Allershausen:Klimaschutz und Landwirtschaft zusammenführen

Ministerin Michaela Kaniber und Erich Irlstorfer plädieren für eine saubere Umwelt - aber nicht auf Kosten der Bauern

Von Petra Schnirch, Allershausen

Mit ihrer vorbereiteten Rede hat sich Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber am Mittwochabend in Allershausen nicht lange aufgehalten. Sie wollte mit den Anwesenden schnell ins Gespräch kommen. CSU-Bundestagsabgeordneter Erich Irlstorfer hatte zu einem agrarpolitischen Austausch im Saal des Gasthauses Obermeier eingeladen. Kaniber schwärmte vom "alten CSU-Gefühl". Seit der Lockerung der Corona-Auflagen sei dies für sie die erste Veranstaltung, die wieder in einem Raum stattfinde. Dann wurde es schnell ernst. Mehrere Landwirte nutzten die Gelegenheit, der Staatsministerin ihre Probleme zu schildern.

Bernhard Hartl, Schweinemäster aus dem Landkreis Erding, warnte davor, dass es bald keine Schweinehalter in der Region mehr geben werde, weil die Preise im Keller sind. "Was in den letzten fünf Jahren abgelaufen ist - mir graust's", sagte er. Die Suche nach weiteren Einnahmemöglichkeiten ist für ihn keine Alternative. Ein Schreiner arbeite abends auch nicht als Maurer, fügte er hinzu. "Mich schmeißt es gleich vor lauter Standbeinen."

Kaniber gab ihm Recht, der Erhalt kleiner, landwirtschaftlicher Familienbetriebe sei der CSU wichtig, bei ihren Minister-Kollegen in den anderen Bundesländern aber stehe das nicht im Vordergrund. Sie wünsche sich eine Tierwohlabgabe, um Landwirte zu unterstützen, die entsprechend produzieren. Was nach ihren Worten nicht geht, ist, "jeden Tag" neue Auflagen für die Bauern einzufordern, ohne zu sagen, wer das bezahlen solle. Sie betonte aber auch, "die Politik macht keine Preise". Der Export, etwa nach China, leide derzeit stark unter Corona und der Afrikanischen Schweinepest.

In den vergangenen Jahren, seit dem Volksbegehren zum Artenschutz, fehle es an Wertschätzung für die Landwirte, sagte Kaniber. Es gebe ein regelrechtes "Bauern-Bashing". Dabei seien diese nicht das Problem, sondern Teil der Lösung. "Bayerische Landwirtschaft ist Klimaschutz", sagte die Staatsministerin. Ein Zuhörer pflichtete ihr bei. Es ärgere ihn, dass verschwiegen werde, dass die Bauern neben den Forstwirten die Einzigen seien, "die aktiv CO₂ aus der Atmosphäre entnehmen". Er wünschte sich hier eine Aufstellung "mit Input und Output".

Ähnlich argumentierte Irlstorfer. Es sei notwendig Landwirtschaft und Klimaschutz zusammenzuführen. Er wolle "versöhnen und nicht spalten", sagte er. "Entscheidungen werden immer noch am Verhandlungstisch getroffen" - nicht auf der Straße bei Demonstrationen. Die CSU wolle Umweltschutz betreiben, "aber nicht auf Kosten der Landwirte". Die Bauernschaft brauche keinen "Nachhilfeunterricht von den Grünen", was Nachhaltigkeit bedeutet, die Höfe seien zum Teil seit Jahrhunderten in Familienhand, die jungen Landwirte seien gut ausgebildet. Ausbilder Josef Pellmeyer beklagte aber, dass viele junge Leute keine Perspektive mehr in der Landwirtschaft sähen, die Zahl der Lehrlinge sei stark zurückgegangen. "Wie können wir die Jugend wieder begeistern?", fragte er. Die Anerkennung in der Bevölkerung sei "mies". Kaniber wollte zum Schluss aber etwas Hoffnung verbreiten. Der Freistaat plane im kommenden Jahr ein großes Investitionsförderprogramm, "on top" müsse es Geld für Tierwohl-Aspekte geben. "Wir können nicht auf den Bund warten." Sie wisse, "dass langsam die Lichter ausgehen". Landwirtschaft "muss fair bezahlt werden", schließlich sichere sie die Ernährung.

Ralf Huber, Bezirkspräsident des Bayerischen Bauernverbands, forderte, auch der Lebensmitteleinzelhandel und der Zwischenhandel müssten in die Pflicht genommen werden. Er werde in der kommenden Woche Gespräche mit dem Einzelhandel führen, sagte Irlstorfer. "Der Bauer möchte keine Subventionen, er möchte einen ordentlichen Preis für ordentlich erzeugte Produkte." Man müsse miteinander "reden, reden, reden".

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