Ausgehen in Freising Der Furtner, längst legendär

Wenn die Goaßmaß am Tisch als Fliagate herumgereicht wird, geht es im Furtnerbräu hoch her.

(Foto: Marco Einfeldt)

Folge 3 der SZ-Kolumne "Bar-Hocker": Im Furtnerbräu drängeln sich bis spät in die Nacht die Gäste zum Feiern, Quizzen und zu Trinkspielen.

Kolumne von Eva Zimmerhof, Freising

Spät in der Nacht taucht eine Braut auf, umgeben von viel weißem Tüll und einer kleinen Hochzeitsgesellschaft in Tracht. Auf seiner Hochzeit, es ist vielleicht 3 Uhr früh, noch auf einen Absacker in die Lieblingskneipe? Warum nicht. Eigentlich ist längst geschlossen, aber wenn sie nicht zu laut werden, lässt die Wirtin ihre Gäste im Furtner auch mal länger feiern. Der ist schließlich schon jetzt legendär in Freising. Anderer Tag, viel früher: Drüben im historischen Nebenraum ist Quizabend. Es ist brechend voll, nicht mal mehr bloß zum Zuschauen darf man hinein. "Anmeldung immer per E-Mail", sagt die Wirtin streng. Vielleicht kann man einen Blick durch die Fenster auf die Quizfragen werfen? Draußen ist es an Sommerabenden auch auf den Klappstühlen gemütlich, im Winter tummeln sich hier nur die Raucher.

Schnell rein also in den warmen Schankraum, wo alles aus Holz gemacht scheint. 2013 brannte er aus und das nicht zum ersten Mal. Das Traditionsgasthaus hat eine bewegte Geschichte, stand schließlich jahrelang leer, bis es Reinhard Fiedler und Andreas Adldinger 2012 pachteten und so einrichteten, wie es zu Urgroßvaters Zeiten ausgesehen haben muss. Nach dem Brand im Jahr darauf gleich noch einmal, an den Fensterrahmen sind ein paar Spuren des Feuers verblieben. Rustikal gemütlich ist es, wenn auch "a bisserl laut". Am Tisch geht die Goaßmaß als Fliagate rum. Die schon nicht mehr so volle Maß mit Weißbier, Cola und Kirschlikör, lieber gleich ganz leeren oder doch nur ein paar Schlucke davon nehmen? Wer als Vorletzter getrunken hat, zahlt schließlich die Nächste. Sprechgesänge.

Dass der Hammer am Baumstamm angekettet ist, erscheint in Anbetracht einiger Gäste sinnvoll

Dann wird genagelt - es gilt, mit möglichst wenigen Hammerschlägen einen Nagel in einen riesigen Baumstamm zu hauen. Wieder geht es reihum. Wer verliert, gibt dem Gewinner einen aus. Dass der Hammer am Baumstamm angekettet ist, erscheint in Anbetracht einiger Gäste, die nicht mehr gerade stehen können, sinnvoll. Trinkspiele gehören zum Furtner wie das Bier, scheint es. Beim Quiz im Nebenraum geht es der Lautstärke nach viel gesitteter zu, wenn stattdessen Tangokurs ist in jedem Fall koordinierter.

Wenn hier Bands Konzerte geben, tobt aber auch dieser Raum. In einem sehr viel kleineren Nebenraum kickert nachts um vier auch mal die Wirtin mit, im Gang davor machen zwei ein bisschen rum. Die Stimmung ist gelöst - und doch kursiert unter den Gästen die immer mal wieder laut ausgesprochene Angst, die Kneipe könne eines Tages schließen. Schon lange plant der Eigentümer, den gesamten Furtnerbräu zu sanieren und darüber Studentenwohnungen einzurichten. Ginge der jetzige Furtner damit verloren, Freising würde weinen.

Furtnerbräu: Obere Hauptstraße 42. Telefonnummer 01 76/56 71 94 98, Montag bis Freitag 18 bis 2 Uhr, Samstag 10 bis 14 Uhr und 18 bis 2 Uhr.

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