bedeckt München

Angestellte im Landkreis Freising fordern mehr Lohn:Die Zeichen stehen auf Streik

Auch im Freisinger Klinikum muss mit einem Streik der Mitarbeiter gerechnet werden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Sobald der Notdienst steht, werden im Freisinger Klinikum einzelne Stationen die Arbeit niederlegen

Von Gudrun Regelein, Freising

In diesem Frühjahr, zu Beginn der Corona-Krise, haben sie noch viel Beifall bekommen. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Krankenhäuser und für die Erzieherinnen in den Kitas wurde damals geklatscht. Systemrelevante Berufe haben viel Anerkennung erfahren - das spiegelt sich bislang aber nicht in deren Gehältern wider. Die Gewerkschaft Verdi will nun eine Erhöhung der Löhne durchsetzen: für diejenigen, die während des Lockdowns am Limit waren und dennoch weitermachten und für die anderen Beschäftigten des öffentlichen Dienstes. 4,8 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro, so lautet die Forderung. Da die zweite Runde der Tarifverhandlungen mit den öffentlichen Arbeitgebern ergebnislos blieb, wollten die Gewerkschaften den Druck erhöhen und riefen zu bundesweiten Warnstreiks auf.

Erste Arbeitsniederlegungen fanden bereits statt, so streikten in München an diesem Montag das Kitapersonal, am Dienstag wurde der öffentliche Verkehr lahmgelegt. In Freising streikten bereits am vergangenen Freitag die Busfahrer: Im Stadtbusangebot kam es zu Einschränkungen und Ausfällen. Laut einem Sprecher der Stadtwerke sind an diesem Tag alle Linien von vier bis zehn Uhr ausgefallen - bis auf die Linien 620, 633 und 638. Auch bei einem im MVV-Regionalbusverkehr tätigen Verkehrsunternehmen kam es zwischen vier und zehn Uhr zu Verspätungen und Fahrtausfällen bei einzelnen MVV-Regionalbuslinien. Der sogenannte freigestellte Busverkehr, der Schüler aus abgelegenen Gebieten abholt, war aber nicht betroffen. Weitere Streiks bei den Busfahrern im Landkreis sind derzeit nicht angekündigt.

Dagegen muss mit einer zeitnahen Arbeitsniederlegung am Freisinger Klinikum gerechnet werden, kündigt Christian Reischl, Verdi-Gewerkschaftssekretär für den Bereich Gesundheit und Soziales, an. Mit der Klinikleitung sei man bereits wegen einer Notdienstvertretung in Verhandlungen. "Sobald das geklärt ist, werden einzelne Stationen zum Streik aufgerufen. Die Bereitschaft dafür ist vorhanden", betont Reischl. In der letzten Tarifrunde habe man auf einen Warnstreik am Klinikum verzichtet, dieses Mal wolle man schlagkräftig sein, sagt er. In dieser Woche aber werde voraussichtlich noch nicht gestreikt, "sobald der Notdienst steht, wird dann eintägig, gegebenenfalls auch zweitägig, gestreikt". Betroffen seien einzelne Stationen, die Arbeitsniederlegung werde auf das gesamte Klinikum Auswirkungen haben. Streiken werden neben dem Pflegepersonal auch andere Mitarbeiter, wie aus der Radiologie oder Therapeuten.

In den Kitas im Landkreis seien derzeit zwar noch keine Streiks des Personals geplant, sagt Merle Pisarz, Verdi-Gewerkschaftssekretärin für den Bereich Kommunale Einrichtungen. "Das schließt aber nicht aus, dass es Mitte Oktober so weit sein könnte." Das sei davon abhängig, wie nun die Arbeitgeberseite agiere und ob sie Entgegenkommen zeige. "Wenn da nichts passiert, dann werden wir auch hier im Landkreis zu Streiks aufrufen."

Dass die Landkreisbürger bald auf ihrem Müll sitzen bleiben, ist nicht zu befürchten. Der Landkreis nämlich habe die Abfallentsorgung an ein privates Unternehmen delegiert, erklärt Erich Brändle, Verdi-Gewerkschaftssekretär im Fachbereich Ver- und Entsorgung. "Dafür sind wir nicht zuständig." In anderen Berufsgruppen aber ist zeitnah mit Warnstreiks zu rechnen, kündigt Merle Pisarz an. Mitarbeiter des Bau- und des Sozialreferats, beispielsweise Gärtner und Sozialpädagogen, werden dann zur Arbeitsniederlegung aufgerufen.

© SZ vom 30.09.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite