Auf dem VolksfestplatzEröffnet anno 1864

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Der Plan aus dem Jahr 1883 von Stadttechniker Michael Abele ist das einzige erhaltene Dokument, das zeigt, wie das erste Freisinger Schwimmbad aussah.
Der Plan aus dem Jahr 1883 von Stadttechniker Michael Abele ist das einzige erhaltene Dokument, das zeigt, wie das erste Freisinger Schwimmbad aussah. (Foto: Stadtarchiv)

Das Stadtarchiv erinnert an Freisings erstes Schwimmbad

Viele badebegeisterte Freisinger, darunter hunderte Schüler, hatten lange darauf gewartet: Pünktlich zur Badesaison 1864 nahm das erste öffentliche Schwimmbad der Stadt seinen Betrieb auf. Knapp 40 Jahre lang sollte das auf dem heutigen Volksfestplatzes gelegene Bad Bestand haben, erst 1902 wurde es vom neuen Schwimmbad in Lerchenfeld abgelöst, informiert Stadtarchivar Florian Notter. Der Plan des Schwimmbades in den Isarauen ist das Archivstück des Monats Dezember.

Dass im 19. Jahrhundert öffentliche Schwimmbäder zu einer wichtigen Bauaufgabe wurden, hatte zunächst nichts mit dem Freizeitverhalten der damaligen Menschen zu tun. Der Grund dafür sei vielmehr im 17. und 18. Jahrhundert zu suchen, erläutert Notter: Das Zeitalter der Aufklärung hatte einen nachhaltigen Wandel unter anderem auch des Körperbildes bewirkt; Reinlichkeit und Hygiene wurden zu einem zentralen Bestandteil menschlichen Daseins, die Reinlichkeit des Körpers zum Pendant des vernunftgeleiteten Geistes.

Regelmäßiges Baden wurde aber nicht nur aus hygienischen Gründen propagiert, man sah darin zunehmend die Möglichkeit, den Körper zu stärken. Als dann das Schwimmen - nicht zuletzt unter dem Eindruck von Friedrich Ludwig Jahns bahnbrechendem Werk "Die deutsche Turnkunst" (1816) - Eingang in die militärische Ausbildung fand, sprossen vielerorts die ersten öffentlichen Schwimmbäder aus dem Boden. Tatsächlich dienten diese Bäder in erster Linie dem Schwimmunterricht der Soldaten, wurden aber zu bestimmten Zeiten auch der Zivilbevölkerung zugänglich gemacht. Eine besondere Förderung wurde jenen "Militärschwimmbädern" im Königreich Bayern zuteil.

Vor diesem Hintergrund scheint es laut Notter einigermaßen logisch, dass es im Freisinger Fall eben auch das Militär war, das 1855 erstmals den Bau eines Schwimmbades ins Spiel brachte. Schon diese erste Initiative sah eine Mischnutzung vor: Neben den Neustifter Kürassieren sollten Bürger und explizit die Freisinger Schulen Zugang zum Bad erhalten. Die Initiative überzeugte die entscheidenden Stellen, besonders den Landrichter und die Regierung von Oberbayern. Nur im Freisinger Stadtrat löste der Vorschlag kaum Begeisterung aus und das war allzu verständlich: Die Kosten für den Bau hätte alleine die Stadt tragen müssen. So nahm eine jahrelange Diskussion mit beinahe unzähligen Standortuntersuchungen und Badvarianten ihren Anfang - ohne, dass man zu einem greifbaren Ergebnis gekommen wäre.

Dass ein öffentliches Schwimmbad schließlich verwirklicht werden konnte, sei dem zunehmenden Druck staatlicher Behörden zu verdanken, schreibt Notter. 1861 gab es seitens der Regierung von Oberbayern einen unmissverständlichen Auftrag an den Stadtmagistrat, dem dieser zögernd nachkam. Ein spürbar gestiegenes Engagement der Stadt lässt sich besonders nach dem 1. Juli 1862 feststellen, als Freising zur kreisfreien Stadt erhoben wurde und damit über deutlich mehr Kompetenzen verfügte. Letztlich ging dann alles relativ schnell: Baubeginn des Bades war 1863, im Jahr darauf war das 101 Meter lange Schwimmbecken fertig, Ende desselben Jahres die nebenliegende Turnhalle, die überwiegend der noch junge "Turnverein" (heute "Turn- und Sportverein Jahn Freising 1861 e.V.") nutzte. Bis 1866 war auch der kleine Park, der das Schwimmbad umgab, vollendet.

Neun Jahre nach der Initiative des Neustifter Militärs verfügte Freising über ein Schwimmbad, das sich großer Beliebtheit erfreute. Nur die Kosten waren vollkommen aus dem Ruder gelaufen: Waren zunächst 4750 Gulden veranschlagt, so verzeichnet die Schlussrechnung satte 15 721 Gulden - eine Kostensteigerung um 230 Prozent. Zwanzig Jahre nach Baubeginn, 1883, fertigte Freisings Stadttechniker (ab 1885 Stadtbaumeister) Michael Abele einen Grundriss der "Schwimm- und Turnanstalt" - aus heutiger Sicht ein glücklicher Umstand, denn der Plan ist das einzige erhaltene Dokument, das heute eine genauere Vorstellung vom Aussehen dieser für die Stadtgeschichte bedeutenden Einrichtung geben kann.

© SZ vom 08.12.2018 / sz - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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