Au/Nandlstadt:Wechsel-Absichten

Au/Nandlstadt: Derzeit nutzt der Waldkindergarten eine Lichtung in der Marktgemeinde Au, doch die Gruppe wird womöglich schon bald nach Meilendorf umziehen.

Derzeit nutzt der Waldkindergarten eine Lichtung in der Marktgemeinde Au, doch die Gruppe wird womöglich schon bald nach Meilendorf umziehen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Waldkindergarten in Au hat erst wenige Monate geöffnet, schon will Initiator Christian Keller umziehen - ausgerechnet in die Nachbargemeinde nach Meilendorf. Die Marktgemeinderäte reagieren verschnupft

Von Gudrun Regeleinund Peter Becker, Au/Nandlstadt

Der Waldkindergarten in der Marktgemeinde Au, der dort erst im Herbst des vergangenen Jahres eröffnet hat, soll schon bald wieder der Vergangenheit angehören. Initiator Christian Keller will nach Meilendorf in der Nachbargemeinde Nandlstadt umziehen. Dort hofft er, in der Nähe des Naturgartens Schönegge bessere Voraussetzungen zu finden als am jetzigen Standort auf einer Waldlichtung. Fatalerweise hatte Keller diese Absicht der Marktgemeinde nicht mitgeteilt, bevor sein Antrag in einer Bauausschuss-Sitzung der Nachbargemeinde zur Sprache kam. Entsprechend sauer hat der Auer Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung darauf reagiert.

Interpretiert man die Vorgehensweise Kellers wohlwollend, mag man sie als unbedarft beurteilen. Er hatte wohl selbst nicht mit der Lawine gerechnet, die er da lostrat. Dem Vernehmen nach hatte sich Keller über die Marktgemeinde beschwert. "Als Käse hoch drei" wies Bürgermeister Karl Ecker die Anschuldigungen zurück. Keller hatte behauptet, der ursprüngliche Standort am Klosterberg sei nicht zustande gekommen, weil sich Anwohner bei der Genehmigungsbehörde, dem Landratsamt, über das Vorhaben beschwert hätten. Ecker zitierte jedoch aus dem ablehnenden Bescheid. Die Behörde erlaubte demnach den Waldkindergarten an dieser Stelle vor allem deshalb nicht, weil die Zufahrtswege für Rettungsfahrzeuge zu dürftig gewesen seien.

Etliche Gemeinderäte bedauerten nun das Entgegenkommen, das sie ihrer Ansicht nach den Plänen Kellers entgegengebracht hatten. "Gutmütigkeit ist ein Trumm von der Liederlichkeit", zitierte Ecker ein Sprichwort. Als "Frechheit" bezeichneten einige Gemeinderäte das Verhalten Kellers. Kindergartenreferentin Beatrix Sebald (FWG) zieh ihn der "Undankbarkeit". Ihre Amtskollegin Lucia Schmidmair-Kaindl (CSU-PfW) sagte, der Kindergartenverein habe eigens seine Satzung geändert, um es Keller zu ermöglichen, Zweiter Vorsitzender zu werden. Sie habe ihn am Tag der Bauausschuss-Sitzung noch getroffen, doch er habe sein Vorhaben mit keinem Wort erwähnt.

Die aktuelle Lage des Waldkindergartens auf einer Waldlichtung sei zwar eigentlich sehr schön, aber dennoch "befinden wir uns in einer schwierigen Situation", sagte Christian Keller, Initiator des Waldkindergartens Au. Vom Jugendamt habe man nur unter Auflagen eine vorläufige Betriebserlaubnis bekommen. Unter anderem muss noch ein Schutzraum für schlechtes Wetter gefunden werden. "Die Suche danach gestaltet sich aber sehr schwierig", berichtete Keller. Während des Winters durften die Kinder und ihre Erzieherinnen zwar die Auer Hopfenhalle nutzen, aber dort werde in der kalten Jahreszeit das Wasser in den Toiletten abgedreht, damit die Rohre nicht einfrieren. Das Bauernhofcafé, das der Auer Bürgermeister kürzlich als Alternative vorgeschlagen hatte, habe man sich bereits angeschaut. "Auch das ist nicht geeignet, unter anderem da wir dort zu viel zahlen müssten", erklärte Keller. Derzeit findet die Gruppe bei extrem schlechten Wetter im Keller einer der Erzieherinnen Unterschlupf, "aber das ist nur eine Notlösung".

Das ist aber nicht der einzige Grund, weshalb sich Keller nach einem anderen Standort umgeschaut hatte. Immer wieder fänden die Kinder beim Spielen auf der Lichtung Glasscherben oder Blechteile. Früher war dort eine Sandgrube, die dann mit Bauschutt aufgefüllt wurde, erklärte Keller. Und auch wegen des Fräsguts der Jagdgenossenschaft Reichertshausen, das in dem Wäldchen gelagert wird, sei noch keine Lösung gefunden worden. Bislang konnte es noch nicht entfernt werden, da sich Zauneidechsen eingenistet haben. Aber eigentlich dürften Kinder laut Jugendamt nicht dort spielen, wo gefräst werde.

"Wir müssen nicht auf Biegen oder Brechen weg", betonte Keller. Aber er habe nach all diesen Erfahrungen "unverbindlich" beim Naturgarten Schönegge angefragt. Und rannte dort offene Türen ein. "Ich habe sofort ja gesagt", erzählte Erhard Schönegge, "ein Waldkindergarten passt doch genau zu unserem Konzept." Der Naturgarten sei schon lange ein Biobetrieb, ein Baustein sei es, Menschen auf den Hof zu holen. So sind dort nicht nur viele Azubis und Praktikanten beschäftigt. Auch eine Klasse der Lebenshilfe Freising ist dort untergekommen und es finden immer wieder Führungen für Kindergartengruppen und Schulklassen statt oder es werden Zeltlager veranstaltet. "Wir haben einen umweltpädagogischen Schwerpunkt", sagte Schönegge. Und den wolle man gerne noch weiterentwickeln. Für den Waldkindergarten sei die Infrastruktur des Hofes ideal: Es gebe nicht nur Spielplätze, einen Zeltplatz und Lehrgärten und in der Nachbarschaft einen Wald, sondern die Kinder könnten einen eigenen kleinen Garten bekommen und hätten Kontakt zu Tieren. Ein Rahmenvertrag über eine künftige Zusammenarbeit von Waldkindergarten und Naturgarten sei bereits mündlich vereinbart worden, berichtete Schönegge. Und auch der Gemeinderat Nandlstadt habe bereits sein Einverständnis zu dem Umzug erteilt, nun fehle noch die Zustimmung des Landratamts und des Jugendamts. Dann aber, so Schönegge, könne der Umzug relativ schnell über die Bühne gehen.

Klaus Stuhlreiter (Grüne offene Liste) war im Marktgemeinderat in Au übrigens der Einzige, der zur Besonnenheit mahnte. Die Marktgemeinde solle über den Vorfall hinwegsehen, sagte er, falls der Umzug des Waldkindergartens nicht genehmigt werde. Mit dem Antrag befasst sich zunächst das Bauamt des Landkreises. Dann werde er zur Genehmigung an das Jugendamt weitergeleitet, informierte Eva Dörpinghaus, Pressesprecherin des Landratsamts. "Soll er doch in Meilendorf glücklich werden", schickt ihm Ecker als Abschiedsgruß hinterher.

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