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Allershausener zeigen Herz:Aufeinander zugehen

Der Arbeitskreis Kinderbetreuung startet eine Postkartenaktion, um Forderungen an die Politik zu formulieren. Aus der Corona-Krise sollen die richtigen Lehren gezogen werden

Von Petra Schnirch, Allershausen

Mit einer Postkartenaktion unter dem Motto "Ein Herz für ..." will der Arbeitskreis Kinderbetreuung in Allershausen in der Corona-Krise ein Zeichen für ein besseres Miteinander in der Gesellschaft setzen. Gleichzeitig sind damit einige Forderungen an die Politik verbunden. Adressat der vorerst 1000 ausgegebenen Karten ist deshalb der bayerische Landtag. Die Idee dazu sei ihr eines Nachts gekommen, erzählt Initiatorin Bianca Kellner-Zotz. Das gegenwärtig vorherrschende Schwarz-Weiß-Denken finde sie schrecklich. Man sei entweder für oder gegen etwas. Die Corona-Maßnahmen hätten viel Misstrauen erzeugt. "Es ist an der Zeit, aufeinander zuzugehen und gemeinsam anzupacken." Sie spüre viel Resignation, die meisten Eltern seien am Limit.

Die CSU-Gemeinderätin überzeugte auch den Arbeitskreis Kinderbetreuung, dessen Vorsitzende sie ist, von der Initiative. "Wir wünschen uns wieder mehr Herz in der Politik und unserer Gesellschaft" - zum Beispiel für die Kinder, die nicht miteinander spielen dürfen, für die Schülerinnen und Schüler, die seit einem halben Jahr keinen regulären Unterricht hatten, für junge Leute, die keinen Ausbildungsplatz finden, schildert Kellner-Zotz.

Mit den Postkarten, die ein großes Herz ziert und auf der jeder sein wichtigstes Anliegen vorbringen kann, wollen die Allershausener aber nicht nur für "mehr Vertrauen, Respekt und Zuversicht" werben. Für die Gruppen, die von der Pandemie besonders stark betroffen sind, müsse es mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung geben, sagt Kellner-Zotz. Es müsse endlich umgesetzt werden, was bereits seit Jahren gefordert werde. "Das fällt uns jetzt alles auf die Füße." Dazu gehören für sie mehr Pflegekräfte, Ärzte, Erzieher und Lehrer. "Wir brauchen Investitionen, die uns Spielraum verschaffen, so dass bei zukünftigen Krisen Freiheit und Grundrechte erhalten bleiben." Es seien Förderprogramme notwendig, um Versäumtes nachzuholen, ebenso größere Klassenzimmer und kleinere Klassen und mehr Schulbusse, darüber hinaus eine "gezielte Stärkung des Mittelstandes, der Ausbildungsstellen und Arbeitsplätze vor Ort schafft".

In der aktuellen Diskussion drehe sich alles um das Thema Impfen, sagt Bianca Kellner-Zotz, "das ist mir zu einseitig". Sie befürchtet, dass Familien im Herbst wieder vor der gleichen Situation stehen werden wie in den vergangen Monaten und Präsenzunterricht weitgehend ausfällt, weil zum Beispiel noch immer keine schützenden Plexiglasscheiben in den Klassenzimmern vorhanden sind. Für ältere Menschen müsse es möglich sein, wieder am sozialen Leben teilzunehmen und auch den Gottesdienst zu besuchen.

Die ersten tausend Karten sind verteilt, zum Beispiel in Geschäften und Schule, die Resonanz sei sehr gut, schildert die CSU-Gemeinderätin. Sie würde sich freuen, wenn auch andere Gemeinden die Aktion aufgreifen. Die Druckvorlagen würden ihnen zur Verfügung gestellt. Der Arbeitskreis hofft zudem, dass in Allershausen eine weitere Auflage finanziell gestemmt werden kann.

© SZ vom 17.05.2021
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