Influencer im Landkreis Freising:Dirndl, Fitness und Bergpanorama

selina

Seit 2016 veröffentlicht Selina Hellmich auf Instagram Bilder für ihre mittlerweile gut 12 000 Follower. Auch wenn sie für Selfies am meisten Zuspruch bekommt, fühlt sie sich nicht auf ihren Körper reduziert.

(Foto: Instagram/Selinalisa_)

Bloggerin Selina Hellmich hat auf Instagram viermal mehr Follower als ihr Heimatdorf Attenkirchen Einwohner. Verdient hat sie mit ihren Fotos noch nichts, dafür muss sie immer mal wieder "mittelalte Männer" blockieren.

Von Nadja Tausche, Attenkirchen

Sie veröffentlichen regelmäßig Videoclips, präsentieren sich und ihre Produkte auf Online-Plattformen, geben Tipps zu Kunst, Kleidung oder Kochen: Netzpersönlichkeiten aus dem Landkreis Freising, die sich Einflusskanäle aufbauen jenseits von Isar und Amper. Die Freisinger SZ will in einer lockeren Serie von ihnen wissen, was sie antreibt, wie man in das Metier des Influencers hineinwächst, welche Pläne sie verfolgen. Diesmal: Selina Hellmich aus Attenkirchen.

Selina Hellmich folgen auf Instagram mehr als vier Mal so viele Menschen, wie ihre gesamte Gemeinde Einwohner zählt. Wenn die 23-Jährige aus Attenkirchen ein Bild von sich in Sportkleidung veröffentlicht und dazu schreibt, sie wolle den Sommer zurück, wie etwa im Herbst 2019, dann geben ihr dafür schon mal rund 5900 Menschen einen Daumen nach oben. Fitnessbilder sind das, was man auf Hellmichs Kanal am meisten findet - dazu kommen Selfies, Bilder im Dirndl und auch mal ein Foto von einem Bergpanorama in Österreich.

Die Dirndlfotos sind dabei das, was Hellmich einen großen Teil ihrer gut 12 000 Follower eingebracht hat. Schon seit April 2016 ist sie unter dem Namen "Selinalisa_" auf der Plattform aktiv, zwei Jahre später machte sie beim Wettbewerb "Volksfestmadl Freising" mit und gewann. "Dadurch kamen einige Follower dazu", erzählt sie. Im Jahr darauf wurde sie Zweite beim "Wiesnmadl"-Wettbewerb in München, hat im Vorfeld recht viel Werbung für sich gemacht - und so ihre Zahl an Fans noch einmal aufgestockt. Warum sie auf Instagram postet? "Weil es mir Spaß macht."

Eigentlich ist Hellmich gelernte Bankkauffrau, sie arbeitet im Vertriebsinnendienst einer Supermarktkette. Durch ihren Instagramkanal Einnahmen zu generieren sei deshalb nicht ihr Hauptziel: "Wenn sich die Gelegenheit ergibt, mache ich es", sagt sie, es müsste aber nicht sein, "ich habe ja ein festes Einkommen." Bisher hat Hellmich noch kein Geld für Bilder bekommen, die sie gepostet hat. Einige Male hat sie aber Bilder mit Kleidung veröffentlicht, die sie dafür umsonst behalten durfte. Anfragen für bezahlte Zusammenarbeit laufen durchaus bei ihr ein - die kämen aber oft von Firmen, von denen sie noch nie etwas gehört habe, deshalb sei das für sie bisher noch nicht in Frage gekommen: "Wenn ich etwas schalte, möchte ich auch davon überzeugt sein."

Für Selfies bekommt sie deutlich mehr Zuspruch, fühlt sich trotzdem nicht auf ihren Körper reduziert

Was bei Hellmichs Instagramauftritt auffällt: Für Bilder wie das von den Bergen in Österreich oder von der Skyline Kölns bekommt sie deutlich weniger Zuspruch als für Bilder, auf denen sie in die Kamera grinst oder auch mal ein knappes Oberteil trägt. Auf ihren Körper reduziert fühlt sich Hellmich trotzdem nicht. Sie kenne das ja von sich selbst, sagt sie: Wenn jemand auf einem Bild gut aussehe vergebe sie eher ein "Gefällt mir" als bei allgemeinen Aufnahmen. Außerdem kämen die Landschaftsbilder aus einer Zeit, in der sie noch weniger Follower hatte.

Erfahrungen mit unerwünschten Reaktionen macht die 23-Jährige durchaus auch: Sie bekomme zum Beispiel Nachrichten "von mittelalten Männern", wie sie sagt, da seien auch mal sexualisierte Fotos dabei. In Ordnung findet Hellmich das nicht: Sie blockiere die Nutzer dann und melde sie, die Nachrichten selbst löscht sie. "Oder ich zeige sie meinen Freundinnen, da ist auch Witziges dabei." Wie es mit ihrem Kanal weitergeht, da hat die Instagrammerin kein konkretes Ziel. Etwas verändern dürfte sich in naher Zukunft zunächst einmal, wenn die Fitnessstudios wieder öffnen: Derzeit postet sie weniger Sportbilder als sonst, wie sie erzählt, zu Hause könne sie sich nicht so gut motivieren wie im Studio. Dafür bekomme sie in der Pandemie mehr Reaktionen auf ihre Stories und Bilder, die Leute haben wohl einfach mehr Zeit als sonst, glaubt sie.

Auch Hellmich selbst hat in der Pandemie mehr Muße für Instagram. Genau das ist auch ihr Tipp für Menschen, die sich einen Instagramkanal aufbauen und ihn voranbringen wollen: "Wenn man will, dass die Followerzahl steigt, muss man aktiv bleiben."

© SZ vom 03.02.2021/ilos
Zur SZ-Startseite
Tobi Stegmann

Influencer im Landkreis Freising
:Dank Corona jetzt Youtube-Koch

Tobias Stegmann, Inhaber des Restaurants "Eisvogel" im Business-Hotel Soller am Flughafen, überbrückt die Gastronomie-Schließung mit einem eigenen Kanal. Dort präsentiert er einfache Rezepte mit Anspruch.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB