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Freisinger bewirbt sich erneut:Andreas Mehltretter SPD-Bundestagskandidat

Der 29-jährige Freisinger Andreas Mehltretter, hier in der digitalen Aufstellungsversammlung, zieht für die SPD in den Bundestagswahlkampf. Foto: Marco Einfeldt

Der Kreisvorsitzende setzt sich bei der digitalen Aufstellungsversammlung gegen Manuel Hummler aus Pfaffenhofen durch.

Von Paulina Gastl, Freising

Andreas Mehltretter wird sich im September für die SPD um einen Sitz im Bundestag bewerben. Am Sonntag kürten ihn die Delegierten bei einer digitalen Aufstellungsversammlung zum Kandidaten des Wahlkreises 214, zu dem die Landkreise Freising und Pfaffenhofen sowie Teile des Landkreises Neuburg-Schrobenhausen gehören. In Manuel Hummler aus Pfaffenhofen und Andreas Mehltretter aus Freising waren zwei junge Männer angetreten. Als gegen 17 Uhr die letzten Stimmen der Delegierten ausgezählt waren, stand der Gewinner fest: Mehltretter, bereits 2017 SPD-Bundestagskandidat, hatte sich knapp mit 29 zu 25 Stimmen durchgesetzt.

Vorgestellt hatten die Bewerber sich schon am Vormittag in der digitalen Versammlung, gewählt wurde jedoch vor Ort an den Urnen in Freising und Pfaffenhofen. Zuerst stellte sich Manuel Hummler vor. Nach Abschluss seines dualen Bachelor-Studiums in Wirtschaftsinformatik wird er dieses Jahr seinen Master in Informatik beginnen. Der 22-Jährige sprach von den Herausforderungen, vor der die Bevölkerung und die Politik durch die Pandemie gestellt wurden, aber auch davon, dass er sich als junger Mensch besonders für die Fragen danach interessiere. Das bedeutet konkret: Digitalisierung, aber vor allem der Klimawandel. "Klimaschutz geht nur sozial", ist sein Wahlmotto. Deshalb engagiere er sich lokal für die Bewegung "Fridays For Future", für die er in Pfaffenhofen Demonstrationen organisiert. Manuel Hummler unterstützt auch Bauern der Region bei der Errichtung eines bioregionalen Marktes durch digitale Lösungen, um ihnen einen Absatzmarkt zu schaffen und den lokalen Einzelhandel zu stärken. Er äußerte auch Kritik an der aktuellen Politik, wie zum Beispiel am Erneuerbare-Energien-Gesetz, weshalb er für den Aufbau einer Bürgerenergiegenossenschaft stehe, oder am Bundesbettenplan, durch den kleinere Krankenhäuser nicht gut genug finanziert würden.

Sozialer Wohnungsbau und Klimaschutz liegen Mehltretter am Herzen

Der 29-jährige Andreas Mehltretter ist SPD-Kreisvorsitzender und Wirtschaftsreferent des Freisinger Stadtrats. Der Ökonom arbeitet im Moment an seiner Doktorarbeit in Politikwissenschaften. Er betonte die Wichtigkeit eines guten Gesundheitssystems in Zeiten wie diesen, weshalb er eine bessere Entlohnung für Pfleger und Erzieher fordere. Zudem schlug er ein Mindestkurzarbeitergeld vor. Mehltretter ist außerdem Befürworter einer starken Grundsicherung sowie des öffentlichen Wohnungsbaus, welcher seiner Meinung nach vom Bund deutlich intensiver betrieben werden müsse. Einer seiner wichtigsten Punkte ist für ihn, wie auch für Hummler, der Klimaschutz. Deshalb strebt Mehltretter eine möglichst rasche Energiewende durch Solaranlagen und Windkraft an, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Für ihn ist aber auch die Digitalisierung ein Thema, denn Schulen und Behörden sollen besser ausgestattet, Glasfaserleitungen ausgebaut und Fortbildungen angeboten werden. Abschließend plädierte er dafür, die Auswirkungen der zunehmenden Automatisierung zur Reduzierung der Arbeitswoche zu nutzen: "Wir haben damals für die 40-Stunden-Woche gekämpft, warum sollten wir es nicht auch jetzt für die 30-Stunden-Woche tun?"

Nachdem sich die beiden Kandidaten vorgestellt hatten, folgte eine Online-Fragerunde. Hier wurden die unterschiedlichen Positionen der beiden Männer noch mal deutlich. So steht Hummler entschieden gegen eine Minderheitsregierung, während Mehltretter diese begrüßen würde. Zum Thema Mindestlohn möchte Manuel Hummler Expertenmeinungen heranziehen, während Mehltretter eine schrittweise Erhöhung befürwortet. Dass der Mindestlohn steigen soll, da sind sich beide jedoch einig.

© SZ vom 22.02.2021/axka
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