Allershausen Abgespeckte Version

Das Baugebiet Eggenberger Feld-Süd in Allershausen bekommt ein "Kaltes Nahwärmenetz", aber kein eigenes Stromnetz

Von Petra Schnirch, Allershausen

Am ehrgeizigen Konzept zur Energieversorgung des Neubaugebiets Eggenberger Feld-Süd wird es nun doch Abstriche geben. Von einem eigenen Stromnetz und einem zusätzlichen Hackschnitzel-Blockheizkraftwerk sieht man aus rechtlichen und wirtschaftlichen Gründen ab. Stromlieferant Bayernwerk hatte sich gegen eine autarke Lösung ausgesprochen. Außerdem bestehe aufgrund der Komplexität und der hohen Investitionen der ursprünglich angestrebten Lösung ein erhebliches unternehmerisches Risiko, schilderte Andreas Henze am Dienstagabend im Gemeinderat. Ziel bleibt aber eine Versorgung ohne fossile Energieträger.

Henze ist Geschäftsführer der Anfang April gegründeten Wärme- und Stromnetze Allershausen GmbH (WSN). Die Bürger-Energie-Genossenschaft Freisinger Land, deren Vorstand er angehört, hält 55 Prozent, bei je 20 Prozent liegen die Anteile der Gemeinde Allershausen und von Markus Schuhbauer, ebenfalls WSN-Geschäftsführer, weitere fünf Prozent übernimmt Anton Schuhbauer. Die WSN hat das Konzept deutlich vereinfacht auf ein sogenanntes Kaltes Nahwärmenetz. Es handelt sich dabei um eine Versorgung mit relativ niedrigen Temperaturen mit dezentralen Wärmepumpen in den Häusern. Kernstück ist eine große oberflächennahe Kollektoranlage in einer Ackerfläche.

In den Mehrfamilienhäusern und der Kindertagesstätte soll die WSN die Wärmepumpen betreiben. Den Mietern könnten günstige Tarife angeboten werden, schilderte Henze. In den Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäusern sind die Bauherren für Installation und Betrieb der Wärmepumpen zuständig. Die Gebäude sollen mit Sole aus dem Netz versorgt werden. Voraussichtlich wird ein Anschlusszwang bestehen. Erste Gespräche mit dem Bayerischen Gemeindetag hätten ergeben, dass dies möglich sei, sagte Bürgermeister Rupert Popp (PFW). Aber auch ohne eine solche Vorgabe werden laut Henze etwa 70 Prozent des Quartiers angeschlossen sein.

Die Investitionen für das Netz bezifferte er mit 640 000 Euro, für die Gemeinde sind es 128 000 Euro. Nach 18 oder 19 Jahren hätten sich die Ausgaben amortisiert. Förderungen gibt es durch die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und die Bafa (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle), nicht jedoch durch das Programm Wärmenetze 4.0, mit dem Modellvorhaben unterstützt werden. Mit dem zunächst favorisierten Konzept wollte die Gemeinde daran teilhaben. Dies ist nun nicht möglich, dafür seien die Investitionen sehr viel geringer, sagte Henze. Das ursprüngliche Vorhaben habe ihm Bauchschmerzen bereitet, gestand er. "Die Risikotechnikist nun draußen." Josef Kortus, Leonhard Held und Helmut Zwingler (alle CSU) zeigten sich enttäuscht, dass nun eine abgespeckte Version umgesetzt werde. Henze erwiderte, dies sei dennoch ein "Leuchtturmprojekt für Süddeutschland". Mit der Energiewende würden sich derartige Wärmenetze weiter durchsetzen, glaubt er.

Bei einer Gegenstimme von Helmut Zwingler (CSU) votierte nach der Bürger-Energie-Genossenschaft auch der Gemeinderat für das Vorhaben. Nun folgt die Ausführungsplanung für das Kalte Nahwärmenetz, im August soll mit der Verlegung begonnen werden.