Wasserversorgung in und um AuStreit um den Preis eskaliert

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Der Zweckverband Hallertau verlangt von seinen Abnehmern in der Baumgartner und Hörgertshausener Gruppe künftig über 30 Cent mehr für den Kubikmeter. Das wollen sich diese nicht gefallen lassen.

Von Katharina Aurich, Au

Der Streit um den Wasserpreis zwischen dem Wasserversorger Hallertauer Gruppe in Au sowie dessen Abnehmer, die Baumgartner Gruppe in Attenkirchen und die Hörgertshausener Gruppe, geht in die nächste Runde: Mit zwei Gegenstimmen von Hans Sailer (Au) und Michael Hobmeier (Hörgertshausen) entschied der Werkausschuss der Hallertauer, den Wasserliefervertrag mit den beiden Vertragspartnern fristgerecht zum 30. Juni zu kündigen, so dass er am 31. Dezember ausläuft.

"Wenn wir jetzt nicht kündigen, läuft der Vertrag ein weiteres Jahr und das wollen wir verhindern" sagte Verbandsvorsitzender Franz Stiglmaier (Gemeinde Attenhofen). Sowohl die Baumgartner als auch die Hörgertshausener weigern sich, einen neuen Vertrag mit einem deutlich erhöhten Wasserpreis, den die Hallertauer Gruppe ihnen angeboten hat, zu akzeptieren. Statt bisher ungefähr 50 Cent soll der Kubikmeter Wasser in Zukunft 84 Cent kosten.

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"Die Berechnungen sind falsch"

Die Berechnungen des neuen Wasserpreises seien falsch, sagen Anton Geier, Vorsitzender der Baumgartner Gruppe und Michael Hobmeier, Vorsitzender der Hörgertshausener Gruppe. Auch wenn der Vertrag auslaufe und es keinen neuen gebe, dürften die Hallertauer das Wasser nicht abdrehen. "Unsere Kunden müssen sich keine Sorgen machen", betont Geier auf Nachfrage, denn Wasser gehöre zur Daseinsvorsorge und diese müsse auch ohne Vertrag gewährleistet sein.

Der Unfrieden begann im vergangenen Herbst, als die Hallertauer ihren Wasserabnehmern kommentarlos mitteilten, den Preis drastisch zu erhöhen. Die Baumgartner beziehen ihr gesamtes Wasser (jährlich rund 800 000 Kubikmeter), die Hörgertshausener nur einen Teil (80 000 Kubikmeter) von der Hallertauer Gruppe. Beide zusammen nehmen mehr als ein Viertel der Gesamtmenge, die der Verband fördert, ab.

"Man schlachtet doch nicht die Kuh, die am meisten Milch gibt"

So gehe man nicht mit seinen wichtigsten Wasserkunden um. Er sei davon ausgegangen, dass man Partner sei, mit denen man neue Konditionen bespreche, kommentiert Geier, der Haager Bürgermeister und Vorsitzender der VG Zolling ist. Er habe die Zahlen, mit denen die Hallertauer den Preisanstieg begründeten, überprüft und festgestellt, dass der veranschlagte neue Preis viel zu hoch sei, denn es seien Kosten miteinbezogen worden, die man dem "Wassergast" nicht in Rechnung stellen dürfe, erklärt Geier auf Nachfrage. "Es ist nicht in Ordnung, wie die mit uns umgehen, man schlachtet doch nicht die Kuh, die am meisten Milch gibt", kritisierte auch Hobmeier. Es wäre besser gewesen "die hätten ihren Fehler eingestanden und wir hätten gemeinsam nach einer Lösung gesucht. Wir sind doch nicht auf der Brennsuppen dahergeschwommen", sagte der Hörgertshausener Bürgermeister verärgert. Die Firma, die die Berechnungen für die Hallertauer gemacht habe, müsse sich "warm anziehen."

In der Werkausschusssitzung hatte sich Hobmeier dafür stark gemacht, die Kündigung zu verschieben und über einen neuen Vertrag gemeinsam mit seiner Ansicht nach korrekten, nachvollziehbaren Zahlen zu verhandeln. "Wir sollten uns nicht völlig zerstreiten", argumentierte er. Sein Vorschlag hatte keine Chance, selbst eine Diskussion darüber wurde mit einem Antrag zur Geschäftsordnung von Johann Frank (Wolnzach), sofort abzustimmen, beendet.

Auch Vorsitzender Geier, dessen Verband zu hundert Prozent von den Hallertauern abhängig ist, hatte vorgeschlagen, vor einer Kündigung erst einmal über den neuen Vertrag zu verhandeln. Die Hallertauer bestanden jedoch auf ihrem neuen Wasserpreis und stellten ihren Wassergästen gleich in Aussicht, dass sie sich in Zukunft zusätzlich an hohen Investitionskosten, die der Verband tätigen werde, beteiligen müssten, sagte Stiglmeier in der Werkausschusssitzung. Die Wassermengen, welche die Baumgartner benötigten, würden steigen, die Hallertauer müssten dafür einen neuen Brunnen bauen und würden die Kosten dafür umlegen.

Seit 1977 wird der Wasserzweckverband Baumgartner Gruppe auf Basis eines Wasserlieferungsvertrages von der Hallertauer Gruppe mit Trink- und Brauchwasser versorgt, - bisher für beide eine gedeihliche Kooperation, von der beide profitierten. Die Baumgartner Gruppe musste keine eigenen Brunnen bauen und die Hallertauer verkaufen ungefähr ein Viertel ihrer Fördermenge an die Nachbarn und hatten damit einen großen Teil ihres Absatzes gesichert.

"Immer noch gesprächsbereit"

Er scheue sich weder vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung noch davor, eigene Brunnen zu bauen, um sich von der Hallertauer Gruppe unabhängig zu machen, betont Anton Geier. Gutachten und eine Machbarkeitsstudie dafür hat der Werkausschuss der Baumgartner Gruppe bereits in Auftrag gegeben. "Wir sind aber immer noch gesprächsbereit, - wenn sie uns eine korrekte Kalkulation vorlegen" sagt der Haager Bürgermeister.

© SZ vom 23.06.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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