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Aus für Freisinger Kult-Kneipe:Abseits-Verein macht weiter

In Zukunft wird man sich wohl auf Kulturarbeit konzentrieren

Das Abseits wird wohl keine Kneipe mehr werden. Doch ob die Sanierung wirklich kommt, darauf werden viele Freisinger Kulturfreunde achten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Freisinger "Abseits"-Verein wird aller Voraussicht nach weiter arbeiten, obwohl der ursprünglich geplante Kauf der Kultkneipe durch die Stadt nach der Stadtratsentscheidung vom Donnerstag geplatzt ist. Das sagte der Vereinsvorsitzende Norbert Bürger am Montag in einem Gespräch mit der SZ. Genaueres werde vermutlich in einer internen Vorstandssitzung Ende Februar besprochen. Im März solle dann eine Mitgliederversammlung abgehalten werden. Die bereits eingegangenen Spenden, Norbert Bürger spricht hier von einer vierstelligen Summe, sollen in künftige Kulturarbeit investiert werden.

Beispielsweise organisiert der "Abseits"-Verein am 21. März um 20 Uhr im Furtnerbräu sein zweites Newcomer-Band-Festival. Auch weitere Veranstaltungen kann sich Bürger vorstellen. "Aber das müssen wir natürlich alles im Verein besprechen", sagte er.

Man wird beobachten, ob das Haus wirklich saniert wird

Bürger nahm am Montag auch noch einmal grundsätzlich Stellung zu dem Projekt "Abseits- Rettung" und das vierjährige Engagement des Vereins für den Erhalt der Kultkneipe. Er versicherte in diesem Zusammenhang, der Verein werde genau beobachten, ob das Gebäude aus dem Jahr 1773 auch wirklich saniert werde, wie es der Besitzer, Guy Graf von Moy, angekündigt habe.

"Wir haben über vier Jahre ehrenamtlich gekämpft, haben es, so gut wir eben konnten, gemacht, und haben leider den Kampf um die Wiederbelebung und Ausbau der Kultur- und Begegnungsstätte Abseits verloren", so Bürger. Natürlich brauche Freising Wohnungen, aber nicht ausgerechnet an den Orten, an denen sich über Jahrzehnte Kultur- und Begegnungsstätten etabliert hätten, denn die brauche eine Stadt wie Freising eben auch. Es sei traurig, aber auch ernüchternd, dass es letztendlich nur um Geld gehe, so Bürger weiter.

Der Verein hatte wohl nie eine Chance

Außerdem, so sein Eindruck, habe der Verein offenbar nie eine echte Chance gehabt. Bei einem Gespräch vor viereinhalb Jahren hat Guy von Moy laut Norbert Bürger versprochen, "falls wir einen Käufer finden würden, würde er das Abseits-Areal verkaufen." Ein halbes Jahr später habe von Moy dem Käufer, den der Verein gefunden habe, doch abgesagt, mit der Begründung, er habe ein neues, besseres Angebot bekommen. Bei Verhandlungen mit der Stadt habe von Moy dann ein zusätzliches Rückkaufsrecht eingebaut, so Bürger. Danach habe er diverse Grundstückstausch-Angebote von der Stadt ausgeschlagen und schließlich jetzt den Kaufpreis so hoch angesetzt, dass die Stadt nicht darauf habe eingehen können. "Dass alles so lange gedauert hat, liegt aber nicht nur an diesen Forderungen, sondern auch daran, dass in der Stadtverwaltung gerne mal etwas ein paar Monate auf irgendeinem Schreibtisch liegt, ohne dass etwas passiert", so Bürger weiter. "Unglaublich" nennt es Vereinsvorsitzender Norbert Bürger, dass so viele Leute bei dieser Aktion mitgeholfen und sich für den Wiederaufbau zur Verfügung gestellt hätten. "Wir hatten jetzt schon 80 Zusagen für Eigenleistungen, obwohl wir noch gar nicht angefangen haben." Dass das Interesse über die Landkreisgrenzen hinaus so groß gewesen sei, auch das zeige, wie wichtig die Rettung der Kulturkneipe gewesen wäre.

© SZ vom 11.02.2020/av
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