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Arbeitsmarkt in Freising:Folgen schwer abzuschätzen

Die Corona-Pandemie und die zu ihrer Eindämmung ergriffenen Maßnahmen werde wohl deutliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben.

(Foto: Marco Einfeldt)

Im März hat sich der Arbeitsmarkt im Landkreis Freising noch stabil gezeigt, doch das wird sich wohl bald ändern

Schwer abzuschätzen seien die Auswirkungen auf der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt. Zu diesem Schluss kommt der Chef der Freisinger Arbeitsagentur Nikolaus Windisch. "Wegen der Corona-Krise erleben wir aktuell eine Situation, die uns alle vor große Herausforderungen stellt - und die auch Folgen für den Arbeitsmarkt hat." Weil diese Entwicklung sehr dynamisch sei, lasse sich eine Prognose auf Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit und Beschäftigung aber erst frühestens im April stellen. Erschwerend komme die Unsicherheit hinzu, wie lange die Krise anhalte und wie schnell die Betriebe anschließend in ihr normales Geschäft einsteigen könnten.

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit in Deutschland im Jahresdurchschnitt um 90 000 Personen steigen wird. Das IAB unterstelle, dass ein Teil der Wirtschaftstätigkeit für sechs Wochen ausfalle. Anschließend folge ein ebenso langer Zeitraum, bis wieder Normalität eingetreten sei, erläutert Windisch dazu.

Die Zahlen, welche die Arbeitsagentur veröffentlichen, spiegeln die Lage am 12. März wieder, dem statistischen Zähltag für den Berichtsmonat. Zu diesem Zeitpunkt stand Deutschland noch am Beginn der Corona-Pandemie. Vorschriften, die das öffentliche Leben und wirtschaftliche Aktivitäten einschränkten, gab es damals noch nicht. Deshalb wird die aktuelle Lage nicht widergespiegelt.

Laut Windisch war die Zahl der Arbeitslosen um 632 auf 7379 Personen im Zuständigkeitsbereich der Arbeitsagentur gesunken. Das entsprach einer Quote von 2,0 Prozent im März. Die Nachfrage nach Arbeitsplätzen hatte bis zum Zähltag unvermindert angehalten. Im Agenturbezirk gab es 4844 Stellen. "Wir gehen davon aus, dass sich der Trend im April umkehrt", sagt Windisch. Der Agenturchef betont: Für uns hat die Existenzsicherung für Unternehmen und Arbeitnehmer in der aktuellen Situation die oberste Priorität. Geldleistungen müssen schnell fließen." Agenturen und Jobcenter haben zur besseren Erreichbarkeit zusätzliche Telefonnummern eingerichtet, um Kundenanfragen schnell zu beantworten. Personalbedarf besteht in der Region vor allem im Einzelhandel inklusive der Lieferdienste, der Logistik und beiden Saisonkräften für die Landwirtschaft. Prinzipiell gute Anstellungsmöglichkeiten gibt es derzeit in der Gesundheitsbranche, in der gesamten Kette der Lebensmittelversorgung und im Onlinehandel.

Im Geschäftsbezirk Freising selbst ist die Arbeitslosigkeit von Februar auf März um 175 auf 2350 Personen zurückgegangen. Das waren 73 mehr als im Vergleich zum Vorjahr. Die Arbeitslosenquote lag bei 2,1 Prozent, ebenso viel wie im Monat zuvor. 862 Personen hatten sich neu oder erneut arbeitslos gemeldet. Das waren 23 mehr als im vergangenen Jahr. 1029 Menschen haben ihre Arbeitslosigkeit beendet. Der Bestand an Arbeitsstellen ist im März um 71 Stellen auf 1699 gesunken. Im Vergleich zum Februar gab es 350 Arbeitsplätze weniger. Arbeitgeber meldeten im vergangenen Monat 335 neue Arbeitsstellen, das sind 85 weniger als im Vergleich zum Jahr 2019. Seit Januar gingen 1049 Arbeitsstellen ein, um 181 weniger als im vergangenen Jahr.

Windisch geht davon aus, dass die Corona-Pandemie und die zu ihrer Eindämmung ergriffenen Maßnahmen deutliche Auswirkungen auf die Beschäftigung haben wird. Anders als während der Finanzkrise vor zwölf Jahren betreffe die aktuelle Krise nahezu alle Branchen, erklärt der Leiter des Freisinger Arbeitsagentur.

© SZ vom 01.04.2020 / beb
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