was ihm wirklich Freude bereitet, dann merkt man das. Denn dann ist es auch gut. So ist das bei den Illustrationen von Michael Roher, dem das "Modern Studio" im "33. Literarischen Herbst" eine Ausstellung im Alten Gefängnis widmet. Sie wurde am Donnerstag eröffnet. Es ist die erste große Einzelausstellung des 35-Jährigen aus Österreich, der dafür dennoch ein umfangreiches Werk vorlegen kann. 20 Kinderbücher hat Michael Roher schon illustriert.

Ausstellung im Literarischen Herbst: 20 Kinderbücher hat Michael Roher schon illustriert.

20 Kinderbücher hat Michael Roher schon illustriert.

(Foto: Marco Einfeldt)

Es sind heitere Gestalten, die seine fantasievollen Bildwelten bevölkern. Klein und zart schweben sie durch seine Geschichten, immer ein Lächeln im Gesicht. Sogar bei dem kleinen, blauen Hasen, der an einer Wäscheleine baumelt. Es scheint ihn gar nicht zu stören, dass man ihn dort mithilfe einer Wäscheklammer am Ohr befestigt hat. Michael Roher arbeitet mit variantenreicher Collagetechnik, ergänzt durch detaillierte Fineliner-Zeichnung, Monotypie und Montage, zum Beispiel von getrockneten Blüten, verblichenen Fotos und Briefmarken.

Dazu muss man wissen, dass der österreichische Buchillustrator Autodidakt ist, also keine Ausbildung an der Kunstakademie vorweisen kann, wie es üblicherweise die Illustratoren tun, die Irmgard Koch und Helma Dietz vom Modern Studio für ihre Ausstellungen auswählen. Als Nachteil sieht Roher selbst das nicht. "Ich muss mir die ganzen Techniken zwar durch viel Experimentieren erarbeiten, aber Freunde, die an der Akademie waren, sagen, dass bei mir alles viel freier aussieht", erzählt er.

Die Liebe zum Zeichnen und zum Buch begleitet Roher seit jeher. "Ich habe schon im Kindergarten gemalt, die Zettel gefaltet und zu einem kleinen Buch zusammengeheftet", erinnert er sich. Später habe er Comics für sich entdeckt. "Mit den Bildern bin ich in den Copyshop, habe sie wieder selbst gebunden". Seine ersten Bücher hat er im Eigenverlag veröffentlicht, zunächst 30 Exemplare. "Die habe ich für Bekannte gemacht oder beim Weihnachtsmarkt verkauft." Zuvor hatte sich Michael Roher lange erfolglos bei Verlagen beworben. "Das wurde nichts, da habe ich mir gedacht, dann muss es anders gehen". Immer wieder hat er mit seinen Arbeiten auch an Wettbewerben teilgenommen, so wurde man auf den begabten Zeichner schließlich aufmerksam.

Ausstellung im Literarischen Herbst: Seine ersten Bücher hat Michael Roher im Eigenverlag veröffentlich und auf dem Weihnachtsmarkt verkauft.

Seine ersten Bücher hat Michael Roher im Eigenverlag veröffentlich und auf dem Weihnachtsmarkt verkauft.

(Foto: Marco Einfeldt)

2009 gewann er den renommierten Romulus-Candea-Preis, die erste Auszeichnung von weiteren. Michael Roher ist ein Menschenfreund, das sieht man seinen liebevollen Gestalten an. Als ausgebildeter Sozialpädagoge muss er das wohl auch sein. Neben dem Zeichnen ist seine zweite Leidenschaft der Zirkus, das hat in zur spiel- und zirkuspädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen geführt.

"Akrobatik und Jonglage, das ist ein guter Ausgleich für die Kopfarbeit beim Zeichnen", sagt er. Seit 2002 ist Roher Mitarbeiter beim Kinder- und Jugendzirkus "Kaos" und anderen Zirkusprojekten. Nun sollte man nicht denken, dass er ein Zirkuskind ist. Aufgewachsen ist Roher in Niederösterreich, der Vater ist Lehrer. "Er unterrichtet Turnen, daher vielleicht meine Freude an der Bewegung". Roher hat seine Berufung zum Beruf machen können und er weiß, "das ist wirklich ein Luxus". Mit den Erlösen aus Stipendien und Preisen und seinen Leseprojekten könne er sogar davon leben. "Es ist sich immer ausgegangen", erzählt er und wirkt dabei so heiter und zufrieden wie seine Geschöpfe in den Bilderbüchern.

Michael Roher, "Illustrationen", Altes Gefängnis, bis 29. November, Freitag 15 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag, elf bis 19 Uhr.

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