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Antrag im Freisinger Stadtrat:Mahnmal für Opfer der Todesmärsche

Stadtrat Hoyer möchte das Projekt notfalls mit Spenden finanzieren

Die Stadt Freising soll ein Mahnmal zur Erinnerung an die Opfer der Todesmärsche im April 1945 errichten. Mit diesem Antrag hat sich der Geschichtsreferent des Stadtrats, Guido Hoyer (Die Linke), an das Gremium gewendet. Er möchte beauftragt werden, zusammen mit dem Stadtarchiv und interessierten Bürgerinnen und Bürgern eine Konzeption für das Mahnmal zu entwickeln und dieses dann dem Stadtrat vorzulegen.

Kurz vor der Befreiung Freisings durch die US-Armee Ende April 1945 erreichten die NS-Verbrechen bekanntlich mit den Todesmärschen der Konzentrationslager einen letzten, grauenhaften Höhepunkt, wie Hoyer in der Begründung seines Antrags schreibt. Um eine Befreiung der Gefangenen zu verhindern, seien die Lager beim Herannahen der alliierten Armeen evakuiert worden. Wegen unzähliger Todesopfer unterwegs seien diese Evakuierungsmärsche heute als "Todesmärsche" bekannt.

Stadt und Landkreis Freising seien von Marschkolonnen aus den Konzentrationslagern Buchenwald, Flossenbürg und Hersbruck sowie dem Zuchthaus Straubing durchzogen worden, schreibt Hoyer. Die Häftlinge hätten in das KZ Dachau überführt werden sollen, doch "die Märsche hinterließen eine Spur des Todes". Entlang des Weges seien Gefangene an Hunger und Entkräftung gestorben oder von ihren Bewachern getötet worden. Auch nach der Befreiung seien zahlreiche ehemalige Häftlinge an den Folgen der Haft, Hunger und Misshandlungen gestorben. Die genaue Zahl der Opfer ist laut Hoyer unbekannt. Einige seien an der Stelle ihres Todes am Straßenrand beerdigt, andere in örtliche Friedhöfe überführt worden, die meisten von ihnen nach Neustift. Die Gräber seien heute aufgelassen - mit Ausnahme eines gemeinsamen Grabes von Wehrmachts- und Waffen-SS-Soldaten und zwei Opfern aus Buchenwald in Tüntenhausen.

Einen zentralen Erinnerungsort gebe es jedoch nicht, so der Geschichtsreferent, der deshalb "zum Gedenken an diese Opfer des NS-Regimes die Schaffung eines zentral in Freising gelegenen Erinnerungsorts" vorschlägt. Das Konzept dafür, insbesondere einen Vorschlag zu Ort und Gestaltung, möchte Hoyer in einem offenen Prozess unter seiner Federführung entwickeln. Dazu sollen engagierte Bürgerinnen und Bürger eingeladen werden. Ihm sei bekannt, dass es sich hier um eine "freiwillige Leistung" handele und die Rechtsaufsicht die Reduzierung "freiwilliger Leistungen" fordere, schreibt Hoyer in seinem Antrag vorsorglich. Daher solle die Finanzierung über Spenden erfolgen, "wenn die Haushaltslage nach Ansicht der Rechtsaufsicht der Stadt nicht gestattet, dieses Zeichen der Erinnerung zu setzen".

© SZ vom 04.05.2021 / vo
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