Die Hiobsbotschaften häufen sich in jüngster Zeit: Selbst in einer prosperierenden Ortschaft wie Allershausen im Landkreis Freising schließen im Zentrum Geschäfte und Gastwirtschaften. Ein Problem, mit dem viele ländliche Gemeinden zu kämpfen haben. In Allershausen gibt es zwar im Gewerbegebiet, jenseits der Autobahn, große Supermärkte und Drogeriemärkte. Der Ortskern aber bietet immer weniger Einkaufsmöglichkeiten, die gerade für ältere Menschen auch als Treffpunkt wichtig sind. Patentrezept, um hier gegenzusteuern, habe er keines, sagt Bernd Ohlmann, Pressesprecher beim Handelsverband Bayern. Ein paar Ideen aber hat er schon. Und es gibt auch positive Nachrichten. In Kranzberg haben sich neue Betreiber für den Dorfladen gefunden.
Auf Einladung der CSU-Ortsverbände Allershausen und Kranzberg kam Ohlmann vor Kurzem in den Landkreis Freising. Die Nahversorgung liegt vielen Menschen am Herzen, der Saal im Metzgerwirt in Kranzberg war bis auf den letzten Platz besetzt. Besonders hart hat es zuletzt Allershausen getroffen. Zunächst hatte sich herauskristallisiert, dass der Edeka im Ortskern nach den Hochwasserschäden im Juni 2024 nicht mehr öffnen wird. Eine Neunjährige sammelte Anfang 2025 vergeblich Hunderte Unterschriften für dessen Erhalt. Inzwischen befindet sich dort ein Getränkemarkt. Die Apotheke an der Münchner Straße machte im Oktober 2025 zu, Hauptgrund war der Personalmangel. Seit Anfang 2026 ist der traditionsreiche Gasthof Obermeier geschlossen, lediglich der Hotelbetrieb geht weiter. Zu den Gründen will sich der Inhaber nicht äußern.
Die Möglichkeiten der Kommunen, hier einzugreifen, sind begrenzt. Dennoch sieht Ohlmann gewissen Spielraum. Beispiel Homepage: Den Internetauftritt von Allershausen nennt er „eine schwache Vorstellung“. Auf den Seiten finde man weder Hotels noch Gaststätten. Das sollte man auf jeden Fall ändern, empfiehlt er. Wichtig sei ein Kümmerer in der Gemeinde als Anlaufstelle. Für ein Einzelhandelskonzept könne man sich externe Hilfe holen. Zudem gelte es, Förderprogramme zu prüfen. Von großer Bedeutung sei ein Leerstandkataster, um bei Anfragen schnell reagieren zu können. Ein Hebel könne auch die Bauleitplanung sein.
Weiche Faktoren spielen für den Fachmann ebenfalls eine Rolle, um eine schöne Einkaufsatmosphäre zu schaffen, mit Lichterketten im Advent, Sitzbänken – und Parkplätzen. „Ein Kundenparkplatz ist das A und O.“ Eine Begrünung und die Aufwertung des Ortskerns sind für Ohlmann weitere Kriterien. Das allerdings ist in Allershausen mit der Anlage der Glonnterrassen bereits erfolgt, sie sind seit einigen Jahren ein beliebter Treffpunkt in der Ortsmitte. Bei Leerständen schlägt Ohlmann Pop-up-Lösungen vor, etwa in Form von Ateliers oder Nähstuben. Ideenwerkstätten oder Stammtische für Gewerbetreibende sind weitere Vorschläge. „Eine gute Nahversorgung ist ein Stück Lebensqualität“, betont Ohlmann. Im Idealfall sei sie fußläufig zu erreichen.


Auch in Kranzberg sind in den vergangenen Jahren Einkaufsmöglichkeiten verloren gegangen, so fehlten ein Getränkemarkt und eine Apotheke, listet CSU-Bürgermeisterkandidatin Petra Horneber auf. Künftig soll es zumindest ein Terminal für das Abholen von Medikamenten geben. Ein solches sei auch für die Ortsmitte von Allershausen eine Option, bekräftigte Bianca Kellner-Zotz, die dort für die CSU Bürgermeisterin werden will. Die Kranich-Apotheke im Gewerbegebiet sei an einer Lösung interessiert, das hätten Gespräche gezeigt. Man müsse eben reden miteinander.
Außerdem sollte die Gemeinde prüfen, ob sie Gebäude oder brachliegende Flächen kaufen könne, um die Hand drauf zu haben, schlägt Kellner-Zotz vor. Eine Option sind auch 24/7-Regionalläden, kleine Geschäfte mit örtlichen Produkten, meist ohne Personal, die die ganze Woche über 24 Stunden lang geöffnet sind. Das rechne sich jedoch nur bei mehr als 900 Einwohnern, meint Ohlmann.
Es gibt aber auch positive Nachrichten. In Kranzberg steht seit dieser Woche durch eine Kooperation von Sparkasse und Freisinger Bank ein neuer Geldautomat in der alten Gemeindekanzlei an der Kirchbergstraße. Zudem ist eine Lösung für den Dorfladen gefunden. Nach dem Tod des bisherigen Inhabers Anfang Oktober fürchteten viele, dass dies das endgültige Aus für den kleinen Nahversorger an der Oberen Dorfstraße bedeuten würde. Doch Maria und Peer Grahle wagen den Sprung ins kalte Wasser. Seit Jahresbeginn renovieren die beiden den etwa 140 Quadratmeter großen Laden. Der Umbau befindet sich in den letzten Zügen, von 2. Februar an kann man dort wieder einkaufen. In neuem Ambiente und mit etwas geändertem Konzept.
„Es macht Spaß, etwas Eigenes aufzubauen“
Die Regale sind niedriger, es gibt neue Kühlvitrinen und Gefrierschränke. Der Geschäftsraum wirkt hell und freundlich. „Wenn man reinkommt, muss man alles sehen“, sagt Peer Grahle. Er habe keine fünf Sekunden überlegt, als seine Frau und er gefragt wurden, ob sie den Laden nicht weiterführen wollten, schildert der 46-Jährige. Er hat zwölf Jahre in der Branche gearbeitet, war Marktleiter großer Supermärkte. „Ich weiß, wo die Potenziale liegen“, sagt er und fügt hinzu: „Es macht Spaß, etwas Eigenes aufzubauen.“
Während bei den Einzelhandelsketten der Trend zu immer größeren Märkten geht, hebt Grahle die Vorteile eines Dorfladens, eines klassischen Nahversorgers hervor: Man könne das Sortiment auf den Bedarf zuschneiden, sei in direktem Austausch mit den Kundinnen und Kunden. „Toll, wenn ich weiß, wer die Lieferanten sind.“ Die neuen Betreiber legen Wert auf Regionalität und hoffen, damit auch die jüngere Generation anzusprechen, der eine bewusste Ernährung wichtig sei. Zudem unterstütze man Produzenten aus der Region.
Die warme Theke bleibt: „Der Leberkäs ist heilig“
Was natürlich bleibt: „Der Leberkäs ist heilig“, sagt Maria Grahle. Die 42-Jährige hat bisher als Schneiderin gearbeitet und meint: „Wir lieben Herausforderungen“. Gleich nachdem die beiden sich entschlossen hatten, den Laden weiterzuführen, starteten sie eine Umfrage. Das Ergebnis: Der Raum sei bisher zu voll gestellt gewesen, außerdem monierten einige die fehlenden digitalen Bezahlmöglichkeiten. Das wird sich ändern. Im Imbiss soll es künftig nicht nur Semmeln mit Rollbraten, Leberkäs und Schnitzel geben, sondern auch Kartoffelsalat und eventuell Knödel, zusätzlich belegte Semmeln und Salate sowie eine Kaffeeecke.
Unterstützung bekommt das Ehepaar von verschiedenen Seiten: Die Nachbarn packen beim Umbau mit an, die Verpächter seien ihren Vorschlägen gegenüber sehr aufgeschlossen, erzählt Maria Grahle. Somit geht die Geschichte des Rauschecker-Ladens 100 Jahre nach der Eröffnung weiter.

