Ausstellung "Der Weg des Kreuzes" im Kastulusmünster

Im Kreuzgang zeigt der Fotokünstler Wolfdietrich Hoeveler einen Bilderzyklus, der sich am Evangelium des Matthäus orientiert. Die Bilder sind bunt, abstrakt und interpretierbar, doch in allen stehen Kreuze im Zentrum

Von Till Kronsfoth

Ein junges Paar, ein Mann und eine Frau, sie mögen Mitte oder Ende zwanzig sein, stehen im Kreuzgang des Kastulusmünsters in Moosburg. Außer ihnen befindet sich an diesem sonnigen Samstagnachmittag lediglich ein weiterer Besucher in dem Gotteshaus. Es riecht nach altem Holz, die Luft ist kühl und feucht. Die frühlingshafte Wärme vermag es noch nicht, durch die dicken Vorhänge im Eingangsbereich zu dringen. Nacheinander wirft das Paar einen Blick auf die Bilder des Künstlers Wolfdietrich Hoeveler, die den Leidensweg Jesu Christi nachstellen sollen. Vor einem Bild mit dunkelblauem Himmel, vor dem sich ein leuchtendgelber, kreisrunder Mond abzeichnet, der den größten Teil des Bildes einnimmt, bleiben die beiden erneut stehen. Der Mann greift zu einem Faltblatt und studiert die Erläuterung zum Titel des Bildes. "Eli, Eli ...", zu deutsch: "Mein Gott, mein Gott". Die beiden begeben sich Richtung Ausgang. Die Gummisohlen ihrer Turnschuhe quietschen auf dem blanken Fußboden.

"Via Crucis - Der Weg des Kreuzes. Leiden und Auferstehung Jesu". Der Name ist Programm für die Ausstellung, die noch bis Ende April im Moosburger Kastulusmünster und in der Versöhnungskirche zu sehen ist.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die elf Bilder Hoevelers sind im Kreuzgang des Kastulusmünsters in der Reihenfolge der Geschichten angeordnet, wie sie im Evangelium des Matthäus erzählt werden. So trägt die Ausstellung denn auch den Namen: "Via Crucis - Der Weg des Kreuzes. Leiden und Auferstehung Jesu". Der Name ist Programm: auf fast allen Bildern finden sich Darstellungen von Kreuzen in unterschiedlicher Anzahl und Größe. Und immer stehen sie im Zentrum der Bilder. Dabei ist der kräftige, farbenfrohe Hintergrund stets unterschiedlich, von leuchtendrot über orange und magenta bis hin zu sattgrün.

Der Bilderzyklus beginnt beim Verrat durch Judas und endet mit der Legende von der Auferstehung. Dabei sind die Werke Hoevelers jedoch sehr abstrakt gehalten. Explizite Darstellungen von Jesus oder der Kreuzigung gibt es nicht. Einen scharfen Kontrast zu dieser Interpretierbarkeit bilden die Titel der Werke. Sie sind eindeutig: "Der Verrat", "Ans Kreuz mit ihm!", "Verhöhnung und Folter", "Am Kreuz", "Da riss der Vorhang...".

Fast lautlos wird das schwere Eingangsportal des Kastulusmünsters von außen aufgedrückt und fällt ebenso geräuschlos wieder ins Schloss. Eine ältere Frau betritt das Gebäude. Von den Bildern nimmt sie keine Notiz, sieht sich nicht einmal um. Zielstrebig steuert sie die vordere Bankreihe an und lässt sich auf dem dunklen Möbel nieder. Wolfdietrich Hoeveler, ehemaliger Luftwaffenoffizier, geboren 1948 in Burgdorf bei Hannover, beschäftigt sich seit 2014 mit digitaler Fotokunst. Seine Ausstellung mit dem Titel "Das Böse", die 2018 in der Volkshochschule Moosburg präsentiert wurde, fand in der Region viel Beachtung. Die ältere Frau hat sich zwischenzeitlich wieder erhoben. Sie geht zur Madonnenstatue herüber und wirft einen kurzen Blick auf die brennenden Kerzen. Ohne die obligatorischen 50 Cent zu entrichten zündet sie eine weitere an und geht den Kreuzgang entlang Richtung Ausgang. Die Bilder würdigt sie keines Blickes.

Der Bilderzyklus "Via Crucis - Der Weg des Kreuzes" wird noch bis zum 28. April im Kastulusmünster und in der Versöhnungskirche in Moosburg zu sehen sein.