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Alte Weihenstephaner Brennerei:Die Störche sind wieder da

Störche im hessischen Ried

Ein Storch beim Landeanflug auf sein Nest: Ob die beiden Exemplare in der alten Weihenstephaner Brauerei eins oder mehrere Junge haben, ist nicht ganz klar.

(Foto: dpa)

Das Paar, das im Vorjahr das Kunst-Nest auf dem Kamin der alten Weihenstephaner Brennerei bezogen hat, ist zurückgekehrt. Vermutlich hat es auch schon Junge, die man aber noch nicht sieht.

Von Alexandra Vettori, Freising

Das Weihenstephaner Storchenpaar ist wieder da, und vermutlich hat es auch wieder Junge. Dass es sich um das gleiche handelt, das im Vorjahr erstmals das Kunst-Nest auf dem Kamin der alten Weihenstephaner Brennerei bezogen hat, können die Vogelfreunde von Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz (LBV) nur vermuten. Christian Magerl vom Freisinger Bund Naturschutz schaut regelmäßig nach und ist überzeugt: "Sie haben eines oder mehrere Junge, die man aber noch nicht sieht."

Nach Magerls Meinung überstanden die Jungstörche auch den Hagel kürzlich sowie den starken Regen vom vergangenen Wochenende. Er sei bei Regen da gewesen, erzählt er, "da saß ein Altvogel ganz dicht auf dem Nest und hat vermutlich Junge gehudert." Hudern nennt man es, wenn die Elternvögel die Jungen ganz fest unter die Flügel nehmen, weil deren noch nicht entwickeltes Gefieder kein Schutz gegen Platzregen ist. Nach einer guten Stunde, so Magerl weiter, sei der zweite Altvogel gekommen, mit Beute mit Schnabel, den er tief ins Nest steckte. "Hätten sie einen Totalverlust, würden sie das Nest relativ schnell verlassen", sagt der Biologe.

Der Drahtkorb wurde schon vor zehn Jahren angelegt

Die Freude war groß, als im vorigen Frühjahr erstmals Störche im schon vor zehn Jahren angelegten Drahtkorb auf dem Brennereikamin einzogen. Das mindestens zwei Junge überlebten, manche Beobachter sprechen von drei, komplettierte das Glück, beherbergte der Landkreis seine letzte Storchenfamilie doch vor Jahrzehnten. Offenbar hat das Storchenpaar Weihenstephan in guter Erinnerung behalten. Am 27. April jedenfalls landete Storch Nummer eins laut Storchenatlas des LBV auf dem Kamin, Storch Nummer zwei folgte am 6. Mai. Seit Störche mit Sendern ausgestattet werden, weiß man: Paare fliegen getrennt in Winter- wie Sommerdomizil, manchmal überwintern sie sogar an unterschiedlichen Orten und treffen sich erst in ihrem letztjährigen Nest wieder.

Anfangs befürchtete man, das Paar werde sich an den laufenden Sanierungsarbeiten in der Brennerei stören. Schon im Vorjahr liefen die Arbeiten auf dem Dach, vorsorglich stoppte man sie aber, den Storchenbabys zuliebe. Wie Andreas Kronthaler, Baudirektor im staatlichen Bauamt Freising, das für die Arbeiten an den Universitätsgebäuden zuständig ist, erklärte, habe man zum Beispiel die Lüftungsgeräte erst in den Dachraum eingesetzt, als die Jungvögel flügge waren.

Während der Regentage im Mai stirbt ein großer Teil der Jungstörche

Allerdings habe man so die Arbeiten in 2018 nicht abschließen können, lediglich noch das Dach dicht gebracht. Die Restarbeiten heuer hat man dann genau mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt. "Präventiv wurden zuerst sämtliche Dachflächen, welche dem Horst zugewandt sind, oder nahezu auf oder über der Höhe liegen, bearbeitet. So wurden zum Beispiel First- und Gratziegel vermörtelt, obwohl die zweite Dachfläche noch nicht eingedeckt war", so Kronthaler. Umso größer war die Freude, als das Storchenpaar seinen Drahtkorb wieder bezog.

Dass die Storchenbabys überlebt haben, ist nicht selbstverständlich. Wie der LBV auf seiner Homepage bekannt gibt, sind die Regentage im Mai dafür verantwortlich, dass regional zum Teil die Hälfte der jungen Störche in Bayern starb, etwa am Ammersee. Vor allem für mittelgroße Storchenjunge sei Starkregen kritisch. Wegen ihrer Größe können die Altvögel sie nämlich nicht mehr so gut abschirmen. Außerdem ist es mit nassem, schwerem Gefieder für die Alten nicht einfach, die riesige Nahrungsmenge, die große Jungvögel brauchen, heran zu schleppen. Offenbar hat der späte Brutbeginn der Eltern die Weihenstephaner Storchjunge vor einem solchen Schicksal bewahrt, zumindest bis jetzt. Nahrung, da ist sich Christian Magerl auch sicher, finden die Störche im Freisinger Moos genug. "Sie haben ein breites Spektrum, Insekten, Mäuse, Maulwürfe, Frösche, und ein Arbeiter hat mir erzählt, dass letztens ein Storch sogar eine kleine Schlange im Schnabel hatte."

© sz.de/nta

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