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Auch eine Option für den Ortskern:Gleich zwei Säle in Planung

"Sehr, sehr schwierig" ist der Garten des Wirtshauses in Günzenhausen, betrachtet man ihn aus dem Blickwinkel eines Bauherren: Wollte man hier den Saal errichten, müssten enorme Höhenunterschiede ausgeglichen werden.

(Foto: Marco Einfeldt)

In Günzenhausen fährt die Gemeinde Eching mehrgleisig: Zum einen soll im Feuerwehrhaus ein Treffpunkt für die Dorfbewohner entstehen, zum anderen ist ein Neubau im Garten des Gasthauses in der Diskussion

Von Klaus Bachhuber, Eching

Seit dem Umbau des Dorfwirts hat Günzenhausen keinen Veranstaltungssaal mehr - künftig könnten es gleich zwei werden. Das Echinger Rathaus plant zunächst zweigleisig für die Integration eines Mehrzwecksaales in das gerade entstehende Feuerwehrhaus und parallel für einen Neubau im Garten des Wirtshauses. Mit der denkbar knappen Mehrheit von 11:10 Stimmen griff der Gemeinderat auf ausdrücklichen Wunsch der Günzenhausener Vereine die Option im Ortskern auf.

Noch im Januar hatte der Gemeinderat einen Neubau hinter verschlossenen Türen offenbar einhellig abgelehnt. Der vorgesehene Standort östlich des bestehenden Gasthauses sei "sehr, sehr schwierig", bilanzierte Thomas Bimesmeier, der Leiter des Gemeindebauamts. Mit dem Neubau müssten dramatische Höhenunterschiede ausgeglichen werden, Erschließung, Versorgung und Parkmöglichkeiten müssten auf mehreren Ebenen geregelt werden und die nahe Kirchenmauer stelle hohe Anforderungen bezüglich Stützkonstruktionen und Denkmalschutz.

Das sei "das schwierigste Grundstück, das in Günzenhausen für diesen Zweck vorhanden ist", unkte Georg Bartl (CSU). Vor Monaten hatte es der Gemeinderat daher abgelehnt, einen Saalneubau dort ins Auge zu fassen. Stoßrichtung damals war, die Grundeigentümer zur Preisgabe einer geeigneteren Fläche zu bewegen. Das sei aber gescheitert, berichtete Bürgermeister Sebastian Thaler. Man bekomme also "den problematischsten Teil des Grundstücks", sagte Siglinde Lebich (Grüne), wo das Bauen "ganz besonders heikel" sei.

Für eine Entscheidung, ob dort überhaupt gebaut werden könne und zu welchen Kosten, ist nun eine Machbarkeitsstudie für mindestens 35 000 Euro nötig, die frühestens im März vorliegen kann. Dass so lange die Planung des Feuerwehrhauses gestoppt werden könne, schloss der Gemeinderat unisono kategorisch aus. SPD, FW, Bürger für Eching und ein CSU-Gemeinderat setzten mit 11:10 Stimmen gegen Grüne, Echinger Mitte, FDP und vier CSU-Ratsmitglieder durch, dass die Machbarkeitsstudie erstellt und parallel der Saal im Feuerwehrhaus weiter geplant wird.

Insbesondere die Freien Wähler legten ein klares Bekenntnis ab, notfalls auch zwei Säle errichten zu wollen. "Der Ort braucht gemeinsame Erlebnisse", sagte Otmar Dallinger (FW), wie sie nur ein Veranstaltungssaal in Verbindung mit dem Wirtshaus ermögliche. Angesichts des eingeleiteten Wachstums auch von Günzenhausen sehe er für einen weiteren Saal im Feuerwehrhaus durchaus Bedarf. Die SPD bekannte sich noch nicht klar zum Neubau, hielt aber eine Machbarkeitsstudie für sinnvoll. "Dadurch könnten vielleicht auch die Seelen in Günzenhausen wieder von ihren Höhen runterkommen", sagte Herbert Hahner, nachdem die Standortfrage zuletzt für hitzige Debatten gesorgt hatte.

Für Grüne, eine Mehrheit der CSU-Räte, EM und FDP ist ein Saalneubau an der Stelle dagegen nicht vertretbar und eine Vorplanung daher überflüssig. Das sei "nicht wirtschaftlich tragbar", beschied Bertram Böhm (EM). Für einen Saal in Bestlage als Ergänzung zum Wirtshaus könnten auch die Eigentümer des Ensembles tätig werden, regte er an. Derartige Gesamtkonzepte, eventuell in Verbindung mit einem früher schon mal angedachten Hotel, erwiesen sich oft als sehr tragfähig.

Der Neubau des Feuerwehrhauses war stets ohne öffentlichen Saal konzipiert gewesen, weil es eben das Gasthaus Grill mit seinem historischen Saal am Ort gab. Bürgermeister Thaler hatte schon seit seinem Amtsantritt versucht, einen Saal perspektivisch in die Feuerwehrhausplanung einzubringen, war aber zweimal am Gemeinderat gescheitert. Jetzt wird allerdings der Saal durch Fremdenzimmer ersetzt und nun ist es Beschlusslage, das Feuerwehrhaus mit Saal zu planen. Von der Erbengemeinschaft, die das Gasthaus und die dazugehörigen Flächen besitzt, war der Grund für den Saal zu Erbpachtkonditionen angeboten worden.

© SZ vom 29.10.2020
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