Süddeutsche Zeitung

Ambulante Pflege:Gute Note

Neufahrner Sozialstation beseitigt Mängel in der Dokumentation und wird bei einer Prüfung mit 1,3 bewertet. Probleme bereiten aber die Finanzen. Trotz vieler Spenden, Zuschüsse und Beiträge blieb zuletzt ein großes Defizit

Die gute Nachricht kam zur rechten Zeit: Bei der jüngsten Prüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen erhielt die ambulante Pflege der Sozialstation, die täglich rund 80 Patienten versorgt, die Note 1,3. In der vorherigen Prüfung war es nur 2,6 gewesen, und das gilt als wirklich kritisch. Mängel in der Dokumentation waren die Ursache, erklärte Leiterin Ivonne Gast in der Jahreshauptversammlung des Trägervereins - und theoretisch könnte so etwas sogar zur Vertragskündigung durch die Pflegekasse führen. Die Einrichtung hat sofort reagiert und die Pflegefachkräfte auch noch einmal umfassend in Sachen Dokumentation nachgeschult - mit Erfolg. An der Versorgung der Patienten habe es aber auch in der Zeit davor nicht gefehlt, betonte Vorsitzender Helmut Hinterberger: "Die Zufriedenheit war immer sehr gut und wurde mit 1,0 bewertet."

Unterdessen hat sich eine andere "Baustelle" aufgetan, die den Verantwortlichen nach wie vor Sorge bereitet: Die Sozialstation schreibt mittlerweile rote Zahlen. Auf 187 000 Euro belief sich im vergangenen Jahr das Minus, das nur mithilfe von Landkreis-Zuschüssen, Spenden sowie Beiträgen der rund 220 Mitglieder und drei Träger auf 75 000 Euro gedrückt werden konnte. Das Problem ist laut Hinterberger vor allem die Einnahmenseite, die "stark geprägt durch die Struktur der Patienten" sei. So seien mehrere Patienten mit Pflegegrad fünf weggefallen, und das mache sich dann schon bemerkbar.

Andererseits habe man auch viele Patienten, die von privaten Einrichtung gar nicht angenommen würden. "Aber wir wollen niemanden ablehnen, weil es sich nicht rechnet", betonte Hinterberger. Zunehmend Konkurrenz bekommt die Sozialstation von privat organisierter 24-Stunden-Pflege: "Das Angebot wird immer größer." Machbar sei so etwas aber nur, wenn die Kräfte unter Mindestlohn bezahlt würden, erklärte Hinterberger, und da wolle die Sozialstation selbst nicht mitmachen.

Ein Minus machen auch weitere Bereiche der Einrichtung: die hauswirtschaftliche Versorgung, das Essen auf Rädern und die Senioren-Tagespflege (Senta), die gerade samstags nicht ausgebucht ist, das Personal aber trotzdem bereithalten muss. Nur das "betreute Wohnen" schloss mit einem Plus ab. Insgesamt sprach Hinterberger aber von einem "unerfreulichen wirtschaftlichen Ergebnis". Erfreulich ist dagegen eine andere Entwicklung: 132 Spenden über fast 60 000 Euro gingen 2018 ein, mehr als die Hälfte der Summe stammte vom "Adventstandl" und der Malenke-Stiftung.

Die drei Träger - Gemeinde, katholische Kirche, evangelische Kirche - steuern jeweils 7600 Euro pro Jahr bei. Die Gemeinde erlässt der Sozialstation außerdem den Erbpachtzins für das Grundstück in Höhe von jährlich 6000 Euro. Auf die Frage eines Mitglieds, ob die Gemeinde hier nicht großzügiger sein könnte, erklärte Bürgermeister Franz Heilmeier (Grüne), dass die Träger auch künftig "drei gleich stark Partner" sein sollten. Die Gemeinde würde deshalb nur mehr bezahlen, wenn das auch die Kirchen täten. Auch Kritik an dem Beschluss, dass ein zinsloses Darlehen über 40 000 Euro nicht in einen Zuschuss umgewandelt wurde und zurückbezahlt werden muss, wies der Rathauschef zurück: Auch andere Vereine könnten dann Anspruch auf so eine Umwandlung erheben, meinte er, es müsse da schon "eine gewisse Gleichbehandlung" herrschen.

Aktuell hat die Sozialstation 75 Mitarbeiter, die vor allem in der Senta von 14 Ehrenamtlichen unterstützt werden. 16 weitere kommen von 1. Mai an dazu: Die von einem ehrenamtlichen Team um Sozialreferentin Beate Frommhold-Buhl (SPD) geführte Kleiderkammer im "Lohfeld", in der Bedürftige für Preise von einem Euro pro Stück einkaufen können, läuft dann unter dem Dach der Sozialstation. Hinterberger sprach von einer Bereicherung: "Die Kleiderkammer passt zur Sozialstation", schon weil es eine "Nähe der Zielgruppen" gebe.

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SZ vom 17.04.2019
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