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Busse für Schulkinder:Wie die Ölsardinen

Abstandsregeln im ÖPNV

Busse, in denen sich Schulkinder drängen, führen in Allershausen zu Unmut (Symbolbild).

(Foto: dpa)

In den Schulen müssen die Kinder Abstand halten, im Bus stehen sie dicht gedrängt. Das ärgert Eltern.

Von Petra Schnirch, Allershausen

Bei den Eltern, deren Kinder mit dem Schulbus von Allershausen nach Freising fahren, wachsen Ärger und Verunsicherung. In den Schulen gebe es Einbahn-Konzepte und Abstandsregeln, in den Bussen aber drängten sich die Kinder "wie die Ölsardinen", kritisierte Bianca Kellner-Zotz (CSU) am Dienstagabend im Gemeinderat. "Das ist widersinnig." Gemeinsam mit zwei anderen Müttern hatte sie sich Anfang August an das Landratsamt mit mehreren Lösungsvorschlägen gewandt. Einer davon ist der Einsatz von Verstärkerbussen. In einem Antwortschreiben von Staatskanzlei-Chef Florian Herrmann heißt es, dass die Staatsregierung die Kosten für zusätzliche Busse übernehme. Hauptproblem sei jedoch, sagte Allershausens Bürgermeister Martin Vaas (PFW) in der Sitzung am Dienstag, dass die Busunternehmen keine Fahrer fänden.

Das Thema beschäftigte Bianca Kellner-Zotz auch schon vor der Corona-Krise. Vor allem der Bus, der die Ortsteile anfahre, sei so voll, "dass die Kinder an den Scheiben kleben", schilderte sie im Gespräch mit der SZ. Inzwischen heiße es: "Masken auf und rein." Die Eltern hätten nicht nur Angst, dass sich die Kinder infiziert könnten, sondern auch davor, dass bei einem Corona-Fall wieder zunehmend mehr Schüler zu Hause bleiben müssten. Sie hätten aber "ein Recht darauf, beschult zu werden".

Eine Lösungsidee ist, die Unterichtszeiten anzupassen

Die Allershausener Mütter schlagen vor, über eine Elternbefragung zu ermitteln, welche Verbindungen besonders betroffen sind und mit Verstärkerbussen unterstützt werden sollten. Auch könnten die Unterrichtszeiten angepasst werden - mit einem Schulbeginn zwischen 7.45 und 8.15 Uhr. Die Fahrzeuge könnten dann zeitlich gestaffelt eingesetzt werden. Außerdem könnten die Busse, die die Ortsteile anfahren, für die Schüler dort reserviert werden. 42 Unterstützer-Unterschriften haben die Mütter in zwei Tagen gesammelt.

Aus dem Landratsamt heißt es, dass "mit Hochdruck" gemeinsam mit MVV und Busunternehmern daran gearbeitet werde, "gegebenenfalls Verstärkerbusse einzusetzen". Da der reguläre Schulbetrieb erst seit dieser Woche laufe, werde derzeit die aktuelle Situation eruiert und die Verfügbarkeit von Fahrzeugen und Personal abgestimmt. Beides sei nur beschränkt vorhanden. Zudem sei die Finanzierung durch den Freistaat, auch darauf verweist Eva Zimmerhof, Sprecherin im Landratsamt, bis zu den Herbstferien befristet.

Für einen flexibleren Beginn seien die Schulen selbst zuständig, eine Anpassung der Fahrpläne daran wäre problematisch und kurzfristig nicht umzusetzen. Meldungen über volle Busse kämen auch aus anderen Gemeinden. Die Situation dort wird nach Angaben des Landratsamts ebenfalls geprüft. Sie verweist darauf, dass Stehplätze im MVV-Regionalbusverkehr grundsätzlich zulässig seien und dies nicht automatisch zu einer "Überfüllung" führe. Hinzu komme, dass Schüler oft in den ersten Bus einstiegen und die nachfolgenden deutlich leerer seien. Durch kleine Fahrplananpassungen versuche man, die Kinder gleichmäßiger zu verteilen. Die Maskenpflicht ermögliche es im Übrigen, vom zwingenden Einhalten der Mindestabstandsregelung abzusehen. Denn diese gewährleisten zu können, ist laut Zimmerhof im ÖPNV ein grundsätzliches Problem.

© SZ/nta
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