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Atommüll-Endlager-Suche:Noch keine Entscheidung gefallen

Atommüll-Endlagersuche

Gorleben ist raus: Das Erkundungsbergwerk im Salzstock gilt als geologisch nicht geeignet. Im ganzen Bundesgebiet wird nun nach einem Standort für ein Atommüll-Endlager gesucht.

(Foto: Philipp Schulze/dpa)

Politiker aus dem Landkreis beschreiben die Endlager-Beratung als erstes Abtasten

"Ein bisschen holprig, aber insgesamt gelungen." So lautet das Fazit, das Bundestagsabgeordneter Erich Irlstorfer (CSU) in einer Pressemitteilung nach dem ersten virtuellen Beratungstermin zu einem Endlager für Atommüll in Deutschland zieht. Als Standort dafür käme unter vielen anderen womöglich auch der nördliche Landkreis Freising in Betracht. Der Zwischenbericht am Wochenende sei nicht mehr als erstes Abtasten mit wenig Aussagekraft gewesen. Die heiße Phase beginne erst in den nächsten Jahren. Mitarbeiter aus dem Büro des Bundestagsabgeordneten hatten sich an der Veranstaltung beteiligt.

Rein flächenbezogen ist laut der Pressemitteilung Salzgestein, welches gerade in Nord- und Mitteldeutschland zu finden ist, offenkundig am geeignetsten für ein Endlager. Hier wird eine Lagerungsfläche von etwa drei Quadratkilometern benötigt. Danach folge kristallines Gestein/Granit (sechs Quadratkilometer) und dann erst Ton (zehn km²), der besonders im Wahlkreis 214, zu dem der Landkreis Freising gehört, zu finden sei. Dass für die Bevölkerung die Möglichkeit bestehe, Bedenken und Kritik zu äußern, bezeichnet Irlstorfer als "wegweisend für den weiteren Prozess", forderte aber mehr direkte Teilhabe. Aus wissenschaftlicher Sicht sei "viel Luft nach oben", schildert Irlstorfer seinen Eindruck.

Die Forderung nach mehr direkter Teilhabe hat Gehör gefunden. Die nächste Fachkonferenz findet nicht wie geplant im April, sondern erst im Juni statt. Dann könnten Lockerungen der Corona-Beschränkungen wieder eine persönliche Anwesenheit von Diskutierenden zulassen. Der dritte Beratungstermin ist im August.

Landrat Helmut Petz (FW) bezeichnete die Veranstaltung auf Nachfrage als "unspektakulär." Das Ziel, einen etwas tieferen Einblick in das Thema zu bekommen, sei gelungen. Es seien aber keine Entscheidungen gefallen. "Nächster Schritt sind die repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen der geologischen Standortgegebenheiten, die wir als Landratsamt begleiten werden." Bundestagsabgeordneter Johannes Huber (AfD) nahm am Samstag an einer Demonstration in Mauern zur Endlagersuche teil. Er versuchte nach eigenem Bekunden, die Landkreisbevölkerung zu beruhigen. "Ein Endlager im nördlichen Landkreis Freising ist derzeit sehr unwahrscheinlich", sagte er. "Der Großraum München - Ingolstadt - Landshut ist sehr dicht besiedelt. In einer solchen Region über ein Endlager nachzudenken, halte ich für unverantwortlich."

© SZ vom 10.02.2021 / beb
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