Allershausen:Der Bus kommt per App

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Allershausen: Susanne Hoyer würde das Ortsbus-Konzept auch gerne im Landkreis Freising einführen.

Susanne Hoyer würde das Ortsbus-Konzept auch gerne im Landkreis Freising einführen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das in Murnau praktizierte flexible Konzept könnte auch den Nahverkehr in den ländlichen Gemeinden im Landkreis verbessern

Von Petra Schnirch, Allershausen

Wie lässt sich der öffentliche Nahverkehr auch im ländlichen Raum so verbessern, dass er eine wirkliche Alternative zum eigenen Auto ist? Die zwölf Kommunen, die sich in der Ile Kulturraum Ampertal zusammengeschlossen haben, suchen schon länger nach Lösungen. Ein flexibles Ortsbus-Konzept, das in Murnau offenkundig gut funktioniert, stellten die beiden Gründer von Omobi, Clemens Deyerling und Robert Schotten, am Mittwoch bei einer Online-Konferenz vor. Die Resonanz war sehr positiv. Die Langenbacher Bürgermeisterin Susanne Hoyer glaubt, dass solchen Systemen die Zukunft gehöre. Womöglich bald auch schon im Ampertal.

In Murnau kann der Ortsbus - im Einsatz sind zwei Kleinbusse - vorerst Montag bis Freitag zwischen 6 und 20 Uhr spontan per App oder telefonisch gebucht werden. Auch eine Reservierung bis zu 24 Stunden vorab ist möglich. Der Bus kommt ohne festen Fahrplan aus, er fährt praktisch von Haustür zu Haustür, denn es gibt mehr als 200 Haltepunkte. Das Besondere ist laut Deyerling, dass eine Software jeweils die effizienteste Route berechne und Fahrten entsprechend zusammenlege - besser als jeder menschliche Planer dies könnte.

Die Nachfrage sei "bombastisch", schilderte Deyerling. Der Ortsbus sei "durchgängig ausgebucht". Eltern ließen ihre Kinder damit zum Fußballtraining bringen, ältere Menschen erhielten ihre Mobilität zurück, andere nutzten das Angebot vorwiegend im Winter. Ein solches Konzept im ländlichen Raum umzusetzen, sei eine Herausforderung, räumte der Omobi-Gründer ein. Schwieriger sei es dort aber auch für Linienbusse oder Anrufsammeltaxis. In Murnau seien bereits zwei weitere Gemeinden einbezogen worden, auch dort sei der Bus auf einer Strecke von 20 Kilometern unterwegs, eine weitere Ausdehnung im Landkreis sei geplant.

"Ich bin ein bisschen erschlagen", gestand Susanne Hoyer nach der Präsentation durch Omobi - aber die Ausführungen hatten sie offenkundig überzeugt. Die bisherigen Angebote im Landkreis Freising wie Rufbus oder Anrufsammeltaxis funktionierten nicht gut. In unserer schnelllebigen Welt gehöre flexiblen Verbindungen die Zukunft. Hoyer hakte gleich nach, ob Omobi noch Kapazitäten frei hätte, um ein solches Konzept für Teile des Landkreises Freising zu entwickeln.

Auch der Kirchdorfer Bürgermeister Uwe Gerlsbeck bekundete Interesse. Die Wahrheit sei, sagte er: Die MVV-Angebote würden nicht so angenommen, dass sie ein Ersatz für das Auto seien. Die politische Willensbekundung, dass man etwas ändern wolle, sei bereits mit "Mia" geschehen, dem Mobilitätskonzept für die Mittlere Isarregion und das Ampertal, das viele, ganz unterschiedliche Ideen beinhaltet. Das Papier ist inzwischen fertig, wie Ile-Regionalmanagerin Nina Huber erläuterte. Da das Projekt gefördert wird und deshalb gewisse Regularien einzuhalten sind, verzögert sich der Start jedoch etwas. Im kommenden Jahr soll die Stelle des Mobilitätsmanagers besetzt werden. Hoyer drängte darauf, nicht länger zu warten, "wir sollten in der Ile loslegen und Nägel mit Köpfen machen".

Kranzbergs Bürgermeister Hermann Hammerl fragte nach den Kosten eines "On-Demand"-Busses wie in Murnau. Diese ließen sich nicht pauschal beziffern, erwiderten die Omobi-Gründer. Eine Verkehrswende mit dem öffentlichen Nahverkehr werde man aber nicht hinbekommen, ohne Geld dafür aufzuwenden, sagte Clemens Deyerling im Gespräch mit der SZ. Die Frage sei vielmehr, ob man in ein System investieren wolle, das wirklich genutzt wird und "dem Auto tatsächlich Konkurrenz macht". In Murnau übernimmt die Kommune das Defizit von etwa 100 000 Euro, was auch immer wieder Anlass zu Kritik gibt. Pro Kopf sei der Ortsbus aber deutlich günstiger als die meisten Linienbusse, sagte Deyerling.

Im Landkreis und den Ampertal-Gemeinden stehen vor einer Entscheidung, wie es weiter gehen soll, erst einmal Gespräche an, so Nina Huber. Man werde auch auf den Landkreis zugehen.

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