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Ausblick auf das Jahr 2021:Zolling steigt in sozialen Wohnungsbau ein

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Vieles, was in Zolling 2021 geplant ist, geschieht im Untergrund: Das Kanalnetz ist an vielen Stellen marode und soll saniert werden.

(Foto: Simon Faderl)

Die Gemeinde will Wohnraum für ihre Mitarbeiter, aber auch für junge Familien und Senioren schaffen. Ein weiteres großes Projekt in diesem Jahr ist die Sanierung des Abwassernetzes

Von Katharina Aurich

In der Gemeinde Zolling werden in diesem Jahr ober- und unterirdisch einige Projekte vorangebracht. Unter dem Motto "Schau auf die Rohre" will Bürgermeister Helmut Priller (Unabhängige Bürger Zolling ) die Bürger dafür sensibilisieren, was unter der Erde in den Wasser- und Abwasserleitungen passiert. Denn die Kläranlage der Ortschaft Zolling sei an ihre Kapazitätsgrenze gestoßen, informiert Priller. Bevor nun aufwendig erweitert wird, will der Bürgermeister das Abwassersystem sicherer machen.

Denn 40 Prozent des Wassers, das in die Kläranlage fließe, seien Fehleinleitungen - Wasser, das gar nicht geklärt werden müsste. Ursache sind die rund 50 Jahre alten Abwasserrohre, in die an Leckstellen sauberes Grundwasser eindringt. Für das Auffinden der Lecks und die Reparatur seien nicht nur die Gemeinde, sondern auch die Grundstückseigentümer zuständig, denn er fände es nicht in Ordnung, wenn man die Kosten für die Sanierung der Rohre unter privaten Grundstücken auf alle Bürger umlegen würde, sagt Priller.

Er wolle die Bürger "mitnehmen" und in einem Informationsabend für Hausbesitzer mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamtes über das, was unter der Erde passiert, über Dichtigkeitsprüfungen und Sanierungsmöglichkeiten informieren. Außerdem wurde bereits ein Planungsbüro damit beauftragt, die Kläranlage der Ortschaft Zolling effizienter zu machen. In Palzing und Oberappersdorf arbeiten jeweils zwei kleinere, moderne Kläranlagen.

Ein weiteres, oberirdisches Projekt ist der soziale Wohnungsbau. "Wir wollen den sozial geförderten Wohnungsbau voranbringen und machen uns jetzt selbst auf den Weg", betont Priller. Die Gemeinde werde nicht mehr auf den Landkreis setzen und hat bereits ein Grundstück in der Zollinger Ortsmitte im Auge, für das Verhandlungen geführt werden. Finanziell sei der Bau eines solches Gebäudes mit 20 bis 30 unterschiedlich großen Wohnungen sowie Gemeinschaftsräumen finanziell gut zu stemmen, da die Zinsen niedrig seien und die Kommune als Bauherrin 30 Prozent staatliche Zuschüsse erhalte. Die teilweise barrierefreie Wohnungen sollen an junge Familien, ältere Bürger und Mitarbeiter der Gemeinde vergeben werden, sodass eine generationsübergreifende Gemeinschaft entstehen könne, wünscht sich der Bürgermeister. Er rechne damit, dass am Ende seiner Amtszeit, also in fünf Jahren, die ersten Mieter eingezogen sein werden.

Wichtig ist Priller, wie er betont, Anregungen von Bürgern aufzugreifen und umzusetzen. Ein Beispiel dafür ist Ewald Roddewick, der im Gemeinderat das Stadtradeln vorstellte und das Gremium überzeugte, dieses Projekt auch in Zolling zu etablieren. 21 Tage lang sollen möglichst viele Alltagswege klimafreundlich mit dem Fahrrad zurückgelegt und dokumentiert werden. Die Gemeinde wird dazu auch eine Infobroschüre auflegen und an alle Haushalte verteilen.

Doch nicht nur am Stadtradeln wird sich Zolling beteiligen, sondern auch das Radwegenetz verbessern. Ein Ingenieurbüro sei bereits beauftragt, die Wege zu analysieren und sich vor allem die Schulwegsituation anzusehen, schildert Priller. Dabei gehe es nicht nur um die Ortschaft Zolling, sondern die ganze Gemeinde. Da es in Deutschland immer noch das Wichtigste sei, dass der Autoverkehr fließe, sei es rechtlich und technisch nicht einfach, gute Lösungen für Radfahrer zu finden, sagt der Bürgermeister, der selbst häufig mit dem Rad unterwegs ist. Auch zu diesem Thema plant Priller einen Informationsabend für die Bürger, um ihre Ideen aufzugreifen.

Der Bereich Kinderbetreuung ist in Zolling ein Dauerbrenner. Für die Kindergarten- und Krippenplätze gebe es eine Warteliste, informiert Priller. Eine Bedarfsanalyse solle nun ermitteln, wie viele Kinder in den kommenden Jahren betreut werden müssen, ob die Kommune einen weiteren Kindergarten bauen wird und vor allem an welchem Standort. Denn er könne sich gut vorstellen, dass eine Einrichtung in Palzing oder Oberappersdorf entstehe, damit die Familien nicht mehr lange Wege nach Zolling in Kauf nehmen müssen, erklärt der Rathauschef.

Finanzielle Sorgen habe die Gemeinde keine und er gehe nicht davon aus, dass die Gewerbesteuereinnahmen einbrechen, schätzt Priller. Außerdem erhalte die Gemeinde staatliche Schlüsselzuweisungen. Für das neue Jahr wünscht sich der Bürgermeister am allermeisten, "dass wir wieder richtig feiern können". Er träume von einem Bürgerfest in der Ortsmitte von Zolling, bei dem im Sommer an einer Hunderte Meter langen Tafel die Bürger Platz nehmen und bei Musik und gutem Essen miteinander ins Gespräch kommen.

© SZ vom 08.01.2021
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