Landkreis Freising:Angeln liegt im Trend

Landkreis Freising: Weil in Corona-Zeiten viele andere Beschäftigungen nicht möglich sind, greifen die Leute im Landkreis häufiger zur Angel, etwa am Hollerner See.

Weil in Corona-Zeiten viele andere Beschäftigungen nicht möglich sind, greifen die Leute im Landkreis häufiger zur Angel, etwa am Hollerner See.

(Foto: Marco Einfeldt)

Verstärkt wird diese Entwicklung durch die Corona-Pandemie, in der es viele Leute nach draußen zieht. Auch bei Frauen und Jugendlichen wird Angeln zunehmend beliebter.

Von Johanna Pichler, Freising

Nach nur kurzer Wartezeit verbiegt sich die Angel nach unten und der Fischer wird beinahe vom Boot gezogen. Ein riesiger Fisch hängt am Angelhaken und versucht, gerade noch wegzuschwimmen. Der Angler kämpft und gibt nicht auf, bis das Tier zappelnd in seinem Boot liegt. So ist es zumindest in einigen Zeichentrickserien. Im wahren Leben sieht die Angelegenheit wohl etwas anders aus und ist meist mit langer Warterei verbunden. Trotzdem gilt das Angeln schon seit einigen Jahren als Trendsportart und ist vor allem in Bayern sehr beliebt. Auch im Kreis Freising.

Seit vergangenem Jahr hat es laut Thomas Funke, Leiter der Pressestelle des Landesfischereiverbands Bayern, aber noch einmal einen großen Ansturm gegeben. "Viele Menschen konnten nicht verreisen, Angeln durfte man immer. Auch in den härtesten Lockdown-Zeiten", meint Funke. Diesen Trend sieht auch Günter Wolter, Vorsitzender des Fischereivereins Freising. "Ich glaube einfach, dass mehr Leute Zeit haben, an die frische Luft zu gehen."

Draußen in der Natur sein - und einen Fisch überlisten, darin liege der Reiz

Für ihn persönlich liege der Reiz darin, ganz einfach ein bisschen in der Natur draußen zu sein. "Und natürlich wenn man versucht einen Fisch zu überlisten." Funke und Wolter sind sich in einer Sache einig. Auch wenn das Angeln immer wieder als Trendsportart bezeichnet werde, sei es eben das nicht. "Es geht um Lebewesen, deshalb sprechen wir nicht gerne von Sport", meint Funke. Herbert Vogl, Vorsitzender des Fischereivereins "Petri" in Allershausen möchte das Wort "Sport" gar nicht erst in den Mund nehmen: "Ich sage immer, es ist eine Passion. Die Bezeichnung Sport ist verwerflich gegenüber der Spezies Fisch". Vogl bevorzugt daher den Begriff "Angelfischerei". Den Trend sieht der Vorsitzende allerdings nicht so sehr. "Geschuldet durch die Pandemie sind natürlich auch mehr Angler in Teilzeit oder Kurzarbeit. Da ist es normal, dass mehr Freizeit da ist." Viele neue Mitglieder habe der Verein "Petri" nicht bekommen, was aber auch daran liege, dass das Landratsamt nur begrenzt Erlaubnisse zum Angeln ausgebe.

Beim Fischereiverein Eching dagegen scheint es den Trend gegeben zu haben. Laut Vorsitzendem Manfred Wutz gab es eine Steigerung der Mitgliederzahlen. "Seit Corona wurde das schon deutlich mehr. Klar, seit dem kann man nicht mehr wirklich rausgehen, aber zum Fischen kann man immer rausgehen", sagt Wutz.

Die Angler bezeichnen ihr Hobby nicht gern als Sport, schließlich gehe es um Lebewesen

Thomas Funke vom Landesfischereiverband konnte auch einen großen Ansturm bei den Vorbereitungskursen zur Fischerprüfung erkennen. "Es gab auch viele Phasen, in denen die Vorbereitungskurse in Präsenz verboten waren. Die Theorieteile gab es dann online. Trotzdem mussten viele Prüfungen ausfallen, wobei das im Endeffekt gut kompensiert werden konnte." Im Schnitt seien es 10 000 Prüflinge im Jahr. "Letztes Jahr waren wir mit 9551 Prüfungsteilnehmer nur knapp darunter."

Ein besonders beliebtes Angelgewässer im Landkreis Freising ist für viele der Amper-Isar-Kanal. "Da fängt man am meisten", meint Günter Wolter. Ein Problem mit Überfischung gebe es jedoch noch nicht. "Alle Vorgaben werden eingehalten. Es ist ja auch nicht immer nur Fangen, Fangen, Fangen", denkt auch Herbert Vogl vom Fischereiverein "Petri". Ob ein Erfolg zu verzeichnen ist, sei immer von vielen Komponenten, wie etwa der Wassertemperatur, abhängig. "Ich verstehe mich selbst als Naturschützer gegenüber der Spezies Fisch. Mit dem Angeln bewahre ich den Überblick auf die Flora und Fauna."

"Mein größtes Highlight ist gleichzeitig mein größter Fisch. Das war ein Hecht mit 1,17 Meter und 12,5 Kilogramm"

Auch bei den Kindern und Jugendlichen gibt es bei den Freisinger Fischereivereinen immer mehr Zuwachs. Michael Stuber ging bereits in einem Alter von fünf Jahren mit seinem Vater zum Angeln. Später wurde er in die Jugendgruppe des Kreisfischervereins Freising aufgenommen. "Ich glaube schon, dass Angeln im Trend liegt, da es ein schöner Ausgleich zur normalen Arbeit ist", denkt der heute 22-Jährige. "Mein größtes Highlight ist gleichzeitig mein größter Fisch. Das war ein Hecht mit 1,17 Meter und 12,5 Kilogramm, den ich gefangen habe, als ich zwölf Jahre alt war", sagt Stuber. Der Jugendfischerschein kann in einem Alter von zehn bis 18 Jahren erworben werden, jedoch brauchen die Kinder und Jugendlichen eine Patenschaft, um Fischen zu dürfen. "Die Nachfrage ist im Moment höher, als wir betätigen können", meint Günter Wolter.

Auch bei den Frauen scheint das Angeln immer mehr zum Trend zu werden. "Es sind spürbar noch mehr Männer, aber es gibt auf jeden Fall einen leichten Aufwärtstrend bei den Frauen", sagt Thomas Funke vom Landesfischereiverband. Laut den Vorsitzenden der Freisinger Fischervereine steigt die Anzahl an Frauen in den Vereinen an. "Wir haben zehn bis 15 Prozent aktive Fischerinnen im Verein. In den letzten 20 Jahren waren die Frauen auf dem Vormarsch", meint Herbert Vogl vom Verein "Peri" in Allershausen. Man sei darauf bedacht, dass noch mehr Frauen "den Zugang zur Fischerei bekommen".

© SZ vom 26.03.2021/ilos
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