Aktionsbündnis formiert sich Sogar die CSU ist dabei

Moosburger Gruppierungen unterstützen das Volksbegehren Artenvielfalt und engagieren sich, um die Bürger zum unterzeichnen zu animieren.

Von Alexander Kappen, Moosburg

Die erste Hürde hat das "Volksbegehren Artenvielfalt - Rettet die Bienen!" bereits genommen, knapp 100 000 Menschen haben in der ersten Zulassungsphase dafür unterschrieben. Jetzt geht es darum, dass es nach dem Volksbegehren dann auch zu einem Volksentscheid kommt und sich genügend Menschen dafür in den bayerischen Rathäusern eintragen. In Moosburg kann das von der ÖDP initiierte Volksbegehren dabei auf die Unterstützung vieler Parteien und Organisationen zählen. Bei der Gründungsversammlung eines Aktionsbündnisses am Donnerstag im Rosenhof-Bistro freute sich Moosburgs Dritter Bürgermeister und Umweltreferent Michael Stanglmaier (Grüne) über ein "breites Bündnis, bis auf die UMB unterstützen es alle Stadtratsfraktionen".

ÖDP-Stadtrat Jörg Kästl wertete es als "Alleinstellungsmerkmal von Moosburg, dass uns hier auch die CSU inhaltlich unterstützt, das ist klasse". CSU-Fraktionschef Erwin Weber bedankte sich, gefragt worden zu sein, "wenn deine Partei in der Staatsregierung sitzt, ist das nicht selbstverständlich". Die lokale CSU stehe "voll dahinter, den Erhalt der Bienen- und Insektenwelt zu unterstützen". Vizebürgermeister Josef Dollinger (FW), Christoph Marschoun (SPD) und Markus John (Linke) waren für ihre Parteien dabei. Wolfgang Willner (Bund Naturschutz), Josef Birgmeier (Imkerverein), Andreas Mayerthaler (Solarfreunde), Toni Wollschläger (Tagwerk und Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) sowie Kästl (3-Rosen-Werkstatt) repräsentierten weitere Unterstützer-Organisationen.

Zwischen 31. Januar und 13. Februar müssen zehn Prozent der bayerischen Wahlberechtigten, also knapp eine Million Menschen, für das Volksbegehren unterschreiben. In Moosburg wären das etwa 1500 Unterschriften. Kästl ist zuversichtlich. Bei der Unterschriftensammlung für die Zulassung des Volksbegehrens "hat es nicht viel Überzeugungsarbeit gebraucht". Die Menschen sind sensibilisiert für den Ernst der Lage. "Gegenwärtig wird in Bayern ein dramatischer Artenverlust verschiedenster Gruppen von Tieren und Pflanzen festgestellt", so Kästl. Bedroht seien nicht nur Bienen, sondern etwa auch Schmetterlinge und Wildkräuter. Stanglmaier betonte, dass die Bürger die Möglichkeit hätten, durch einen Erfolg des Volksentscheids "selbst ein Gesetz zu erlassen". Das bayerische Naturschutzgesetz soll geändert werden. Die wichtigsten Forderungen sind: das Erstellen eines Biotopnetzes; eine Landwirtschaft, die Artenschutz sichert; der Naturschutz als Teil der Ausbildung von Land- und Forstwirten; ein jährlicher Bericht zum Zustand der Natur in Bayern; ein massiver Ausbau der ökologischen Landwirtschaft; der Erhalt von zehn Prozent aller Wiesen und Blühwiesen; die pestizidfreie Bewirtschaftung aller staatlichen Flächen.

Biolandwirt Toni Wollschläger, der selbst voll und ganz hinter dem Volksbegehren steht, musste dennoch "etwas Realitätswasser in den Wein gießen". Der vorliegende Gesetzesentwurf "funktioniert nicht, ich kann zum Beispiel nicht festlegen, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt 25 Prozent ökologische Landwirtschaft geben muss, wenn der Markt das nicht hergibt". Man müsse "die Gesellschaft zum Umdenken bringen". Josef Dollinger hat derweil schon mal selbst angefangen, seinen Beitrag zu leisten. Er habe "1000 Quadratmeter Bienenwiese angesät; ich weiß nicht, wie hochwertig die ist, aber es ist mir eine Freude, da drin zu stehen."

Mehr Infos mit Verweisen zu lokalen Bündnissen gibt es unter www.volksbegehren-artenvielfalt.de.