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Archäologische Funde:Die Ur-Ur-Ur-Zollinger

Axel Kowalski entfernt mit einer Spitzhacke vorsichtig Bodenschichten.

(Foto: Marco Einfeldt)

Schon Steinzeitmenschen waren vom neuen Zollinger Baugebiet "Im Schlossfeld II" angetan: Archäologen entdeckten unter der obersten Bodenschicht ihre Spuren aus der Zeit 4700 vor Christus - und sind begeistert.

Von Katharina Aurich, Zolling

Das neue Baugebiet "Im Schlossfeld II" in Zolling ist 9600 Quadratmeter groß, scheinbar unauffällig und wurde bisher landwirtschaftlich genutzt. Aber in der Tiefe der Bodenschichten ruhen zahlreiche Zeugnisse vom Leben der Vorfahren aus der Steinzeit um 4700 vor Christus. Sie waren die ersten Menschen und Ackerbauern, die sich in dem kleinen Seitental des Ampertals angesiedelt haben. Aufmerksam wurde das Landesamt für Denkmalschutz, als bereits in der Nähe ein Bodendenkmal mit Funden aus der Bronzezeit entdeckt wurde. Luftaufnahmen zeigten außerdem Verfärbungen des Oberbodens im Schlossfeld.

Deshalb machte die Behörde der Gemeinde, die das Baugebiet ausweisen wird, zur Auflage, die Fläche archäologisch untersuchen zu lassen. Im vergangenen Herbst dann begannen die Archäologen der Firma "SingulArch" den Oberboden in zwei Meter breiten Streifen abzutragen. Es dauerte tatsächlich nicht lange, bis der Bagger Veränderungen im Boden freilegte. Nach der Winterpause geht es jetzt weiter und inzwischen wurde fast auf der gesamten Fläche der Oberboden entfernt.

Die Tongefäße mit den mit feinen Verzierungen stammen aus der Epoche der Linearbandkeramik

Zu sehen sind dunkel verfärbte Flächen, meist kreisförmig. Das seien Reste von Vorrats- oder Abfallgruben der Menschen in der Jungsteinzeit, erläuterte der Archäologe Stefan Biermeier. Besonders gut erhalten ist ein Tongefäß aus der Epoche der Linearbandkeramik mit feinen Verzierungen. "Mit diesen Funden sind wir ganz nah dran an den Menschen, die das gemacht haben", schildert Biermeier seine Empfindungen.

Auch ein gut erhaltenes Tongefäß mit feinen Verzierungen gehört zu den Funden, die das Archäologenteam im "Schlossfeld" ausgegraben hat.

(Foto: Marco Einfeldt)

Damals, 4700 vor Christus, lebten die Menschen bereits in großen Häusern, die sie aus ganzen Baumstämmen, Weidengeflecht und Lehm errichteten. Ein Stück aus einer solchen Hausmauer fand Biermeiers Kollege Axel Kowalski während er mit der Spitzhacke vorsichtig die Bodenschichten des Aufschlusses entfernte. In einem dunklen Tonstück seien die Abdrücke der Weidenstangen noch genau zu erkennen, erklärt Biermeier dem unkundigen Betrachter.

In der Steinzeit sah die Landschaft noch ganz anders aus

Auch ein scheinbar dunkler, unförmiger Klumpen ist viel mehr als er scheint, nämlich ein Stück Gefäßwand mit einem kleinen Griff daran. Für die beiden Archäologen ist das Gebiet in Flitzing ein "tolles Bodendenkmal" mit unzähligen Fundstücken wie Feuersteinen, Holzkohleresten oder rote Stellen aus verziegeltem Lehm, die von der ersten Ackerbaukultur erzählen würden. Leider seien nur wenige Tierknochen erhalten. Sie könnten Aufschluss geben über die Wirtschaftsweise der Menschen. Die Gruben, deren Überreste die Archäologen freigelegt haben, waren vermutlich noch viel größer, denn das Bodenniveau lag in der Steinzeit wesentlich höher als heute, die Landschaft sah sicher anders aus. Im Laufe der Jahrtausende veränderte sich die Gegend besonders durch Erosion. Die Ausgrabungen erzählten vom Leben und der Wirtschaftsweise der Menschen aus einer Zeit, aus der es keine schriftlichen Quellen gebe. Deshalb seien die Funde so bedeutsam, betont Biermeier. Im bayerischen Denkmalschutzgesetz ist geregelt, dass jeder, der auf einer Fläche bauen möchte, unter der ein Bodendenkmal vermutet werde, eine Genehmigung benötige und das Gebiet archäologisch untersuchen lassen müsse.

Zollings Bürgermeister Max Riegler kommt häufig zu Besuch

Dabei werde zwar das Bodendenkmal zerstört, aber die Scherben, Steine, Holzkohlestücke und vieles mehr werde dokumentiert, beschrieben, gezeichnet und gesichert, schildert der Archäologe. Die Funde gehörten zur Hälfte dem Finder, das sei in diesem Fall die Gemeinde, die die Firma beauftragt hat und zur anderen Hälfte dem Grundstückseigentümer, ebenfalls die Gemeinde.

Zollings Bürgermeister Max Riegler ist immer wieder vor Ort und informiert sich über die Grabungen, die insgesamt drei Monate dauern werden. Die Fundstücke erhält nach ihrer ausführlichen Erfassung und Dokumentation der Archäologische Verein Freising als Leihgabe.

© SZ vom 07.04.2016/zim
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