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Atomendlager:Rechtzeitig Widerstand leisten

Von Peter Becker

Bockerl fahr zua!" nennt sich ein Modelleisenbahnverein, der in liebevoller Weise die romantische Eisenbahnstrecke der Holledauer Lokalbahn darstellt. Quer durch die Hopfengärten ging es da, auf denen der Landstrich im Norden des Freisinger Landkreises seinen Reichtum begründete. Manchmal gebärdete sich die Lok an den Steigungen etwas unwillig, worauf sich wohl der aufmunternde Zuruf begründet. Könnte sein, dass "Bockerl fahr zua!" irgendwann den Beigeschmack einer Verwünschung bekommt. Nämlich dann, wenn ein Betrachter die Castortransporte betrachtet, die auf neu verlegten Schienen Richtung atomares Endlager in der Hallertau rollen.

Die wackeren Hallertauer müssten dann den Preis für die Technologisierung des Freistaats in den Sechziger- und Siebzigerjahren zahlen. Denn Bayern, damals noch ein rückständiger Agrarstaat, hat sich seinen jetzigen Wohlstand mit der Nutzung des billigen Atomstroms erkauft. Erst der machte die Ansiedlung von Hochleistungstechnologie möglich. Die CSU setzte bedingungslos auf die Nutzung von Atomenergie, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, wo denn der radioaktive Abfall mal landen sollte. Andere Parteien und Regierungen in der alten Bundesrepublik waren in dieser Hinsicht nicht besser.

Es gibt Gründe für ein Endlager in Bayern

Weil Bayern die Atomenergie aber besonders intensiv nutzte, könnte dies ein Argument für einen Endlager-Standort im Freistaat sein. Auch wenn man es keiner Gemeinde wünscht, in dieser Hinsicht den ersten Preis zu gewinnen: Die involvierten Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im Freisinger Norden tun gut daran, im Verein mit Landrat Helmut Petz rechtzeitig Widerstand zu bekunden. Man will sich nicht von den Ereignissen überrollen lassen, wie damals beim Flughafen, der ursprünglich an einem anderen Standort geplant, plötzlich ins Erdinger Moos gebaut werden sollte. Schließlich sollen die Modellbauer vom Verein "Bockerl fahr zua" ihr Repertoire nicht noch um durch die Hallertau rollende Castortransporte erweitern müssen.

© SZ vom 02.02.2021
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