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Abschied:Erfüllende Aufgabe

Karolina Hellgartner, hier bei der Ansprache auf ihrer letzten Abiturfeier, wird die Schule vermissen, freut sich aber auch auf mehr Zeit mit der Familie.

(Foto: Marco Einfeldt)

Nach zwölf Jahren als Schulleiterin des Moosburger Gymnasiums geht Karolina Hellgartner in den Ruhestand. Bis zum Schluss war es ihr wichtig, trotz Führungsposition selbst zu unterrichten und auch Lehrerin zu bleiben.

Jeder Schüler ist nervös, wenn er durch die Schullautsprecher gerufen wird, sich bitte im Rektorat zu melden. Was erwartet ihn dort? Ein Verweis? Ein Lob für das beste Ergebnis einer Matheklausur? Der Dank fürs Organisieren des Waffelstandes oder doch das Nichtbestehen des Abis? Diese und weitere Nachrichten übermittelte die vergangenen zwölf Jahre am Moosburger Gymnasium Direktorin Karolina Hellgartner. Am Mittwoch, 24. Juli, wird die Freisingerin in den Ruhestand verabschiedet. In mehr als 30 Jahren als Lehrerin hat sie so manche Entwicklungen im deutschen Schulsystem und Schüleranekdoten miterlebt.

Die heute 63-jährige Freisingerin machte ihr Abitur in ihrer Heimatstadt am Josef-Hofmiller-Gymnasium. Im Anschluss zog es sie für ihr Lehramtsstudium in den Fächern Mathematik und Geografie zur LMU nach München. Am Gymnasium Coburg lernte Hellgartner während ihres Referendariats den Berufsalltag einer Lehrerin kennen, bevor sie ihre erste feste Stelle am Gymnasium in Dorfen antrat. Danach fand sie für mehr als 20 Jahre zurück zu ihrer ehemaligen Schule, dem "JoHo". "Es war unglaublich schön, dort zu arbeiten, wo ich selber als Schülerin lernen durfte", erinnert sich die Schulleiterin. Ihre letzten 14 Berufsjahre verbrachte sie anschließend am Gymnasium Moosburg, zwölf davon als Direktorin. Sie erinnert sich an viele Veränderungen - sowohl für die Schüler, als auch die Lehrkräfte.

"Es fehlt einfach die Dauerhaftigkeit"

Vor allem blieb ihr der Wechsel vom G 9 zum G 8 und letztendlich zurück zum G 9 in Erinnerung. "Es fehlt einfach die Dauerhaftigkeit", sagt die Mutter zweier erwachsener Kinder. Sie sei froh, dass man nun wieder 13 Jahre zur Schule gehen müsse, bevor man das Abi erhalte. Es habe einfach enorm viel Zeit durch das verlorene Jahr gefehlt - für den Lehrplan, aber vor allem auch für die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler. "Wer mit 17 schon sein Abiturzeugnis in der Hand hält, weiß oft noch nicht, wohin die Reise gehen soll und was er studieren möchte", so Hellgartner. Deshalb nähmen sich so viele Absolventen mindestens ein Jahr eine Auszeit, um ins Ausland zu fahren oder zu jobben.

Für die Lehrer habe sich viel durch die Digitalisierung verändert: Smartboards und Tablets. Um die Stundenpläne für diese Innovationen anzupassen, seien viele Schulungen und Fortbildungen nötig gewesen. Nichts desto trotz habe sich ihr Traumberuf "Lehrerin" über all die Jahre bewährt. Auf die Frage, ob sie sich eher als die lustige Kumpel-Direktorin oder den strengen Schülerschreck wahrgenommen habe, antwortet sie: "Mein großes Ziel mit meinen Schülern war immer die gegenseitige Wertschätzung. Dazu gehört eine gewisse Strenge, aber auch Lob und Anerkennung. Ich glaube nicht, dass ich die gefürchtete Rektorin war." Sie habe stets darauf geachtet, neben den organisatorischen und leitenden Aufgaben der Schulleiterin auch vor der Klasse an der Tafel zu stehen. "Natürlich wird das Lehren weniger, aber ich habe immer noch zwei Klassen in Erdkunde unterrichtet, um Lehrerin zu bleiben."

Sie würde es wieder tun

Neben dem Unterricht habe sie vor allem das schuleigene Musical mit Stolz erfüllt. Es sei großartig, solch ein Gemeinschaftsprojekt gemeinsam mit Schülern und Lehrern auf die Beine zu stellen. Solche teamgeistfördernden Aktionen seien neben Unterrichtsinhalten essenziell. Am Ende ihrer Karriere steht für Karolina Hellgartner fest, dass sie sofort wieder Lehrerin werden würde, wenn sie es sich aussuchen könnte: "Ja sofort. Es ist solch eine erfüllende Aufgabe, Verantwortung zu übernehmen und jungen Menschen Wissen und Erfahrung mit auf den Weg zu geben."

Auch, wenn sie die das Gymnasium vermissen werde, freue sie sich auf Zeit, die ihr nun für sich selber, ihre Familie und vor allem fürs Reisen bleibe. Ihre Nachfolgerin wird Claudia Theumer.