Allen "Girls' Days" zum Trotz Technik - nein danke!

Viele Mädchen landen immer noch in Frauenberufen und wollen es auch nicht anders - vielleicht, weil sie nie mit Baukästen spielten

Von Alexandra Vettori

Weniger Geld, mehr Teilzeit, kaum Führungspositionen - die Frauen und ihr Berufsleben stehen in diesen Tagen mal wieder im Focus des öffentlichen Interesses. Zwar ist es längst selbstverständlich für Mädchen, einen Beruf zu ergreifen, doch landen sie zum Großteil immer noch in klassischen "Frauenberufen". So wählen laut Statistischem Landesamt 19 Prozent der bayerischen Frauen einen Job im Büro, knapp elf Prozent im Gesundheitsbereich, 7,6 Prozent im Verkauf und 6,4 Prozent im Sozialen.

Um Schülerinnen technische Berufe schmackhafter zu machen, gibt es seit 2001 den "Girl's Day". Der Chiphersteller Texas Instruments, der in Freising seine Deutschlandniederlassung mit rund 1500 Mitarbeitern hat, beteiligt sich fast genauso lange an der Mädchenaktion, aus gutem Grund: Auch bei Texas Instruments sind gerade mal 18 Prozent der Belegschaft Frauen. Heuer waren 20 Mädchen zu Gast, zehn Elftklässlerinnen aus dem Freisinger Josef-Hofmiller-Gymnasium und zehn aus einem Landshuter Gymnasium. Sie erlebten einen Tag, der ihnen die Arbeitswelt in einem Hochtechnologieunternehmen näher brachte, Labor, Werkstatt und Mittagessen im Firmencasino inklusive. Sehr interessant sei es gewesen, stimmten die Mädels hinterher überein, doch ein Physik, Elektrotechnik- oder Informatikstudium wählen - nein danke.

Nun ist es nicht so, dass gymnasiale Schulabgänger heutzutage unbedarft an das Thema Uni oder Beruf herangingen. Berufsmessen, Berufsinformationstage, es wird viel getan, um ihnen alle Möglichkeiten aufzuzeigen. Das erleben auch die zehn Mädchen aus dem Hofmiller-Gymnasium so, alle sind um die 16 Jahre alt. Ein Jahr vor dem Abitur weiß trotzdem kaum eine, was sie werden soll. Nur zwei haben schon konkrete Pläne: Lea möchte Lehramt Französisch studieren, Sophia "irgendwas mit Chemie" - immerhin. Warum es nichts Technisches sein soll? Wegen des Studiums, das abschreckend sei, und weil dann so viel Mathe vorkäme, oder - noch schlimmer - Physik, lauten die Antworten, für die keines der Mädchen lange überlegen muss

Auch die begleitende Lehrerin Silke Kappel, sie unterrichtet Mathematik und Physik, kann sich die weibliche Aversion den Naturwissenschaften gegenüber nicht erklären: "An den Noten merkt man nämlich keine Unterschiede zu den männlichen Altersgenossen, da sind die Mädchen tendenziell sogar noch besser. Aber wenn man die Mädchen fragt, wollen sie einfach nichts Technisches studieren, nicht Physik, nicht Wirtschaftsinformatik." Vielleicht, mutmaßt Kappel, "kommt das tatsächlich aus der Kindheit, Buben bekommen doch eher Baukästen, da können sie Unsicherheiten abbauen". Dass sie selbst Mathematik studiert habe, erklärt sie mit der "Strukturiertheit und Klarheit des Fachs - das hat mir gefallen."

Den Lehrberuf wiederum hat sie ergriffen, "weil man dabei gut Beruf und Familie gut vereinbaren kann". Solche Gedanken sind es allerdings nicht, die Mädels von der Technik fernhalten. "Ich will auf jeden Fall Kinder, aber über Vereinbarkeit mit dem Beruf habe ich mir keine Gedanken gemacht. Da ist nur das Bild von einem Baby", erzählt Sahra lächelnd. Klar habe man im Sozialkundeunterricht schon über die Probleme von Frauen im Berufsleben gesprochen, "aber selbst irgendwelche Nachteile als Mädchen habe ich noch nie gespürt". Was sie studieren will? Die 16-Jährige zuckt die Schultern: "Keine Ahnung, auf jeden Fall nichts Technisches."